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Cyberkriminalität: Im Kanton St.Gallen kontert Digitale Polizei Internetangriffe

Im grössten Ostschweizer Kanton wird sich eine Spezialeinheit auf die neuen kriminellen Handlungsformen
im digitalen Zeitalter konzentrieren. Bis 2020 soll ein Kompetenzzentrum mit 25 Mitarbeitenden entstehen.
Christoph Zweili
Im digitalen Zeitalter nimmt die Bedrohung aus dem Internet ständig zu. (Bild: Getty).

Im digitalen Zeitalter nimmt die Bedrohung aus dem Internet ständig zu. (Bild: Getty).

Phishing-Mails, Erpressungsmalware oder Vermögensdelikte unter Verwendung von digitalen Medien: Bis anhin wurden Straftaten, die unter Cyberkriminalität fallen, in der Kriminalstatistik der Kantonspolizei nicht ausgewiesen. Niemand kennt also das Ausmass und die Entwicklung – weder beim Kanton noch beim Bund.

«Diese Delikte und Angriffe nehmen immer mehr zu», sagt der Kommandant der St.Galler Kantonspolizei, Bruno Zanga. Auch der Kanton ist nicht davor gefeit: Die Sensoren der kantonalen Sicherheitsinfrastruktur registrieren täglich Tausende von Angriffen aus dem Cyberraum, die erkannt und abgewehrt werden, hält die Regierung in einer Interpellationsantwort fest.

Gravierender sind die aufgezeichneten Sicherheitsvorfälle – 2017 waren es 16, im Jahr zuvor 21. Zum Teil wurden Webserverdienste ausser Gefecht gesetzt. Meistens handelte es sich aber um installierte Schadsoftware (Malware) und in wenigen Fällen um kompromittierte Webseiten.

In zwei Fällen, beides E-Mails mit erpresserischem Inhalt, wurde Strafanzeige eingereicht.

Seit 2014 baut der Kanton St.Gallen ein Kompetenzzentrum auf, eine «Cybercrime Unit». Das Wort Unit steht für die Verschränkung von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft, eine Idee von Bruno Zanga und dem verstorbenen Ersten Staatsanwalt Thomas Hansjakob.

Cybereinheiten gibt es heute in Zürich, in Bern und beim Bundesamt für Polizei (siehe Kasten). «Diese Nähe zwischen Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden wie in St. Gallen ist aber einzigartig in der Schweiz», sagt Zanga.

Korps der Kapo umfasst 655 Stellen

Die Regierung hat mit Daniel Burgermeister einen Cyberstaatsanwalt eingesetzt. Er ist zuständig für die Führung von Strafverfahren in komplexen oder besonders aufwendigen Fällen von Cybercrime. «Der momentane Hauptbereich meiner Aufgaben ist aber die Unterstützung der Mitarbeitenden der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei betreffend Fragen zu Cybercrime», sagt Burgermeister. Das geht von einfachen telefonischen Auskünften bis zur Begleitung oder Übernahme von Teilermittlungen.

Das Korps der Kantonspolizei St.Gallen umfasst aktuell 655 Vollzeitstellen (ohne Aspiranten und ohne Stadtpolizei). «Damit sind wir sieben Stellen unter Plan», sagt Zanga. «Es gibt keinen offenen Markt für Polizisten. Jedes Korps muss daher den Nachwuchs selber ausbilden.» Den Aufbau der Spezialeinheit habe man sich in den letzten Jahren aus den Rippen schneiden müssen. Dafür wurden «Mutationsgewinne» aus dem Personalaufwand genutzt.

Das sind mit dem Budget bewilligte Stellen, die aber nicht besetzt werden können. Aktuell arbeiten zwei Personen im Bereich Cybercrime und weitere zwei im Bereich Bedrohungs- und Risikomanagement. Bis 2020 sollen 25 Mitarbeitende in der Fachgruppe Cyber Unit arbeiten. «Das können wir nicht mehr mit internen Verschiebungen im Korps lösen», sagt Zanga. 1,8 Millionen Franken für 15 zusätzliche Polizeistellen waren im Budget 2019 aufgeführt. Der Kantonsrat hat sie bewilligt, die Mittel aber auf 1,2 Millionen Franken gekürzt. «Nun habe ich ein Problem», sagt Zanga.

«Ich werde vielleicht zehn Stellen damit finanzieren können, auch wenn 15 bewilligt wären.»

Konkordatslösung droht am
 Kantönligeist zu scheitern

Im Kantonsrat wurde eine vermehrte kantonale Zusammenarbeit bei den neue Bedrohungslagen gefordert. «Kleinere Kantone sind überfordert. Wir müssen unbedingt zusammenarbeiten. Das funktioniert aber nicht so, wie wir uns das vorstellen», sagt der Sicherheits- und Justizchef des Kantons, Fredy Fässler. Der Kanton St. Gallen biete Hand: Vor drei Jahren sei ein Projekt im Bereich der IT-Forensik allerdings gescheitert, weil die andern Ostschweizer Kantone nicht mitmachen wollten. «Ich will nicht erneut ein aufwendiges interkantonales Projekt anschieben, das dann am Ende wegen fehlenden Interesses doch nicht umgesetzt werden kann.»

Für Zanga bleibt ein Kompetenzzentrum Ostschweiz das Fernziel. Kleinere Kantone könnten sich an den Kosten beteiligen. «Bei einer Konkordatslösung kommt uns aber der Kantönligeist in die Quere.» Das Ostschweizer Polizeikonkordat umfasst beide Appenzell, die Kantone St. Gallen, Thurgau, Glarus, Schaffhausen und die assoziierten Mitglieder, die Städte St.Gallen und Chur sowie die Liechtensteiner Landespolizei. Cybereinheiten werden bereits auch im Thurgau und in Graubünden aufgebaut.

Koordination auf nationaler Ebene

(hrt) Digitale Kriminalität kennt kaum Schranken und überschreitet territoriale Grenzen. Darum sind die Strafverfolgungsbehörden stärker denn je gefordert. Bund und Kantone müssen sich noch enger verzahnen. Im Januar 2018 haben daher die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS), die schweizerische Staatsanwältekonferenz, die Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Polizei (Fedpol) die «Nationale Strategie zur effizienten Bekämpfung von Cybercrime 2018–2022» (NCS) verabschiedet. Ziele sind eine nationale Fallübersicht, die Vermeidung von Gerichtsstandkonflikten, eine gemeinsame Triage eingehender Meldungen sowie eine koordinierte Ausbildung. Weitere Gremien sind:

Kobik
Die «Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität» wurde 2003 vom Fedpol eingerichtet. Ihr können verdächtige Internetinhalte betreffend Ehrverletzungen, Betrug, Pornografie oder Extremismus gemeldet werden.

Nedik
Das «Netzwerk Ermittlungsunterstützung digitale Kriminalität» wurde von der KKPKS lanciert. Es soll ein nationales und drei regionale Kompetenzzentren (Zürich, Bern, Westschweiz) vereinen. Damit werden Zusammenarbeit und Reaktionsfähigkeit verbessert sowie fachliche Kompetenzen aufeinander abgestimmt. Eine Vereinbarung zwischen Bund und Kantonen wird derzeit ausgearbeitet.

NC3
Das «Nationale Cyber-Kompetenzzentrum» ist beim Fedpol angesiedelt und umfasst auch die Aufgaben der Kobik. Das NC3 ist die Zentralstelle bei der Bekämpfung der Cyber-Kriminalität. Unter anderem erarbeitet sie eine nationale Fallübersicht und koordiniert interkantonale Fallkomplexe. Es ergänzt die Arbeiten der kantonalen Polizeikorps.

Cyberboard
Die Bundesanwaltschaft hat dieses Gremium im Sommer 2018 ins Lebengerufen, und dieses wird administrativ durch sie geleitet. Auch hier werden Phänomene von Internetkriminalität koordiniert und gemeinsame Strategien entwickelt. Pro Kanton ist jeweils ein Staatsanwalt «Single Point of Contact».

Melani
Die Kooperation des Eidgenössischen Finanzdepartements, des Informatiksteuerungsorganes des Bundes und des Bundesnachrichtendienstes informiert und unterstützt Personen und Unternehmen. Auch sie bietet ein Meldeformular.

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