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CURLING: Von China über Schottland nach St.Gallen - um Eismeisterin zu werden

Die 23-jährige Zhang Zhiyuan hilft, das Eis für die Curling-EM in St. Gallen zu pflegen. Damit will sie sich für dieselbe Aufgabe bei den Olympischen Spielen 2022 empfehlen, die in ihrer Heimat stattfinden.
Christoph Renn
Zhang Zhiyuan aus der chinesischen Stadt Harbin präpariert die Bahnen für die Curling-EM in der Eissporthalle Lerchenfeld. (Bild: Ralph Ribi)

Zhang Zhiyuan aus der chinesischen Stadt Harbin präpariert die Bahnen für die Curling-EM in der Eissporthalle Lerchenfeld. (Bild: Ralph Ribi)

Christoph Renn

Es ist kühl in der Eissporthalle Lerchenfeld. Helfer laufen in dicken Jacken über die Bahnen. Einige diskutieren, andere trinken Kaffee. In der Haupthalle verlegt ein international zu­sammengewürfeltes Team einen Schlauch. Der Eismeister aus Schottland gibt den Helferinnen und Helfern der Curling-EM, die morgen Freitag, um 18 Uhr, mit dem Einmarsch der 46 Teams offiziell eröffnet wird, klare Anweisungen. Sorgfältig besprühen sie die Bahnen. Eine Schicht nach der anderen, bis die Oberfläche die perfekte Struktur erhält.

Erfahrungen sammeln

Dem Eis-Chef aus Schottland folgt eine junge Dame Schritt auf Tritt. Sie bessert mit einer kleinen Wasser­spritze Unebenheiten im Eis aus. Sie lächelt viel, spricht dafür kaum. Doch hört die 23-jährige Zhang Zhiyuan aus China auf jedes Wort und achtet auf jede Bewegung des Eismeisters. Denn Seven, wie sie sich nennt, ist aus einem guten Grund in St. Gallen: Sie will dereinst Eismeisterin werden. «Dazu muss ich jedoch noch sehr viel Erfahrung sammeln», sagt sie. Und Zhang ist ehrgeizig. Ihr grosses Ziel sind die Olympischen Winterspiele, die 2022 in der chinesischen Hauptstadt Peking ausgetragen werden. Jedoch strebt sie weder eine Medaille noch ein Diplom an. «Ich will dann die Bahnen für die Curlerinnen und Curler herrichten.» Ob Zhangs Traum in Erfüllung geht, weiss sie noch nicht. Klar ist: Sie wird alles dafür geben.

Für die Europameisterschaften in der Eissporthalle Lerchenfeld ist Zhang aber nicht aus China angereist. Derzeit absolviert sie ein Praktikum bei der World Curling Federation und lebt deshalb seit August im schottischen Perth. Seit rund einer Woche ist Zhang nun in St. Gallen und steht dem Eismeister zur Seite. Von der Stadt habe sie noch nicht viel gesehen. Die Vorbereitungen auf die Curling-EM bräuchten viel Zeit. «Was ich bisher aber gesehen habe, gefällt mir», sagt Zhang. Auch während der EM werde ihr leider nicht viel Zeit bleiben, die Stadt und die Region besser kennen zu lernen. «Wir müssen die Bahnen nach jedem Spiel wieder ausbessern, damit die Spielerinnen und Spieler die perfekte Unterlage vorfinden.»

Etwas möchte Zhang Zhiyuan aber noch ausprobieren, solange sie hier ist. «Bevor ich zurück nach Schottland fliege, will ich den bekannten Schweizer Käse essen.» Obwohl sie bei europäischen Speisen eher vorsichtig ist. «Ich mag chinesische Gerichte einfach besser», sagt Zhang. Sie liebe es, wenn das Essen so richtig scharf sei. Ein Lieblingsgericht habe sie jedoch nicht. «Am besten schmeckt es mir aber zu Hause.»

Hochburg des Wintersports

Ihr gut halbjähriges Praktikum in Schottland ist nicht ihr erster Auslandsaufenthalt. «Ich habe auch schon in Kanada gearbeitet», sagt die 23-Jährige. Trotzdem habe sie sich noch nicht ganz an die Kultur in den westlichen Ländern gewöhnt. «Ich finde beispielsweise die meisten Witze nicht lustig», sagt sie schmunzelnd. Trotzdem lebe sie sehr gerne in Schottland und besuche andere europäische Städte. Ihr Praktikum in Perth wird jedoch bald zu Ende gehen. «Mein Arbeitsvisum läuft Ende Januar ab.» Danach fliegt sie zurück in ihre Heimatstadt Harbin in Nordchina. Auch dort könne sie ihren Traum weiter­verfolgen. «Harbin ist in China der beste Ort, um Wintersport zu betreiben.» Die Winter sind in ihrer Heimatstadt sehr kalt, in den Nächten kann die Temperatur bis auf minus 40 Grad Celsius sinken. Und oft beginnt es im Oktober zu schneien und der Frost ­endet meist erst im April.

Nicht auf den Sport setzen

In Harbin hat Zhang auch die Leidenschaft zum Curling entwickelt. «Mein Vater liebt alle Wintersportarten», sagt sie. Deshalb habe er sie als Mädchen einmal mit aufs Eis genommen. Danach hat Zhang Seven rund acht Jahre lang drei bis vier Mal in der Woche Curling trainiert. «Ich wollte aber nie professionelle Spielerin werden.» Dann hätte sie nämlich die Schule abbrechen und voll auf die Karte Sport setzen müssen. «Trotzdem bleibt Curling meine Leidenschaft.» Diese könne sie als angehende Eismeisterin zu ihrem Beruf machen. Deshalb ist Zhang auch auf die Partien an der EM in St. Gallen gespannt. Und sie hat bereits einen Favoriten – jedoch nicht nur aus sportlicher Sicht. «Ich helfe dem schwedischen Team», sagt Zhang. Der Captain sei so herzig.

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