Danke für den Weisswein, liebe Genfer!

Aus der Westschweiz kommen nicht nur Fendant und schlechtes Wetter. Jenseits des Röstigrabens haben sie manchmal auch ganz schöne Ideen. Zum Beispiel in Genf. Der Kanton will sich bei der ganzen Schweiz bedanken.

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Aus der Westschweiz kommen nicht nur Fendant und schlechtes Wetter. Jenseits des Röstigrabens haben sie manchmal auch ganz schöne Ideen. Zum Beispiel in Genf. Der Kanton will sich bei der ganzen Schweiz bedanken. Mit einer Bustour unter dem Titel «Genf besucht die Schweiz» möchte er zeigen, dass er stolz darauf ist, Teil der Eidgenossenschaft zu sein.

Der Tross macht Ende Mai auch in Vaduz halt. Wofür sich die Genfer dort bedanken wollen, bleibt schleierhaft. Nicht, dass wir den Liechtensteinern keinen Besuch gönnen würden. Seit das Fürstentum das Steuerrecht verschärft und der Papst dort Bischof Haas installiert hat, machen selbst Reformkatholiken und Schwarzgeldtouristen einen Bogen um das Ländle. Davon abgesehen ist diese Genfer Rütlischwur-Roadshow aber durchaus nachahmenswert. Welcher Kanton hat sich schon mal bei einem anderen für irgendwas bedankt?

Hat sich Innerrhoden etwa jemals beim Rheintal bedankt? Ohne Altstätten, Diepoldsau und Oberriet würde der Kanton direkt an Österreich grenzen. Das touristisch chancenlose Chancental würde als Puffer wegfallen, Weissbad und Gonten müssten sich direkt mit Sölden und St. Anton messen.

Wann bedankt sich Zürich dafür, dass St. Gallen sich jetzt um Sarah Bösch kümmert? Wann bedankt sich Schwyz dafür, dass der St. Galler Bildungsdirektor die Kantonsschule Pfäffikon vor weiteren Schülern aus dem Linthgebiet verschont?

Und wann bedankt sich der Thurgau beim Oberthurgau dafür, dass die Region sich noch nicht abgespaltet und einen eigenen Kanton Bodensee gebildet hat? Als gewerkschaftsfreisinnige Metropolitanraum-Monarchie mit den beiden St. Galler Ständeräten an der Spitze?

Wir bedanken uns bei den Genfern jedenfalls schon mal prophylaktisch für ihren Besuch. Und den Weisswein. (ar)

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