Wegen Lockdown: Weniger Einbrüche, dafür aber mehr Raser im Thurgau

250 Bussen musste die Thurgauer Polizei in den vergangenen vier Wochen aussprechen, weil die Bevölkerung die Coronaregeln nicht einhält.

Ida Sandl
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Ein Bild vom Grenzzaun zwischen Kreuzlingen und Konstanz, bevor der zweite Zaun aufgestellt wurde. Die Polizei muss kontrollieren, ob die Abstandsregeln eingehalten werden.

Ein Bild vom Grenzzaun zwischen Kreuzlingen und Konstanz, bevor der zweite Zaun aufgestellt wurde. Die Polizei muss kontrollieren, ob die Abstandsregeln eingehalten werden.

Reto Martin

Vier Wochen Abstand, vier Wochen Heimkino: Der Frust wächst. Diejenigen, die sich an die Regeln halten, ärgern sich über jene, die das nicht tun. Vor allem am Wochenende laufen bei der Polizei die Telefone heiss. Gruppen, die gegen die Fünfer-Begrenzung verstossen, werden gemeldet, ebenso wie Gartenparties oder Restaurants, die heimlich Gäste bewirten. Polizeisprecher Matthias Graf sagt diplomatisch:

«Die Menschen sind sensibilisiert»

120 solche Meldungen gingen während der vier Osterfeiertage ein. Am Wochenende davor waren es gleich viel. Für die Polizei ein Beweis, dass sich die Menschen besser an die Bestimmungen halten. Die Polizisten müssen jedem Hinweis nachgehen, doch nicht jeder angebliche Verstoss ist tatsächlich einer. Häufig handelt es sich um ein Missverständnis und die Patrouillen treffen etwa auf picknickende Familien. Oder die Gruppe hat sich bereits wieder aufgelöst, wenn die Ordnungshüter eintreffen. 250 Bussen hat die Polizei seit dem Lockdown ausgesprochen. Tatsächlich werden es noch ein paar mehr sein, schätzt Graf, da die Bussenzettel erst einige Tage verspätet in der Zentrale eintreffen.

Matthias Graf ist Chef Mediendienst bei der Kantonspolizei Thurgau.

Matthias Graf ist Chef Mediendienst bei der Kantonspolizei Thurgau.

Andrea Stalder

Die Polizei bekommt den Frust ab

100 Franken kostet ein Verstoss. Die Mehrzahl der Gebüssten sei sich ihrer Schuld bewusst und einsichtig. Es gebe aber auch die Unbelehrbaren, die ihren Frust an den Frauen und Männern in Uniform auslassen. «Unsere Leute müssen sich derzeit einiges anhören», sagt Graf. Es sei manchmal eine undankbare Aufgabe. Doch die Polizei hat die Regeln nicht erfunden.

In 25 Fällen war es mit der Busse nicht getan. Die Fehlbaren wurden bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Etwa, weil sie ihr Geschäft trotz Verbot offen hatten, oder Dinge ausserhalb des erlaubten Sortiments verkauften. Ein Restaurantbesitzer kassierte eine Anzeige, weil er sich nicht aufs Take-away beschränkte, sondern Gäste auch im Restaurant bewirtete. Der Lockdown hat aber auch eine positive Seite: So sei die Zahl der Einbrüche deutlich zurückgegangen. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass die Menschen momentan fast rund um die Uhr zu Hause sind. Ausserdem halten die geschlossenen Grenzen auch die Kriminaltouristen fern.

Häusliche Gewalt hat bisher nicht zugenommen

Weil weniger Autos auf den Strassen unterwegs sind, ist auch die Zahl der Unfälle gesunken. Andererseits verführen leere Strassen zum Rasen. Auch da gab es wiederholt Anrufe, dass Autos zu schnell und zu laut unterwegs seien. Bei gezielten Kontrollen über Ostern fielen tatsächlich 21 Autos auf, die hochgetunt oder anderweitig technisch verändert waren.

Ein Fahrer wurde in Romanshorn innerorts geblitzt, er hatte 90 Stundenkilometer auf dem Tacho. Einen direkten Zusammenhang zwischen weniger Verkehr und mehr Tempo-Exzessen sieht die Kantonspolizei aber nicht.

Fachleute hatten befürchtet, dass durch den Lockdown die häusliche Gewalt zunehmen werde. Im Thurgau hat die Polizei bis jetzt noch keine Steigerung festgestellt.