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Darmkrebs-Test aus der Apotheke – Krebsliga Ostschweiz plant ein neues Programm zur Vorsorge

Parallel zu den Vorbereitungen für das nationale Krebsregister ab 2020 lanciert die Ostschweizer Institution ein Pilotprojekt.
Michael Genova, Christoph Zweili
Bei Neuerkrankungen auf Platz zwei: Von Dick- und Enddarm-Erkrankungen sind Frauen wie Männer gleichermassen betroffen. (Bild: Getty)

Bei Neuerkrankungen auf Platz zwei: Von Dick- und Enddarm-Erkrankungen sind Frauen wie Männer gleichermassen betroffen. (Bild: Getty)

Für Onkologe Rudolf Morant, Präsident der Krebsliga Ostschweiz, liegt der Vorteil eines nationalen Krebsregisters auf der Hand. «Zum ersten Mal gibt es damit flächendeckende Daten zur Häufigkeit von Krebserkrankungen in der Schweiz». Weil einige Kantone bislang kein Register führten, mussten die Daten jeweils hochgerechnet werden. Der Hintergrund: Krebs ist in der Schweiz keine meldepflichtige Krankheit. Jedenfalls noch nicht, denn 2020 tritt das neue Krebsregistrierungsgesetz in Kraft. Damit sollen in Zukunft Krebserkrankungen schweizweit vollständig und einheitlich erfasst werden.

Der Bundesrat argumentiert, nur mit solchen vollständigen Daten könnten der mögliche Einfluss von Verhaltensfaktoren (Rauchen, Screening- und Impfbereitschaft) und Umweltfaktoren (Industrieanlagen, Atomanlagen, Verkehr) auf Krankheiten belegt beziehungsweise ausgeschlossen werden. Vorgesehen ist, dass Spitäler, Ärzte und Gesundheitsinstitutionen Krebsfälle einem der zwölf zuständigen kantonalen Register melden müssen. Dieses leitet dann die Daten anonymisiert an das nationale Register weiter.

Immer mehr Menschen
erkranken an Hautkrebs

Durch ein nationales Register erhoffen sich Ärzte und Forschende neue wissenschaftliche Erkenntnisse. So kann man laut Morant zum Beispiel aus den Daten herauslesen, dass immer mehr Menschen an schwarzem Hautkrebs (Melanom) erkranken und entsprechende Präventionsmassnahmen ergreifen. Oder die Kantone können überprüfen, wie gut kostspielige Therapien gegen bestimmte Krebsarten wirken. Dazu kommt:

«Das nationale Register ist ein nützliches Frühwarnsystem, wenn plötzlich einige Tumorarten viel häufiger auftauchen.»

Vor allem gegen die breite Erfassung von Patientendaten gab es im Rahmen der Vernehmlassung Widerstand aus den Kantonen: Angesichts der zu erfassenden Daten befürchteten sie einen «teuren Datenfriedhof». «Inzwischen hat sich das gelegt», sagt die St.Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann. Sie präsidiert auch die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren. Der Datensatz sei vom Bundesamt für Gesundheit «massgeblich verkleinert» worden: «Damit ist ein Hauptanliegen der Kantone aufgenommen worden.»

Die meisten Kantone erfassen die Erkrankungsfälle heute in Krebsregistern; einem Flickenteppich ähnlich decken sie rund 75 Prozent der Bevölkerung ab. Das Krebsregister Ostschweiz erfasst schon seit dem Jahr 1980 systematisch Tumoreigenschaften, Therapien und Verlauf aller neu diagnostizierten Krebserkrankungen in den Kantonen St.Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden, seit 2011 auch vom Fürstentum Liechtenstein. Seit März dokumentiert die Krebsliga zusätzlich auch die Krebsfälle im Thurgau.

In der Region St.Gallen-Appenzell erkrankten in den Jahren 2013–2017 zusammen mit dem Fürstentum Liechtenstein 9208 Männer und 7310 Frauen neu an Krebs. Bei den Frauen ist mit 2020 Fällen die Brust das am häufigsten betroffene Organ – mit 251 Fällen dominiert die Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen (siehe Tabelle). Bei den Männern ist die Prostata (2338 Fälle) am meisten betroffen, die Spitzen-Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen macht 541 Fälle aus.

Krebsliga will Hürden für
 Darmkrebs-Vorsorge senken

Parallel zu den Vorbereitungsarbeiten für das nationale Krebsregister plant die Krebsliga Ostschweiz auch ein neues Programm für die Darmkrebs-Vorsorge. «Wir sind mitten in der Planungsphase», bestätigt Morant. Bislang empfehlen Ärzte allen Frauen und Männern ab 50 Jahren eine Darmspiegelung, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Das Problem dabei: Nur eine Minderheit folgt dieser Empfehlung.

Mit dem neuen Screening-Programm will die Krebsliga die Hürden für die Darmkrebs-Vorsorge senken. Sie will alle Frauen und Männer zwischen 50 und 69 Jahren künftig regelmässig mit einem Brief zu einer Untersuchung oder einem Test auffordern. Voraussichtlich wird die Krebsliga laut Morant dabei auf einen Blut-im-Stuhl-Test setzen. Erhältlich ist dieser beim Arzt und in vielen Apotheken.

Dank des neuen Programms will die Krebsliga Tumore in einem früheren Stadium erkennen. Morant sagt:

«Wir hoffen, so einen Grossteil der Todesfälle durch Dickdarmkrebs verhindern zu können.»

In einem ersten Schritt soll das neue Früherkennungsprogramme für Darmkrebs im Kanton St.Gallen eingeführt werden. Weitere Kantone könnten folgen. Morant will in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit einem Pilotprogramm starten. Die Krebsliga hat beim Bund einen Antrag gestellt, dass die neue Vorsorgeuntersuchung von der Krankenkasse-Franchise befreit wird. Zudem bemüht sie sich um einen kantonalen Leistungsauftrag.

Der Kanton St.Gallen hat bereits Interesse signalisiert. Als Gesundheitsdirektorin unterstütze sie Massnahmen zur Früherkennung von Krebs, sofern die St.Galler Bevölkerung davon profitiere, sagt Regierungsrätin Heidi Hanselmann. «Für ein Darmkrebs-Vorsorgeprogramm konnte dieser Nutzen bereits mit zahlreichen Studien und Erfahrungen aus dem Ausland belegt werden».

Die Krebsliga Ostschweiz hat bereits Erfahrungen mit Vorsorge-Programmen gesammelt. Im Rahmen des Programms Donna lädt sie in den Kantonen St. Gallen, Graubünden und Bern Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre schriftlich zu einer Mammografie ein. Im Gegensatz zur Romandie sind Früherkennungsprogramme für Darmkrebs in der Deutschschweiz noch nicht so verbreitet, die Einführung in einigen Kantonen aber geplant.

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