«Damann verharmlost die Gefahr durch das Coronavirus»: Grüne fordern vom St.Galler Gesundheitschef eine öffentliche Entschuldigung – die Juso den Rücktritt

Der St.Galler Gesundheitsdirektor Bruno Damann sagte in dieser Zeitung, man solle die Todesfälle in der Pandemie nicht überbewerten. Ob das Coronavirus schlimmer sei als eine Grippe, werde die Geschichtsschreibung zeigen. Für die St.Galler Grünen sind solche Aussagen «blanker Hohn gegenüber den Angehörigen von Corona-Opfern». Sie verlangen eine öffentliche Entschuldigung. Die Jungsozialisten fordern Damann zum Rücktritt auf.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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Bruno Damann an einer Pressekonferenz im Pfalzkeller.

Bruno Damann an einer Pressekonferenz im Pfalzkeller.

Bild: Ralph Ribi

Es sind markige Worte, mit denen sich der St.Galler Regierungspräsident und Gesundheitsdirektor Bruno Damann (CVP) am Samstag in dieser Zeitung zitieren lässt: «Man soll die Todesfälle nicht überbewerten», sagt der 63-jährige Arzt aus Gossau in Bezug auf die Coronapandemie. «Sterben gehört zum Leben. Unsere Gesellschaft hat verlernt zu sterben.» Auch sagt Damann:

«Die Geschichtsschreibung wird zeigen, ob Corona schlimmer ist als eine Grippe.»
Daniel Bosshard, Präsident der Grünen Partei St.Gallen.

Daniel Bosshard, Präsident der Grünen Partei St.Gallen.

Bild: PD

Für die St.Galler Grünen gehen diese Statements zu weit. «Mit seinen Aussagen verharmlost Damann die Gefahren durch das Coronavirus und beeinflusst damit auch das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger in negativer Weise», lässt sich Daniel Bosshard, Präsident der St.Galler Grünen, in einer Medienmitteilung zitieren.

«Das ist eines Gesundheitschefs nicht würdig.»

Öffentliche Entschuldigung gefordert

Damanns Aussagen seien in Anbetracht der weiter steigenden Zahl schwer erkrankter Covid-19-Patienten «blanker Hohn gegenüber den Angehörigen von Corona-Opfern», so die Grünen weiter. Falls er den Ernst der Lage jetzt nicht sehe und das Virus weiterhin verharmlose, sei Damann als Vorsteher des Gesundheitsdepartements fehl am Platz. Der Gesundheitsdirektor solle sich an seinen hippokratischen Eid erinnern, anstatt der Kritik an Covid-19-Massnahmen Vorschub zu leisten. Die Grünen fordern Damann auf, sich für seine «menschenverachtenden Aussagen» öffentlich zu entschuldigen. Vom Regierungschef erwarte man mehr Mitgefühl.

Juso: «Damann stellt den Profit vor die Gesundheit der Menschen»

Die St.Galler Jungsozialisten gehen einen Schritt weiter. In einem Communiqué schreiben sie:

«Durch sein fahrlässiges Verhalten gefährdet Bruno Damann das Leben unzähliger Menschen, weswegen die JUSO Kanton St.Gallen ihn zum Rücktritt auffordert!»

Indem er das Coronavirus verharmlose, zeige Damann, dass er dieser Krise nicht gewachsen sei. Die Aussage, die Geschichtsschreibung werde noch zeigen, ob Corona schlimmer als eine Grippe ist, sei zynisch für einen Kanton, der schon 15 von 56 Intensivbetten mit Coronapatienten besetzt habe. Es gelte jetzt mit aller Kraft überfüllte Spitäler zu verhindern. Damann aber stelle den Profit vor die Gesundheit der Menschen.

Bruno Damann war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.