CVP-Präsident mit Linksdrall

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«Wer vor seinem dreissigsten Lebensjahr niemals Sozialist war, hat kein Herz. Wer nach seinem dreissigsten Lebensjahr noch Sozialist ist, hat keinen Verstand.» Raphael Widmer hat sich diesen Satz des italienischen Philosophen Benedetto Croce offenkundig zu Herzen genommen. 2012 kandidierte Widmer noch für die SP Toggenburg für den Kantonsrat, bis zur HV 2016 war er Kassier der SP Kirchberg, seit Dienstag ist er Präsident der Stadtsanktgaller CVP. Dazwischen studierte er an der HSG, machte das Anwaltspatent und, nun ja, wechselte die Partei. «Werde beim Präsi der @cvp_sg mal nachfragen, was er in den letzten 4 Jahren erlebt hat…», twitterte der städtische SP-Präsident Peter Olibet nach Widmers Wahl etwas verwundert und fragte: «oder hat die @HSGStGallen einen derart starken Einfluss auf die politische Haltung ihrer Studenten…» Olibet kann sich die Antwort selber geben: Mehrere St. Galler SP-Exponenten haben einen HSG-Abschluss oder studieren dort ohne Anzeichen von Gesinnungsschäden, darunter Bettina Surber, Monika Simmler oder Samuel Brülisauer. Was Widmer angeht, so hat sich dessen Positionierung zwar von scharf links zur unscharfen Mitte hinbewegt. Der 30-Jährige setzt sich aber nach wie vor für Anliegen ein, die deutlich linksgrün gefärbt sind – etwa höhere Steuern für Reiche, Cannabis-Legalisierung oder Ausländerstimmrecht. Und er will Gratis-WLAN in den Stadtbussen. Das ist zwar weder links noch christdemokratisch. In der kantonalen CVP dürfte es aber mindestens einen geben, der dafür zu begeistern ist: Alex Arnold. Der Oberrieter Gemeindepräsident war ja vor seinem CVP-Leben mal Präsident der St. Galler Piratenpartei – und damit oberster Online-Apostel des Kantons. (ar)

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