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Das beste Pferd im Stall: CVP nominiert Benedikt Würth

Die CVP hat sich einstimmig für den St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth als Ständeratskandidaten ausgesprochen. Für die Ankündigung wählt sie einen symbolträchtigen Ort: In Mörschwil begann der Spross einer Politfamilie vor 30 Jahren seine politische Karriere.
Michael Genova
Nomination im Gemeindezentrum Mörschwil: Benedikt Würth soll für die CVP den Ständeratssitz zurückholen. (Bilder: Michel Canonica)

Nomination im Gemeindezentrum Mörschwil: Benedikt Würth soll für die CVP den Ständeratssitz zurückholen. (Bilder: Michel Canonica)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die roten Christbaumkugeln glitzern. Von der Decke baumelt ein leuchtender Weihnachtsstern. Im Gemeindezentrum Mörschwil feiert die St. Galler CVP-Familie an diesem Samstagmorgen vorgezogene Weihnachten. Mit einer besonderen Gabe: Einem Ständeratskandidaten, der einfach gewinnen muss.

«Beni ist unser bestes Pferd im Stall», ruft Patrick Dürr, Präsident der CVP des Kantons St. Gallen. Nun sei die grosse Chance gekommen, den vor sieben Jahren verlorenen Ständeratssitz zurückzugewinnen. Rund 160 Delegierte sind nach Mörschwil gereist, um den St. Galler Finanzdirektor Benedikt Würth als Kandidaten zu nominieren. Der CVP ist es ernst: Nur 48 Stunden nach der Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat hatte die Partei Würths Kandidatur bekanntgegeben. Und nun betont Parteipräsident Dürr vorsorglich: «Unser Anspruch ist legitim.»

Im Stammland von «Kaiser Franz»

Dass die Nomination in der St. Galler Vorortsgemeinde stattfindet, ist kein Zufall. Mörschwil ist das Stammland der Politfamilie Würth. Hier regierte Vater Franz Würth 33 Jahre als Gemeindepräsident, was ihm den Spitznamen «Kaiser Franz» eintrug. Hier begann Sohn Benedikt seine Karriere als Präsident der Guggenmusik Adlerbrüeter. Und hier trat er kaum 20 Jahre alt in die CVP-Ortspartei ein.

Nun steht der 50-Jährige auf der Bühne und verspricht seiner Partei: «Ich werde mein Bestes geben.» Es klingt, als ahnte er, dass es ein intensiver Wahlkampf wird. Würth präsentiert sich als Brückenbauer, wie geschaffen für den Ständerat, die Kammer des Ausgleichs. «Ich habe gelernt, Lösungen über Parteigrenzen hinweg zu entwickeln», sagt er. Und natürlich spricht der CVP-Politiker auch über Werte: Eigenverantwortung und Leistung, Anstand und Solidarität.

«Ich habe in meinem beruflichen Leben die ganze Bandbreite materieller und menschlicher Schicksale erlebt.»

Deshalb werde er weiterhin nahbar und volksnah sein. «Und nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gescheit reden.»

Würth muss sich gegen Frauen behaupten

Würths Auftritt ist ein doppeltes Heimspiel. Er spricht sozusagen in seinem erweiterten Wohnzimmer. Im Adlersaal des Gemeindezentrums trifft sich die Grossfamilie Würth jedes Jahr zur Weihnachtsfeier. Und die Voten seiner Parteifreunde klingen an diesem Morgen eher wie Lobeshymnen. Doch die Christdemokraten geben sich Mühe, ihre Vorfreude zu zügeln. Parteipräsident Dürr warnt davor, sich angesichts der «herausragenden Qualitäten» des Kandidaten zurückzulehnen. Und Nationalrat Markus Ritter will keinen gewöhnlichen Wahlkampf führen. «Es braucht eine Bewegung für Beni Würth.»

Viele orange Zustimmung für den Mörschwiler.

Viele orange Zustimmung für den Mörschwiler.

Eine solche Bewegung könnte er tatsächlich gebrauchen. Denn Würth hat eine Schwäche, für die er nichts kann: Er ist keine Frau. Schon jetzt zeigt sich, dass die Frauenfrage zum dominierenden Thema des Wahlkampfes werden könnte. Die St. Galler FDP schickt Susanne Vincenz-Stauffacher ins Rennen um die Nachfolge von Karin Keller-Sutter. Auch die SVP und die Grünen könnten eine Frau nominieren. Und diese Woche kritisierten die Lokalpolitikerinnen Erika Häusermann und Verena Gysling vom Frauenforum Wil, dass Würth durch sein Vorpreschen Frauen von einer Kandidatur abschrecke.

Parteileitung pariert ersten Angriff

Doch die Parteileitung hat sich gut vorbereitet. Die CVP Frauen stellen sich demonstrativ hinter «den besten Kandidaten». Und ein ehemaliges Mitglied des Frauenforums Wil ergreift das Wort und sagt, dass ausser Erika Häusermann und Verena Gysling kaum noch andere in der Gruppierung aktiv seien.

Die Abstimmung ist dann nur noch Formsache. Selbst auf wiederholte Nachfrage ergibt sich keine wilde Kandidatur aus der Mitte. Auch die vorbereitete Pressemitteilung muss nicht neu gedruckt werden: «CVP nominiert Beni Würth einstimmig.» Dann ergreift der frisch gekürte Kandidat nochmals das Wort. Würth bedankt für das Lob, das man jedoch etwas «abtemperieren» müsse. Er weiss, der Wahlkampf hat gerade erst begonnen.

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