«Das geht zu weit»: Bürgerliche Parteien finden das Verbot von Skitagen für St.Galler Schulen übertrieben – SP fordert grundsätzlich schärfere Massnahmen

Das Bildungsdepartement untersagt aufgrund der Coronapandemie «besondere Unterrichtsveranstaltungen» in Schulen bis in den Frühling. Darunter fallen Skitage und Lager. Der Entscheid, Skitage zu verbieten, stösst bei Bürgerlichen auf Unverständnis. Die Linke fordert derweil weitere Massnahmen gegen das Coronavirus.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
und David Grob
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Skilager? Dieses Jahr nicht: Der Kanton St.Gallen untersagt «besondere Unterrichtsveranstaltungen» in Schulen bis in den Frühling.

Skilager? Dieses Jahr nicht: Der Kanton St.Gallen untersagt «besondere Unterrichtsveranstaltungen» in Schulen bis in den Frühling.

Bild: PD

Noch am Dienstag empfahl der Kanton, auf Skilager und Skitage zu verzichten, sprach sich aber gegen ein Verbot aus – anders als andere Ostschweizer Kantone. Tags darauf schwenkt die Regierung um: «Besondere Unterrichtsveranstaltungen» sind bis zu den Frühlingsferien untersagt. Dies teilt das Bildungsdepartement per Communiqué mit.

Der Grund: «Bei der Anfahrt zu solchen Veranstaltungen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Cars, in den Unterkünften vor Ort, aber auch bei der Nutzung der Infrastruktur in Skigebieten könnten aller Voraussicht nach Abstandsvorschriften nicht konsequent eingehalten werden», schreibt der Kanton. Zudem wäre mit deutlich mehr Kontakten zu Dritten zu rechnen, womit sich das Ansteckungsrisiko erhöhe. In der angespannten epidemiologischen Situation sei eine Inkaufnahme dieses Risikos nicht vertretbar. Die Regelung betrifft Primar- und Oberstufenschulen sowie die kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen.

«Wieso kann eine Klasse keinen Tagesausflug machen?»

Kantonsrat Raphael Frei an der Novembersession.

Kantonsrat Raphael Frei an der Novembersession.

Bild: Benjamin Manser

Am dritten Sessionstag des Kantonsrats äusserten sich alle Parteien zu dieser Regelung. Besonders das Verbot von einzelnen Ausflügen stiess auf breites Unverständnis. Dass man Skilager untersage, mache in Anbetracht der epidemiologischen Lage Sinn, sagte etwa FDP-Präsident Raphael Frei. Aber:

«Dass man aber Tagesausflüge bis in den Frühling verbieten will, ist nicht plausibel.»

Damit beschneide man die Autonomie der Schulgemeinden unverhältnismässig. «Das geht zu weit.»

Kantonsrat Christoph Gull (SVP)

Kantonsrat Christoph Gull (SVP)

Bild: Benjamin Manser

Ins selbe Horn stiess die SVP. Christoph Gull sagte:

«Die Basis einer guten Gesundheit ist ein gutes Immunsystem.»

Deshalb sei es falsch, wenn man verhindere, dass Kinder an die frische Luft gingen. Auch sei wohl die Pause im Schulunterricht oder die Anreise in einem Schulbus nicht weniger gefährlich als die Anreise in ein Skigebiet oder das Skifahren.

Auch die CVP befand den Entscheid für «nicht ausgereift». Nicht eingehaltene Abstände im öffentlichen Verkehr seien ein schlechter Grund für ein Verbot, sagt Andreas Broger.

«Wieso soll eine Klasse oder immerhin eine halbe Klasse nicht einen Tagesausflug in ein Skigebiet machen sollen?»
Kantonsrätin Franziska Cavelti Häller (GLP)

Kantonsrätin Franziska Cavelti Häller (GLP)

Bild: Benjamin Manser

Die GLP begrüsste die Absage der Skilager, jedoch sei nicht nachvollziehbar, weshalb Skitage nicht möglich sein sollen, so Franziska Cavelti Häller.

SP und Grüne betonen den Ernst der Lage

Kantonsrätin Bettina Surber (SP)

Kantonsrätin Bettina Surber (SP)

Bild: Benjamin Manser

Auch für die SP sei der Entscheid bezüglich einzelner Ausflüge «nicht der Weisheit letzter Schluss», wie Bettina Surber sagte. «Wir betrachten die Entwicklung der Fallzahlen mit grosser Sorge.» Der Kanton St.Gallen befände sich, was die Anzahl Coronafälle pro 100'000 Einwohner angehe, auf dem unrühmlichen zweiten Platz. Man befürchte die Überlastung des Gesundheitssystems.

«Wir bitten deshalb die Regierung, weitere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu prüfen.»
Kantonsrat Meinrad Gschwend (Grüne)

Kantonsrat Meinrad Gschwend (Grüne)

Bild: Benjamin Manser

Ähnlich klang es vonseiten der Grünen. «Auch wir finden, dass diese Massnahme sehr weit geht, unterstützen sie aber angesichts der Fallzahlen», sagte Fraktionschef Meinrad Gschwend.

«Es geht jetzt darum, die Fallzahlen runter zu bringen. Da ist der Verzicht auf einen Skitag vertretbar.»

Maskenpflicht bis mindestens Januar

Ob das die Schülerinnen und Schüler auch so sehen? Während die besagten Veranstaltungen ausfallen, soll nämlich Unterricht durchgeführt werden. «Dieser ist in der Zeit der bestehenden Hindernisse aufgrund der Pandemie vorzuziehen», heisst es in der Medienmitteilung. Die Massnahmen gelten ab kommendem Montag.

Seit Anfang November gilt eine Maskenpflicht auch auf der Oberstufe sowie Vorgaben zum Sing- und Sportunterricht. Diese werden verlängert. «Mit einer Aufhebung der Maskenpflicht kann bei entsprechend positiver Entwicklung demnach frühestens ab Mitte Januar 2021 gerechnet werden», schreibt das Departement. Für die Mittelschulen und die Berufsfachschulen regelt der Bundesrat die Maskenpflicht.