Reportage

«Das Eisfeld ist ein Treffpunkt für das ganze Dorf»: Heiden ist im Schlittschuh-Fieber – und auch andernorts wagt sich die Ostschweiz aufs Glatteis

Das temporäre Eisfeld in Heiden ist heiss begehrt. Von Anfang November bis Ende Januar treffen sich die Bewohner auf der Eisbahn – manche mit Schlittschuhen an den Füssen, andere lieber mit einem Glühwein in der Hand. Doch nicht nur die Heidler geniessen die Winterromantik: Unsere interaktive Übersicht zeigt die Eisbahnen der Ostschweiz auf einen Blick.

Stephanie Martina
Hören
Drucken
Teilen
Kaum hat das Eisfeld Heiden geöffnet, füllen sich Eisbahn und Vorplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)
18 Bilder
Heimelig und beschaulich: Das Eisfeld in Heiden. (Bild: Hanspeter Schiess)
Viele Kinder kommen an diesem Nachmittag mit ihren Müttern aufs Eisfeld. (Bild: Hanspeter Schiess)
Am Mittwochnachmittag gehört das Eisfeld den Kindern. (Bild: Hanspeter Schiess)
Stütztiere gibt es in Heiden in Robben- und Rentier-Form. (Bild: Hanspeter Schiess)
Viele Kinder sind ausgerüstet mit Skianzug und Helm. (Bild: Hanspeter Schiess)
Unter den Heizstrahlern ist es wohlig warm. (Bild: Hanspeter Schiess)
Auch Teenager treffen sich auf dem Eis mit ihrem Freunden. (Bild: Hanspeter Schiess)
Die Wintersonne stattet dem Eisfeld einen Besuch ab. (Bild: Hanspeter Schiess)
Heidler Eigenheit: Mitten im Eisfeld steht ein Baum. (Bild: Hanspeter Schiess)
Hitch macht das Eisfeld fürs Eisstockschiessen bereit. (Bild: Hanspeter Schiess)
Besucher geniessen die Aussicht über den Bodensee. (Bild: Hanspeter Schiess)
Das Eisfeld Heiden mit Blick auf den Bodensee. (Bild: Hanspeter Schiess)
Peter Jucker und seine Enkelin Ladina mit der orangen Robbe, die sich die Vierjährige selbst ausgesucht hat. (Bild: Hanspeter Schiess)
Rolf Köster verkauft am Kiosk vor allem Süssigkeiten. (Bild: Hanspeter Schiess)
Jugendliche posieren für ein Erinnerungsselfie. (Bild: Hanspeter Schiess)
Die Erwachsenen trinken Glühwein und plaudern. (Bild: Hanspeter Schiess)
Auslegeordnung am Eisbahnrand. (Bild: Hanspeter Schiess)

Kaum hat das Eisfeld Heiden geöffnet, füllen sich Eisbahn und Vorplatz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Mittwoch müssen in Heiden die Hausaufgaben warten. Denn es ist der erste schulfreie Nachmittag, an dem im Dorf das Eisfeld geöffnet hat. Eigentlich erst ab 14 Uhr. Doch viele Kinder, ausgerüstet mit Skianzug und Helm, stehen bereits eine halbe Stunde vorher vor dem Eingang. Initiant Tobias Funke ist unkompliziert. «Lassen wir sie aufs Eis!», sagt er mit einem Lächeln zu seinen Mitarbeitern. Innert Kürze verwandelt sich die idyllische Anlage mit Blick auf den Bodensee in einen Spielplatz. Funke freut's. Seit diesem Jahr ist er Präsident des neu gegründeten Vereins «Für Heiden», der den Betrieb des Eisfeldes organisiert. Davor hat der Heidler die Anlage auf eigene Faust betrieben.

Das Eisfeld Heiden ist sein Herzensprojekt: Initiant Tobias Funke. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Eisfeld Heiden ist sein Herzensprojekt: Initiant Tobias Funke. (Bild: Hanspeter Schiess)

Funke tauscht bei den Heizstrahlern die Gasflaschen aus. Er sei nicht nur Vereinspräsident, sondern packe auch gerne mit an, erklärt er. Diese Eisbahn sei sein Herzensprojekt. Auch deshalb, weil er in Rapperswil neben einem Eisfeld aufgewachsen sei.

«Gefühlt habe ich meine ganze Kindheit und Jugend auf Kufen verbracht.»

In Heiden sei er noch nie übers Eis geglitten, gesteht er. Es reize ihn, aber er wolle kein Risiko eingehen. «Jetzt ist Hauptsaison. 60 Mitarbeiter in vier Restaurants zählen auf mich, da kann ich unmöglich verletzt ausfallen.»

Obwohl Funke derzeit 80 Stunden pro Woche arbeitet, wirkt er entspannt. Einen Moment lang schaut er dem Treiben auf dem Eis zu. «Es ist noch alles wie vor 30 Jahren», sagt er. «Die Kinder spielen Fangis, und frisch verliebte Jugendliche treffen sich auf der Eisbahn für ein bisschen Winterromantik.»

Ein Begegnungsort für Heiden

Während sich die Kinder auf dem Eis austoben, plaudern ihre Mütter hinter der Bande. Alexandra Rossatti und ihre Freundin Alexandra Pisano stehen an einem hölzernen Bartisch und trinken Kaffee. Sie freue sich zwar mehr auf den Skilift, aber für die Kinder sei die Eisbahn genial, sagt Rossatti. «Das Eisfeld ist ein Treffpunkt für das ganze Dorf.»

Alexandra Rossatti (links) und Freundin Alexandra Pisano plaudern am Eisfeldrand, während ihre beiden Buben Gianluca (Mitte) und Antonio Schlittschuh laufen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Alexandra Rossatti (links) und Freundin Alexandra Pisano plaudern am Eisfeldrand, während ihre beiden Buben Gianluca (Mitte) und Antonio Schlittschuh laufen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das hört Initiator Tobias Funke gerne. «Wir möchten Heiden hier zusammenbringen. Die Kinder können mit ihren Freunden spielen, und die Erwachsenen treffen sich mal abseits von Elternabenden.» Er ist stolz, dass ihm und seinem Team das gelingt und sie im Dorf und der Umgebung auf viel Unterstützung zählen können. Das zeige sich jeweils bereits vor der Eröffnung. Letztes Jahr habe der FC Heiden beim Aufbau der Eisbahn geholfen, dieses Mal die Handballer der BSG Vorderland. «Für sie war es selbstverständlich, dass sie uns unterstützen. Sie kamen gleich mit zwölf Helfern, obwohl wir eigentlich nur sechs gebraucht hätten», freut sich Funke.

Schuhgrösse 33 ist gefragt

Dass sich das Eisfeld im Dorf etabliert habe, merke er auch bei der Schlittschuhvermietung, sagt Tobias Funke weiter. Noch im ersten Jahr habe kaum jemand in Heiden Schlittschuhe gehabt, erinnert sich Funke. Jetzt, im dritten Winter, kämen immer mehr Besucher mit ihren eigenen. Das zeige ihm, dass die Leute fest davon ausgehen würden, dass es auch in Zukunft eine Eisbahn geben werde. Funke erzählt:

«Letztes Jahr kam am 25. Dezember ein kleiner Bub aufs Eisfeld und zeigte mir stolz seine neuen Schlittschuhe, die er sich vom Christkind gewünscht hatte. Das freute mich sehr.»

Für den Schlittschuhverleih ist Christian Zürcher zuständig, den alle Hitch nennen. «Zum Glück duftet es hier in der Hütte nach Raclette und Fondue, so rieche ich den Fussschweiss in den Schlittschuhen nicht», scherzt Hitch und hält eine Spraydose in die Luft. «Natürlich desinfizieren wir die zurückgebrachten Schuhe, bevor wir sie ins Regal zurückstellen.» Auf mehreren Ständern stehen 250 Paar Schlittschuhe. An diesem Nachmittag ist vor allem die Kinderschuhgrösse 33 gefragt. An den Wochenenden würden auch Grösse 38 bei den Damen und Grösse 42 bei den Herren weggehen wie warme Weggli, sagt Hitch.

Mehrmals täglich putzt Hitch als  Eismeister die 850 Quadratmeter grosse Fläche mit einer Miniatur-Eisreinigungsmaschine.

«Es ist herzig, wie mir die Kinder dabei zuwinken. Wenn ich dann hupe, lachen sie laut. Das ist grossartig.»

Hitch hilft das erste Jahr auf dem Eisfeld Heiden

Chrömle mit dem Sackgeld

Den strengsten Job auf dem Eisfeld hat wohl Rolf Köster. Er arbeitet am Kiosk, schenkt Glühwein aus und füllt Ketchup in Hotdogs. An diesem Mittwochnachmittag sind jedoch Süssigkeiten der Dauerbrenner. «Wie viele grüne Gummifröschli bekomme ich dafür?», fragt ein Mädchen und streckt Köster einen Einfränkler entgegen. «Viele bringen ihr Sackgeld mit, weil sie hier chrömlen wollen», sagt Köster.

Bei Rolf Köster am Kiosk herrscht Hochbetrieb – vor allem die Süssigkeiten sind begehrt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bei Rolf Köster am Kiosk herrscht Hochbetrieb – vor allem die Süssigkeiten sind begehrt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Peter Jucker aus Grub AR hat soeben einen Apfelpunsch geholt und sitzt jetzt mit seiner vierjährigen Enkelin Ladina auf einer Holzbank. «Sie steht noch nicht so sicher auf ihren Schlittschuhen. Es muss anstrengend für sie sein, immer wieder aufzustehen. Deshalb legen wir eine kleine Pause ein», erklärt Jucker. Er giesst etwas von seinem Punsch in einen zweiten Becher und gibt ihn seiner Enkelin.

«Pass auf, es ist noch heiss.»

Nachdem sie sich aufgewärmt haben, gehen die beiden – samt oranger Stütz-Robbe – zurück aufs Eis.

Wärmen sich mit einem Punsch auf: Ladina und ihr Grossvater Peter Jucker. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wärmen sich mit einem Punsch auf: Ladina und ihr Grossvater Peter Jucker. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das sind die Eisbahnen der Ostschweiz:

Fehlt die Eisbahn, auf der Sie am liebsten Ihre Pirouetten drehen? Dann schreiben Sie uns an online@tagblatt.ch.