«Das Chäserrugg-Projekt wird es schwer haben»

Eine Aussichtsplattform auf dem Chäserrugg soll Touristen anlocken – so will es die Toggenburg Bergbahnen AG. Weil das Bauwerk in einer vom Bund geschützten Naturlandschaft geplant ist, steht seine Bewilligung auf der Kippe.

Urs-Peter Zwingli
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Deutschland: Die im Juli eröffnete, acht Meter lange Alpsix-Plattform auf der Zugspitze. (Bild: epa/Andreas Gebert)

Deutschland: Die im Juli eröffnete, acht Meter lange Alpsix-Plattform auf der Zugspitze. (Bild: epa/Andreas Gebert)

unterwasser. «Ein Zeichen des Aufbruchs» für das Obertoggenburg soll sie dereinst sein, die Aussichtsplattform auf dem Chäserrugg. Der Mann, der die Aufbruchsstimmung verbreitet, heisst Bruno Dobler und ist Geschäftsführer der Toggenburg Bergbahnen AG. Auf einer Wanderung zur Rheinschlucht-Plattform bei Flims (mittleres Bild rechts) im Sommer 2009 habe er gedacht, dass man «so etwas» im Toggenburg auch brauche. «Seither hat mich die Idee nicht mehr losgelassen», sagt Dobler.

Die Natur allein ist nicht genug

Die Idee überzeugte auch den Verwaltungsrat der Bergbahnen, der einen Projektierungskredit bewilligte. Gut 100 000 Franken habe man bisher in die Planung investiert, sagte Dobler gestern.

Das Wattwiler Architektur- und Ingenieurbüro Schällibaum fertigte die Pläne an für das Bauwerk aus 20 Tonnen Metall. Knapp 10 Meter soll es über den Abgrund hinausragen und dabei Massen von Schnee und starken Winden standhalten.

Geplant ist, die Plattform nahe dem Wanderweg vom Chäserrugg über den Rosenboden zu bauen, wie die «Toggenburger Nachrichten» gestern berichteten. Der Blick fast 1600 Meter senkrecht hinab auf den Walensee werde «dramatisch» sein, sagt Dobler. Was man sich von dieser Dramatik erhofft, ist klar: Mehr Touristen sollen in der Sommersaison, die heute nur knapp kostendeckend ist, ins Toggenburg reisen. Gerade Junge und «Städter» bräuchten mehr als nur die Natur, ist Dobler überzeugt.

«Sie wollen etwas Spezielles, so dass sie immer wieder kommen.»

Projekt ist «Effekthascherei»

Eigentlich hätte die Plattform bereits diesen Sommer eingeweiht werden sollen. Eigentlich – denn der Baustart hat sich verzögert. Grund dafür sind drei Einsprachen, die laut Bausekretär Hansueli Frei während der Baueingabe im Frühling dieses Jahres bei der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann eingegangen sind. Dobler zeigt sich trotzdem zuversichtlich: «Wir sind mit den Einsprechern im Gespräch.

Ich glaube, dass wir eine Lösung finden werden.»

Dem widerspricht Andreas Jung, Präsident des Natur- und Heimatschutzes St. Gallen-Appenzell: «Wir haben seit Monaten nichts mehr von Herrn Dobler gehört.» Ausserdem sei der Heimatschutz entschlossen, am Einspruch festzuhalten. «Ein solches Projekt gehört einfach nicht in die Churfirsten», sagt Jung. Die Plattform sei reine «Effekthascherei», es werde «auf Teufel-komm-raus Event-Tourismus betrieben».

Auch eine gewisse Verkleinerung des Baus, die Dobler in Aussicht stellt, ändert nichts an der Einstellung des Heimatschutzes: «Das Projekt ist nicht bewilligungsfähig», sagt Jung.

Auch der Bund ist kritisch

Bei dieser Aussage stützt sich Jung massgeblich auf einen Vorabbericht, den die Eidgenössische Kommission für Natur- und Heimatschutz (EKNH) – nicht zu verwechseln mit den Einsprechern – im Auftrag des Kantons erstellt hat. «Die EKNH hat sich kritisch zum Projekt geäussert.

Die Plattform sei zu gross dimensioniert, zu prominent in der Landschaft, heisst es», sagt Alfred Brülisauer, zuständig für Natur- und Landschaftsschutz im kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Churfirsten zum Inventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) gehören.

In solchen Gebieten, die ausserhalb der Bauzone liegen, darf normalerweise nicht gebaut werden – und wenn, dann nur, wenn auf eine bestehende Nutzung aufgebaut werden kann und das Gebiet nicht belastet wird. Laut Bausekretär Frei berufen sich alle Einsprecher auf den BLN-Status des Gebietes. «Das Projekt wird es deswegen sehr schwer haben, eine Bewilligung zu erhalten», sagt Frei.

Die Wanderwege, auf denen man die Aussichtsplattform von der Bergstation der Luftseilbahn auf den Chäserrugg in rund 30 Minuten zu Fuss erreichte, seien Teil der bereits bestehenden Nutzung, sagt dazu hingegen Dobler. Seinen Traum von der Plattform, die – sofern sie gebaut werden kann – bis zu 800 000 Franken kosten wird, will er weiter verfolgen.

Schweiz: Blick vom Aussichtsturm «Il Spir» in die Rheinschlucht in Flims. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Schweiz: Blick vom Aussichtsturm «Il Spir» in die Rheinschlucht in Flims. (Bild: ky/Arno Balzarini)

USA: Touristen auf dem gläsernen «Skywalk» über dem Grand Canyon in Arizona. (Bild: ap/Rob Schumacher)

USA: Touristen auf dem gläsernen «Skywalk» über dem Grand Canyon in Arizona. (Bild: ap/Rob Schumacher)