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«Darauf fahren wir bis Saisonende»: Ostschweizer Skigebiete haben Schnee im Überfluss – Lawinengefahr ist prekär

Während die Bergbahnen-Betreiber in der Ostschweiz über die massigen Schneefälle frohlocken, hat das Institut für Schnee- und Lawinenforschung die Lawinenwarnstufe auf die zweithöchste Stufe gesetzt. Und die Situation dürfte sich noch zuspitzen: In den Voralpen werden bis Sonntagabend auf über 1000 Metern über Meer bis zu 90 Zentimeter Neuschnee erwartet.
Heini Schwendener, Tim Naef

Es schneit. Das wäre angesichts der Jahreszeit keine grössere Meldung wert. Doch es schneit viel, sehr viel. In Österreich und in Süddeutschland sind die Neuschneemengen derart gross, dass ganze Skigebiete geschlossen, Häuser evakuiert und ganze Täler von der Aussenwelt abgeschnitten wurden. Und auch in der Schweiz bereiten die Schneefälle Kummer: In Arosa beispielsweise konnten die Skilifte am Sonntag erst gegen Mittag geöffnet werden.

Skigebiet Altaussee in der Steiermark. (Bild: pd)

Skigebiet Altaussee in der Steiermark. (Bild: pd)

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Ostschweizer Skigebieten; allerdings aus einem anderen Grund: Am Mittwochmorgen standen die Liftanlagen in Wildhaus, Ebenalp und Flumserberg vorübergehend still. Allerdings nicht wegen des vielen Neuschnees, sondern wegen des starken Windes.

Meterhohe Schneeverwehungen

Während es in Wildhaus im Tal auf rund 1000 Metern über Meer zwischen 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee gab, führten die heftigen Winde im Skigebiet zu teils meterhohen Schneeverwehungen. «Alle Mann und alle Maschinen standen im Einsatz», sagt Jürg Schustereit, Marketingleiter der Bergbahnen Wildhaus.

Auch wenn so ergiebige Schneefälle für die Bahnbetreiber viel Arbeit verursachen, so überwiegt die Freude.

«Das gibt eine super Schneelage, darauf fahren wir bis Saisonende.»

Bis Anfang nächster Woche geht Schustereit für diese Jahreszeit von einer durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Schneehöhe im Obertoggenburg aus.

Gleichzeitig betont er aber auch, dass abseits der Piste die Situation heikel sei. «Der Wind ist bekanntlich der Baumeister von Lawinen», sagt er. Beide Voraussetzungen sind somit in diesen Tagen gegeben. Das Obertoggenburg sei aber nicht per se stark lawinengefährdet wie einige andere Skigebiete. Ein neuralgischer Punkt sei die Ostflanke des Gamserruggs. Da komme es wenn nötig zu Lawinensprengungen.

In Wildhaus sind die Schneemassen zurzeit noch zu bändigen. (Bild: pd)

In Wildhaus sind die Schneemassen zurzeit noch zu bändigen. (Bild: pd)

Angesichts der Bilder aus Österreich und Süddeutschland, wo alles im Schnee versinkt, ist die Situation im obersten Toggenburg noch alles andere als dramatisch. Bei der Bergbahnen Wildhaus AG ist man guter Dinge, dass angesichts der Wetterprognosen am Donnerstag ein gutes Teilangebot von Pisten zur Verfügung stehen wird. Am Freitag und Samstag ist wieder der Normalbetrieb vorgesehen.

In Österreich sind seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen in den Schneemassen ums Leben gekommen. (Bild: Erwin Scheriau APA (Vordernberg, 10. Januar 2019)
Auch Tiere wurden vom Schnee verschluckt. Mitarbeiter der Österreichischen Bahn buddeln die Tiere wieder aus. (Bild: Twitter @OEBB)
Ein Mann befreit ein Dach von der Schneelast, aufgenommen in Saalbach (Bild: APA / Keystone)
Ein Zug der Harzer Schmalspurbahn ist seit Montag eingeschneit. (Bild: Matthias Bieri (Schierke, 9.1.2019))
Mitarbeiter versuchen den Zug vom Schnee zu befreien. (Bild: Matthias Bieri (Schierke, 9.1.2019))
Ein Bagger befreit eine Strasse in Niedertauern (Salzburg) von den Schneemassen. (Bild: Harald Schneider / APA, 9. Januar 2019)
Einsatzkräfte räumen nach einer Lawine eine Strasse frei. Bild: Bernd März / DPA
Ein eingeschneites Auto in der Ramsau am Dachstein in Österreich. Bild: Harald Schneider / APA)
Zwei Männer schaufeln Schnee von einem Dach in Filzmoos, Österreich. (Bild: Christian Bruna / EPA)
In Deutschland erfordert der Schnee derzeit viel Geduld von Autofahrern. Im Bild: Ein Räumungsfahrzeug auf der Autobahn A9 im bayerischen Garching. (Bild: Matthias Balk/Keystone/DPA (9. Januar 2019))
Schneeräumung in Miesbach, Bayern. (Bild: Lino Mirgeler/Keystone/DPA (9. Januar 2019))
Stehende Fahrzeuge auf der verschneiten Autobahn A72 im sächsischen Stollberg. (Bild: Andre März/Keystone/DPA (9. Januar 2019))
Im bayerischen Miesbach geht nichts mehr: «Kein Zugverkehr». Der Landkreis Miesbach hat wegen des starken Schneefalls einen Katastrophenalarm ausgelöst. (Bild: Lino Mirgeler/Keystone/DPA (9. Januar 2019))
Starkes Schneetreiben auch im österreichischen Flachau. (Bild: Barbara Gindl/Keystone/APA (9. Januar 2019))
Ein schneebedeckter Tannenbaum liegt in München zur Abholung bereit. (Bild: Matthias Balk/Keystone/DPA (9. Januar 2019))
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Europa versinkt im Schnee

Flumserberg und Ebenalp: Der Wind ist das Problem

Auch am Flumserberg kämpfen die Bergbahnen-Betreiber vorderhand nicht mit dem Schnee. «Zurzeit haben wir 95 Zentimeter Schnee auf dem Maschgenkamm (2020 m)», sagt Katja Rupf, Mediensprecherin der Bergbahnen Flumserberg. Die Schneemassen würden derzeit keine Probleme bereiten. «Zurzeit beschäftigen sich unsere Techniker eher mit den herrschenden Windverhältnissen.» Ähnlich wie in Wildhaus waren am Mittwochmorgen deshalb nur vereinzelt Lifte geöffnet. Was den Neuschnee angehe, könne sich die Situation jederzeit ändern.

«Wir müssen schauen, was in den nächsten Tagen passiert.»

Besonders freut man sich in Appenzell Innerrhoden über den vielen Neuschnee. «Wir können heute so richtig in die Saison starten», sagt Mario Koller, Geschäftsführer der Ebenalpbahn. Bislang seien wegen des fehlenden Schnees lediglich das Kinderland und der Skilift Horn in Betrieb gewesen. Da hätte man auf künstliche Beschneiung zurückgreifen können.

Eigentlich hätten bereits am Mittwoch die Gondeln die ersten Skifahrer auf die Ebenalp bringen sollen. «Der starke Wind hat die Eröffnung aber nochmals um einen Tag verschoben», sagt Koller.

Von den Pizolbahnen waren vorderhand keine Informationen zur Situation erhältlich.

Nur drei Tage im Jahr Lawinenwarnstufe 4

Was die Bergbahnen-Betreiber freut, hat Auswirkungen auf die Lawinensituation: Die Lawinensituation in den Ostschweizer Voralpen ist prekär. «Zurzeit haben wir die zweithöchste Lawinenwarnstufe rund um die Ostschweizer Skigebiete», sagt Kurt Winkler, Lawinenprognostiker am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Dies sei durchschnittlich nur an drei Tagen pro Jahr der Fall.

Am heutigen Donnerstag dürfte sich die Situation kaum verbessern. «Durch den anhaltenden Schneefall bleibt es bis am Abend heikel», so Winkler. Erst gegen Freitag sei mit einer leichten Entspannung zu rechnen. Versprechen könne er aber nichts. Winkler betont, dass sich die Lawinensituation äusserst schnell ändern könne. Es sei schlicht wetter- und schneeabhängig. «Wenn es am Wochenende wieder vermehrt schneit, und danach sieht es aktuell aus, steigt die Lawinengefahr gleich wieder an.»

Bis zu 90 Zentimeter Neuschnee bis Sonntagabend

Dass es am Wochenende wieder stärker schneit, bestätigt auch Daniela Roth, Meteorologin von MeteoSchweiz: «Für die Skigebiete in der Region erwarten wir bis Donnerstagabend nochmals 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee, teils kann es gar deren 40 geben.»

Am Freitag gebe es zunächst eine Wetterberuhigung mit lokalen Aufhellungen am Vormittag. Gegen Abend würden dann aufgrund einer Warmfront wieder Niederschläge einsetzen. «Mit der kontinuierlichen Zufuhr von feuchter Luft erwarten wir bis Sonntagabend in den Skigebieten oberhalb von 800 bis 1000 Metern weitere 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee.» Lokal könnten gar bis 50 Zentimeter Schnee fallen, sagt Roth.

Neuschnee im Ostschweizer Flachland bis Sonntagabend

Donnerstagabend: Stadt St.Gallen: 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee, Kanton Thurgau: 5 bis 15, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden: 20 bis 30.

Wochenende: Neuschnee nur oberhalb von 800 Metern. Tiefere Lagen mehrheitlich Regen nur teilweise Schnee, welcher aber kaum liegen bleibt. AR & AI oberhalb von 800 Metern: 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee.

Situation im Vorarlberg mehr als angespannt

Ein Blick über die östliche Grenze zeigt, dass die Vorarlberger mit den Schneemassen mehr zu kämpfen haben als die Ostschweizer. «Vor Aktivitäten abseits gesicherter Bereiche wird dringend abgeraten», heisst es in einer Medienmitteilung der Vorarlberger Landesregierung. Einzelne Landesstrassen hätten aus Sicherheitsgründen über Nacht gesperrt werden müssen. «Lech, Zürs, Schröcken und Warth sind derzeit nicht erreichbar.» Die Lawinengefahr steht derzeit auf Stufe 4 (grosse Lawinengefahr). Die Situation werde zudem durch starke Winde verschärft. Weiter heisst es, dass mit anhaltenden Schneefällen gerechnet wird. Die Lawinensituation bleibe somit vor allem in den neuschneereichen Gebieten weiter angespannt. (tn)

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