«Das gehört nicht auf den Platz»

Uruguay-Stürmer Luis Suárez hat an der WM einen Gegenspieler gebissen. Werden sich Ostschweizer Junioren davon negativ beeinflussen lassen? Einschätzungen von Nachwuchsverantwortlichen aus der Region.

Daniel Walt
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Uruguays Luis Suárez (vorne) – im Bild mit seinem Opfer Giorgio Chiellini – findet auf Ostschweizer Fussballplätzen hoffentlich keine Nachahmer. (Bild: ap/Ricardo Mazalan)

Uruguays Luis Suárez (vorne) – im Bild mit seinem Opfer Giorgio Chiellini – findet auf Ostschweizer Fussballplätzen hoffentlich keine Nachahmer. (Bild: ap/Ricardo Mazalan)

«Kinder sehen, wie sich Profis auf dem Platz verhalten, und kopieren das dann. Solche Szenen gehen nicht spurlos an ihnen vorbei.» Das sagt Mathias Grob, Juniorenobmann des FC Romanshorn, zu einer Szene, die am Dienstagabend bei Fussballfans viel zu reden gab. Im entscheidenden Spiel um den Achtelfinaleinzug an der WM biss Uruguays Stürmer Luis Suárez in einem Zweikampf seinen italienischen Gegenspieler in die Schulter. Konsequenzen auf dem Platz? Fehlanzeige – obwohl der Mann schon früher in seiner Karriere zweimal zugebissen hatte.

Dumme Aktion

Mathias Grob qualifiziert die Aktion von Luis Suárez schlicht als «dumm». Er befürchtet nun Mehrarbeit für die Juniorentrainer beim FC Romanshorn: «Sie werden den Kindern und Jugendlichen wieder vermehrt vermitteln müssen, dass so etwas nicht auf den Platz gehört», hält er fest. Dass Profis mit ihrem Verhalten die Nachwuchskicker beeinflussen, steht für ihn fest – «einige werden eine solche Aktion allerdings besser einordnen können als andere», relativiert er.

Mauro Pedone ist Juniorenobmann des St. Galler Vereins SC Brühl. «Typisch Suárez!», habe er gedacht, als er realisiert habe, was passiert sei. Von Bissen auf Ostschweizer Fussballplätzen weiss er nichts zu berichten – umso mehr verurteilt er das Verhalten des südamerikanischen Stürmers: «Die Kinder kopieren die Frisuren der Stars oder die Art, wie ein Cristiano Ronaldo Freistösse schiesst», sagt er – Fussballer seien Vorbilder für sie.

Dass die kleinen Spieler aus der Ostschweiz nun ebenfalls zu Beissern werden, glaubt er allerdings nicht – und zwar, weil die Medien Suárez' Verhalten als negativ darstellen. Würden sie Suárez hingegen als Schlitzohr loben, bestünde laut Pedone die Gefahr, dass künftig auch Junioren zubeissen.

Bei Älteren ein Problem

«Den müsste man rückwirkend sperren», findet Nino Grillo, Juniorenobmann des FC Herisau. Unabhängig von seiner italienischen Staatszugehörigkeit verurteilt er den Biss von Luis Suárez gegen den Spieler seines Heimatlandes. Dass die kleineren Kicker Suárez nachahmen werden, glaubt er nicht – «das Problem könnte sich eher im Bereich der 13- bis 16-Jährigen stellen», sagt er. In jener Alterskategorie komme es ab und an vor, dass ein Spieler ein Foul, das für Schlagzeilen gesorgt habe, kopiere – oder auch die legendäre Hand Gottes von Diego Maradona.

Der Trainer ist prägender

Auch Marco Vintem, Elitetrainer des FC Frauenfeld, nennt Luis Suárez' Aktion dumm – speziell vor dem Hintergrund, dass der Südamerikaner ein Wiederholungstäter ist. In der Alterskategorie der 11- bis 13-Jährigen, die Vintem trainiert, bestehe weniger die Gefahr, dass Spieler solche Aktionen nachahmten – «hier ist die Vorbildfunktion, die ein Trainer das ganze Jahr über vorlebt, noch wichtiger als jene eines Stars», sagt er. Auch für ihn steht aber fest: Aktionen wie jene von Luis Suárez gehören nicht auf den Fussballplatz – egal ob bei den Nachwuchskickern in Frauenfeld und Romanshorn oder auf der grossen Bühne an der WM.