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Das Airbnb-Angebot wächst in der Ostschweiz markant – wer aber bezahlt die Kurtaxen?

In den Kantonen St.Gallen und Appenzell Innerrhoden werden 30 Prozent mehr Zimmer über die Online-Plattform Airbnb angeboten als vor sechs Monaten. Mit den Tourismus-Abgaben gehen die Kantone unterschiedlich um.
Adrian Lemmenmeier
In der Stadt St.Gallen waren Ende Juni 174 Einheiten auf Airbnb ausgeschrieben.  (Bild: Benjamin Manser)

In der Stadt St.Gallen waren Ende Juni 174 Einheiten auf Airbnb ausgeschrieben.  (Bild: Benjamin Manser)

Man kennt das Problem aus Barcelona, Florenz oder Dubrovnik: Einheimische ziehen aus dem Zentrum weg, weil sie ihre Wohnungen über Internetplattformen wie Airbnb an Touristen vermieten können. Einst belebte Innenstädte werden zu Freiluftmuseen. In der Schweiz ist eine solche Verdrängung weniger ein Thema – und in der Ostschweiz schon gar nicht.

Es sind aber gerade die Kantone St.Gallen und Appenzell Innerrhoden, die im letzten Halbjahr den schweizweit grössten Zuwachs an Airbnb-Wohnungen verzeichnen (siehe Grafik). «Wir sehen, dass das Angebot in Kantonen mit urbanen Zentren wie Zürich oder Genf stagniert», sagt Guilhelm Tardy. Er ist Geschäftsführer des Lausanner Startups itafel.com, das Daten im Immobilienbereich zusammenträgt. «In der Ostschweiz aber wächst der Markt.»

Auch Hotels nutzen Airbnb

Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus will dieses Wachstum «nicht dramatisieren», wie er sagt. Denn viele Objekte würden auf mehreren Plattformen gleichzeitig angeboten. Eine Wohnung könne bis anhin über Casamundo, HomeAway oder Booking.com angeboten worden sein. Wenn sie neu auf Airbnb erscheine, bedeute das nicht, dass ein neues Angebot entstanden sei. Aber Airbnb sei auf dem Ostschweizer Home-Sharing-Markt ein wichtiger Anbieter. «Der Anstieg ist eine erfreuliche Entwicklung für unseren Tourismus», sagt Kirchhofer. Er beobachtet ausserdem, dass die Marktteilnehmer immer professioneller werden.

«Oft bieten auch Hotels ihre Einheiten über Plattformen wie Airbnb an.»

Das bestätigt Alexandre Spatz, Präsident der Branchenvereinigung Hotellerie Ostschweiz. Grundsätzlich sieht er Plattformen wie Airbnb eher als gesunde Konkurrenz denn als Übel für die Hotelbranche. «Die Hotels müssen den Gästen gute Produkte anbieten, dann müssen sie die Konkurrenz nicht fürchten.»

Im Kanton St.Gallen kommen derzeit auf 1000 Einwohner zwei Airbnb Wohnungen. In Appenzell Innerrhoden sind es 2,1; in Ausserrhoden 2,5; im Thurgau knapp eine. Das ist im schweizweiten Vergleich unteres Mittelfeld. In Bern gibt es 3,4 Angebote pro 1000 Einwohner, in Genf 4,2, im dünn besiedelten Tourismuskanton Wallis 21.

Kaum Kontrolle über 
Tourismus-Abgaben

Wer aber bezahlt Kurtaxen, wenn ein Zimmer zu Ferienzwecken über Airbnb vermietet wird? Die Kantone Zug, Zürich, Schaffhausen oder die beiden Basel haben dazu mit Airbnb Verträge abgeschlossen. 2018 hat die Firma aus San Francisco nach eigenen Angaben schweizweit 640000 Franken Tourismusabgaben gesammelt. Und in der Ostschweiz?

«Zurzeit existiert im Kanton St.Gallen noch kein abgeschlossener Vertrag mit Airbnb und Betreibern von vergleichbaren Plattformen», heisst es beim Amt für Arbeit auf Anfrage. Entsprechende Gespräche seien aber angelaufen. Grundsätzlich seien Anbieter, die über Airbnb vermieten, aufgrund des Tourismusgesetzes verpflichtet, Kurtaxen zu bezahlen – sofern die Gemeinde solche erhebt. Im Kanton tun das derzeit 20 Gemeinden. Die Taxen würden aber nur dann bezahlt, wenn sich die Vermieter freiwillig bei der zuständigen Inkassostelle meldeten – oder diese auf die Vermietung aufmerksam werde.

In Appenzell Innerrhoden sind die Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten auf Airbnb gemäss Amt für Arbeit bekannt. «Sie leisten eine Abgabe pro Übernachtung», schreibt Markus Walt vom Amt für Arbeit. Eine Zusammenarbeit mit Online-Plattformen hält man nicht für nötig. Ebenso wenig im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Private, die Wohnungen über Online-Plattformen vermieten, bezahlen pro Jahr und Zimmer eine Grundgebühr von 100 Franken – genau wie andere Anbieter in der sogenannten Parahotellerie. «Wir pflegen das System der Selbstdeklaration», sagt Daniel Lehmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. «Das funktioniert mehrheitlich gut.» Im Kanton Thurgau gibt es kein Tourismusgesetz. Für Verträge mit Online-Plattformen fehlt also die rechtliche Grundlage.

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