«Darf nicht passieren»: Ostschweizer Anbieter erschüttert nach Drama mit fünf Toten in polnischem Escape Room

In Polen haben sich fünf Mädchen für ein Abenteuerspiel in einem Raum einschliessen lassen – und sind bei einem Brand ums Leben gekommen. Die Inhaber von Ostschweizer Escape Rooms sind erschüttert, aber überzeugt: In ihren Betrieben ist ein solches Drama undenkbar.

Daniel Walt
Drucken
Teilen
In diesem Gebäude im polnischen Koszalin ereignete sich das Drama. (Bild: Keystone)

In diesem Gebäude im polnischen Koszalin ereignete sich das Drama. (Bild: Keystone)

Wer sich in einem Escape Room (dt.: Fluchtraum) einschliessen lässt, sucht den Adrenalinkick. Es gilt in einer bestimmten Zeitspanne Abenteuer zu bestehen und Aufgaben zu lösen, bevor man wieder freikommt. Teils müssen sich die Teilnehmer bei dieser Art von Abenteuer-Game zunächst sogar aus Fesseln lösen. Im nordpolnischen Koszalin hatte der Nervenkitzel für fünf Mädchen nun tödliche Folgen: Die Teenager starben im Escape Room. Auslöser: Ein Feuer, das in einem Nebenraum ausgebrochen war.

«So etwas darf einfach nicht passieren», sagt Raoul Oettle zum Unglück. Er betreibt seit rund einem Jahr das Angebot Escape Games in Wil. Er hat schon ungezählte Escape Rooms auf der ganzen Welt besucht – von hochprofessionellen Angeboten bis zu hobbymässig aufgezogenen Räumen war alles dabei. Es gebe durchaus schwarze Schafe in der Branche, stellt Oettle denn auch fest.

Wil: Türen lassen sich auch manuell öffnen

Ob im vom Brand betroffenen Escape Room in Polen geschlampt wurde, kann Raoul Oettle nach eigenem Bekunden nicht beurteilen. Dafür ist er überzeugt: Ein solches Drama ist hierzulande undenkbar.

Oettle ist auch Wirtschaftsdozent, beschäftigt sich mit Rechtsfragen und legte vor diesem Hintergrund vor der Eröffnung seines Escape Rooms grossen Wert auf Sicherheitsfragen. Das Notfall- und Sicherheitskonzept für seinen Betrieb sieht unter anderem vor, dass es unmittelbar neben Türen, die allenfalls elektronisch verschlossen werden, auch solche gibt, die sich von Hand öffnen lassen.

«Denn die Technik kann immer versagen.»

Jeder Teilnehmer trage zudem ein Walkie-Talkie auf sich, mit dem er sich bemerkbar machen könne, und der Escape Room sei videoüberwacht. «Stellen wir fest, dass sich jemand nicht wohl fühlt, gehen wir rein, und die Person kann den Raum sofort verlassen.»

Frauenfeld: Brandmelder in allen Räumen

Von einem tragischen Vorfall spricht auch Dominic Bernath, Mitinhaber von Houdini’s Quest. Das Unternehmen betreibt in Frauenfeld einen Escape Room – in diesem werden die Teilnehmer eingeschlossen – sowie drei Abenteuerräume, in denen die Türen unverriegelt bleiben. Aufgrund der Brandkatastrophe in Polen sieht Bernath keinen Handlungsbedarf für seinen Escape Room. «Es gibt nicht viel mehr, was wir für die Sicherheit unserer Gäste zusätzlich tun könnten», hält er fest. In der Schweiz würden die Richtlinien und Gesetze grundsätzlich viel strikter umgesetzt als teils im Ausland.

Die Aufsichtspersonen in Frauenfeld sehen und hören die Spieler laut Bernath jederzeit, und auch telefonischer Kontakt untereinander sei möglich. Der Schlüssel liege im Escape Room zudem jederzeit griffbereit.

«Des Weiteren sind sämtliche Räume, auch jene für die Technik, mit Brandmeldern ausgerüstet. Und wenn der Strom ausfällt, gehen die Türen von selbst auf.»

St.Gallen: Notfallknopf vorhanden

Über 10'000 Gäste pro Jahr zählt Gabor Laczko, Mitinhaber der Escape Company, im Escape Room in St.Gallen. Ab und an kommt es auch hier vor, dass sich ein Teilnehmer unwohl fühlt – zu gefährlichen Situationen sei es seit der Eröffnung im Sommer 2015 aber noch nie gekommen.

Auch Gabor Laczkos Unternehmen tut einiges für die Sicherheit der Gäste:

«Bei uns war es beispielsweise nie Teil des Kicks, dass die Türen im Eingangsbereich abgeschlossen werden.»

Verriegelt sei einzig die Tür im letzten Raum, in welchen die Teilnehmer gegen Ende des Parcours kommen. Dessen Ausgangstür öffnet sich automatisch, wenn die Teilnehmer die letzte Aufgabe gelöst haben, sie lässt sich aber auch per Notfallknopf oder von der Spielleitung öffnen. Bei einem Stromausfall entriegelt sie sich ebenfalls. Die Teilnehmer haben zusätzlich auch jederzeit die Option, zurückzulaufen und den Spielbereich durch die ständig offene Eingangstür zu verlassen. «Die Spieler werden von Exit-Schildern auf den kürzesten Fluchtweg aufmerksam gemacht», sagt Laszko.

Imageschaden für Ostschweizer Betriebe?

Raoul Oettle vom Escape Room in Wil kann es sich vorstellen, dass das Image der Branche nach dem tragischen Vorfall in Polen Schaden nehmen wird. Als Sofortmassnahme will er deshalb Infoblätter an die Besucher abgeben. Auf diesen sollen die Gäste über die Sicherheitsmassnahmen der Anlage in Wil informiert werden. In die gleiche Richtung zielt das Votum von Gabor Laczko vom St.Galler Escape Room: «Es kann sein, dass der traurige Vorfall in Polen nun für gewisse Unsicherheiten sorgt. Das wäre auch verständlich», sagt er. Sein Unternehmen wolle künftig vermehrt mit den Sicherheitsmassnahmen werben, die in St.Gallen getroffen würden. (dwa)