«Darauf haben wir Jahrzehnte lang gewartet»: St.Galler Regierung will die Ehe für alle

Liebe ist Liebe: Gleichgeschlechtliche Paare im Kanton St. Gallen sollen bald heiraten und Kinder adoptieren dürfen. Die Regierung unterstützt den Entwurf für eine Gesetzesänderung der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates. Regierungsrat Martin Klöti, Vorsteher des Departement des Inneren, begrüsst diesen Entscheid. 

Rossella Blattmann, Alexandra Pavlovic
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Bald sollen Paare gleichen Geschlechts auch im Kanton St.Gallen heiraten dürfen. (Bild: Keystone)

Bald sollen Paare gleichen Geschlechts auch im Kanton St.Gallen heiraten dürfen. (Bild: Keystone)

Ein weiterer Schritt in Richtung Ehe für alle: Die Regierung des Kantons St.Gallen befürwortet die Öffnung der Ehe für Personen gleichen Geschlechts. «Die St. Galler Kantonsregierung hat sich einstimmig für ein Ja zur Ehe für alle mit Adoption entschieden», sagt der St.Galler Regierungsrat Martin Klöti, Vorsteher des Departement des Inneren.

Paare brauchen noch Geduld

Wie die Regierung heute Mittwoch in einer Mitteilung schreibt, befürwortet sie die Anwendung der eherechtlichen Bestimmungen auf gleichgeschlechtliche Ehen und die möglichst zeitnahe Umsetzung der Vorlage. Die St.Galler Regierung unterstützt damit die parlamentarische Initiative «Ehe für alle».

Ab wann gleichgeschlechtliche Paare im Kanton St.Gallen und auch in anderen Teilen der Schweiz tatsächlich heiraten können ist laut Klöti noch offen. «Der Nationalrat und der Bundesrat müssen die Initiative behandeln.» Das könne auch über ein Jahr dauern. 

Noch keine Samenspende für weibliche Ehepaare in St.Gallen

Klöti freut sich, dass gleichgeschlechtliche Paare im Kanton St.Gallen bald heiraten dürfen. «Darauf haben wir Jahrzehnte lang gewartet.» Für einen grossen, katholischen, und eher konservativen Kanton wie St.Gallen sei die Befürwortung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare umso bedeutender.

Nationalrat sowie die St.Galler Regierung wollen, dass weitere Anpassungen, bei denen die Unterscheidung nach Geschlecht eine Rolle spielt, später erfolgen soll.  

Regierungsrat Martin Klöti (65, FDP SG) zeigt sich erfreut über die Befürwortung der Ehe für alle. (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Martin Klöti (65, FDP SG) zeigt sich erfreut über die Befürwortung der Ehe für alle. (Bild: Urs Bucher)

Eine solche Anpassung sei die Samenspende bei weiblichen Ehepaaren, die einen Kinderwunsch hegen. Im Fall einer solchen Spende bräuchte es laut Klöti eine Verfassungsänderung. Bei der Ehe für alle hingegen handelt es sich um eine Gesetzesrevision.

Und eine Verfassungsänderung sei rechtlich deutlich schwerer durchzusetzen. «Es wäre zu viel auf einmal gewesen, der Prozess wäre ins Stocken gekommen», sagt Klöti. Darum habe die St.Galler Regierung entschieden, den Zugang weiblicher Ehepaare zur Fortpflanzungsmedizin zu einem späteren Zeitpunkt zu diskutieren. 

Heiraten mit Gottes Segen?

Zudem sollen gleichgeschlechtliche Paare bereits bestehende eingetragene Partnerschaften beibehalten oder mittels einfacher Erklärung in eine Ehe umwandeln können. Es sei aber folgerichtig, dass gleichgeschlechtliche Paare nach erfolgter Gesetzesänderung keine eingetragenen Partnerschaften mehr eingehen können, schreibt die Regierung. 

Klöti selbst lebt in einer eingetragenen Partnerschaft. «Mir geht es dabei sehr gut. Ob ich und mein Partner unseren Zivilstand beibehalten oder in eine Ehe umwandeln kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.»

Er betont, dass es sich bei der Ehe für alle um eine Änderung des Zivilstandes handle. «Ob gleichgeschlechtliche St.Galler Paare in Zukunft auch kirchlich heiraten können, hängt von der jeweiligen Kirche oder Religionsgemeinschaft ab.»