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Darum will der Kanton St.Gallen ein Klanghaus im Toggenburg – die wichtigsten Fragen und Antworten

Mit dem Klanghaus soll im oberen Toggenburg ein kultureller Leuchtturm mit nationaler Strahlkraft entstehen. 
Wer hat davon etwas? Was kostet das? Und wer bezahlt es? Die wichtigsten Zahlen und Fakten.
Regula Weik

Weshalb braucht das Toggenburg ein Klanghaus?

Mit dem Klanghaus soll im Toggenburg ein musikalisches und architektonisches Zentrum für traditionelle Musik und Volkskultur entstehen. Dies soll der Region «zukunftsgerichtete Impulse für Kultur, Tourismus und Bildung» vermitteln, wie die IG Klanghaus Toggenburg festhält. Darüber hinaus ist das Klanghaus Teil der kantonalen Kulturstrategie. Dazu gehören das Kunstzeughaus in Rapperswil-Jona (eröffnet 2008), das Kulturschloss Werdenberg (2009), das Kulturzentrum Lokremise in St.Gallen (2010) – und eben das Klanghaus.

Wie sieht der Bau aus?

In einem Wettbewerb setzte sich das international erfolgreiche Zürcher Büro des im März verstorbenen Architekten Marcel Meili und seines Partners Markus Peter durch. Geplant ist ein Holzbau, die Fassade wird mit Schindeln aus heimischer Fichte und Lärche eingekleidet.

Was kostet das?

Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben betragen 23,3 Millionen Franken. Die Stiftung Klangwelt Toggenburg steuert eine Million an die Baukosten bei, für den Kanton verbleiben Investitionen von 22,3 Millionen Franken – ein einmaliger Baukredit und damit hat es sich. Anders als ursprünglich geplant tritt der Kanton heute nur noch als Bauherr auf; das betriebliche Risiko trägt er nicht mehr. Als Betreiberin steigt die Stiftung Klangwelt Toggenburg ein; im Betriebsfonds liegen gut fünf Millionen.

Klanghaus Seegüetli, Pressebild

Klanghaus Seegüetli, Pressebild

Was bezahlt das Toggenburg?

Das Toggenburg engagiere sich zu wenig für das Projekt, lautete eine frühe Kritik. Das Klanghaus sei ein Geschenk für die Region, das diese gar nicht wolle. Die Kritik verhallte im Tal nicht ungehört: Die Toggenburger wirbelten und weibelten und brachten über sechs Millionen Franken Sponsorengelder zusammen.

Woraus besteht das Klanghaus?

Das Gebäude umfasst vier akustisch spezielle Räume und zwei Aussenbühnen für Aufführungen, Proben, Kurse und Symposien. 60 bis 80 Teilnehmer können das Klanghaus gleichzeitig nutzen.

Was das Volk davon?

Das Klanghaus steht nicht nur Musikgruppen offen, sondern auch Firmen und Gruppen für Anlässe. Es werden Führungen für das breite Publikum organisiert. Wanderer auf dem Klangweg, Passanten und Gäste können einen Blick ins Klanghaus werfen: Ihnen steht das Foyer mit kleiner Verpflegungsmöglichkeit offen.

Weshalb braucht es neben der Klangwelt noch ein Klanghaus?

Das Klanghaus war von Beginn weg als musikalisches und architektonisches Zentrum der Klangwelt Toggenburg gedacht. Diese Organisation gibt es seit 15 Jahren; sie wurde initiiert vom Toggenburger Musiker und Komponisten Peter Roth und bündelt die verschiedenen Aktivitäten (Klangweg, Klangschmiede, Klangfestival, Klangschwendi). Seit 2006 hat die Klangwelt einen Förderverein. Er zählt heute 1400 Mitglieder.

Weshalb hat es so lange gedauert?

Die aktuelle Vorlage ist der zweite Anlauf. Im März 2016 hatte das Kantonsparlament das Klanghaus in letzter Minute versenkt – ein «Betriebsunfall», wie es da und dort hiess. Doch es hatte auch einen gewichtigen, zentralen Kritikpunkt gegeben: die Kosten, insbesondere die Betriebskosten. Die Gegner des Vorhabens hatten von einem «Fass ohne Boden» gesprochen und befürchtet, es würden jedes Jahr Hunderttausende von Steuergeldern im oberen Toggenburg versenkt. Die Vorgabe der Regierung für eine Neuauflage des Projekts war denn auch unmissverständlich: Private Sponsoren müssen das Projekt mit sechs Millionen alimentieren, damit der Kanton es unterstützt. Daraufhin weibelten die Toggenburger und brachten 6,3 Millionen Franken zusammen.

Wo soll das Klanghaus stehen?

Der Bau ist am Schwendisee oberhalb von Unterwasser geplant. An diesem Standort steht bereits heute ein Gebäude, das Hotel Seegüetli. Dieses soll abgebrochen werden. Das Klanghaus käme weiter entfernt vom Seeufer zu stehen als das heutige Hotel. Dadurch und durch die besondere Architektur des Klanghauses werde das Landschaftsschutzgebiet am Schwendisee «deutlich aufgewertet», liess die Regierung diese Woche an ihrer Medienorientierung zur Abstimmungsvorlage wissen.

Wann soll es mit den Bauarbeiten losgehen?

Die Arbeiten für das Klanghaus sollen voraussichtlich im Jahr 2021 starten – vorausgesetzt, die St. Gallerinnen und St. Galler stimmen dem Bauvorhaben Ende Monat zu. 2023 soll das Klanghaus fertiggestellt sein.

Was sagen die Parteien zum Klanghaus?

Sie stehen hinter der Vorlage – mit einer gewichtigen Ausnahme: Als einzige grosse Partei im Kanton lehnt die SVP das Klanghaus ab; die Delegierten beschlossen mit 34 Ja- zu 128 Nein-Stimmen bei 7 Enthaltungen deutlich die Nein-Parole. Inzwischen hat sich ein überparteiliches Ja-Komitee gebildet mit Vertreterinnen und Vertretern von CVP, FDP, SP, Grünen, Grünliberalen, BDP und EVP. Im Kantonsparlament gab es nur wenig Widerstand gegen die Vorlage; in der Februarsession wurde sie mit 87 Ja- zu 21 Nein-Stimmen gutgeheissen.

Was sagen die Kritiker?

Das Projekt sei überdimensioniert, die Baukosten hoch, die Lage ungünstig – dies sind die Hauptargumente, welche die Kritiker aus den Reihen der SVP ins Feld führen. Die Befürworter derselben Partei weisen auf «den wichtigen kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Mehrwert» des Klanghauses für das obere Toggenburg hin. Die Rede ist von jährlich über fünf Millionen Franken Wertschöpfung für die Region.

Wo gibt es Informationen?

Unter dem Titel «Klanghaus unterwegs» ist eine Roadshow durch den Kanton geplant. In den kommenden Tagen und Wochen gibt es Informationsanlässe in St.Gallen, Rapperswil, Buchs, Rorschach und Wil (Daten und Orte unter: www.klanghaus-toggenburg.ch). Auftakt ist morgen Samstag, 8. Juni, von 10 bis 16 Uhr am Schwendisee mit den beiden FDP-Regierungsräten Martin Klöti und Marc Mächler sowie verschiedenen musikalischen Darbietungen.

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