CROSSGOLF: «Die Platzreife kennen wir nicht»

Ein paar Schläger aus dem Brocki, und los geht’s: Dank des niederschwelligen Zugangs gewinnt die junge Sportart immer mehr Anhänger. Im Juni organisiert der Rough Riders Crossgolf Club ein Turnier mitten in Buchs.

Heini Schwendener
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Ein Crossgolfer in der Bergwelt Malbuns (Liechtenstein), wo die Rough Riders im September 2016 den 1. Crossgolf Cup organisierten. Eine verwitterte Sitzbank dient als Abschlagplatz. (Bild: PD)

Ein Crossgolfer in der Bergwelt Malbuns (Liechtenstein), wo die Rough Riders im September 2016 den 1. Crossgolf Cup organisierten. Eine verwitterte Sitzbank dient als Abschlagplatz. (Bild: PD)

Heini Schwendener

heini.schwendener

@wundo.ch

Turnschuhe, Jeans, Kapuzenpullis, Baseballcaps, verschrammte Golfschläger, ramponierte Golfbags. Und dann wird während des Spiels auch noch gesprochen und gelacht, ein Bierchen getrunken und Musik gehört. Was gestandenen Golfern wohl schier das Herz bricht, ist für Crossgolfer wie Eugen Graf und Daniel Müller Alltag. Die beiden Buch-ser spielen seit mehreren Jahren, auch Turniere. 2016 wuchs der Wunsch, der Szene etwas zurückzugeben und selber ein Turnier zu organisieren. Da bot sich doch eine Vereinsgründung an.

Diesbezüglich unterscheiden sie sich nicht von «normalen» Golfern. Auch das Sportgerät, der Golfschläger, ist identisch. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Doch: «Platzreife und Etikette kennen wir nicht», sagt Eugen Graf, Präsident des Rough Riders Crossgolf Clubs Buchs. Ersteres ist nicht nötig, da Crossgolfer keine Anlagen mit gepflegten Fairways und Greens haben. Und auf Etikette – sprich Kleider- und Benimmregeln – verzichten sie noch so gerne. Denn Crossgolf begeistert eher jüngere Leute, denen das Image traditioneller Golfvereine ohnehin nicht entspricht und die sich vor allem den Golfsport nicht leisten können.

Crossgolfer brauchen keine Anlagen. Somit werden hohe Mitgliederbeiträge und Platzgebühren hinfällig. Sie spielen auf Wiesen, in Kiesgruben, in und um Industriebrachen, auf Schulplätzen oder mitten in einer Stadt.

Gespielt wird mit speziellen Bällen

Obwohl Crossgolfern das Image der «jungen Wilden» anhaftet, lautet ihr oberstes Motto «Safety First». Es dürfen weder Menschen gefährdet noch Sachen beschädigt werden. Gespielt wird mit speziellen, glasbruchsicheren Golfbällen, die leichter sind und darum nicht so weit fliegen. Eine Bewilligung für das Bespielen eines «Platzes» wird immer eingeholt.

Der Zugang zum Crossgolf ist niederschwellig: Zwei Golfschläger aus dem Brocki und einige Bälle genügen, und schon geht’s los. Vor Ort wird mit und um alles gespielt, was vorhanden ist. Der Fantasie, von wo abgespielt und was als Zielgegenstand getroffen werden muss, sind keine Grenzen gesetzt. Ziel kann alles sein, mitunter auch ein Loch, in dem der Ball eingelocht wird.

Zehn Mitglieder zählt der Rough Riders Crossgolf Club Buchs inzwischen. Vizepräsident Daniel Müller kann nach einem Jahr bereits auf ein erfolgreich durchgeführtes Turnier in der Bergwelt von Malbun verweisen. Dieses steht auch heuer wieder auf der Liste der «asXg Tour de Suisse» (siehe Kasten). Zum ersten Mal organisiert der Club am 10. Juni mit dem Hometown City-Golf in Buchs ein Turnier, bei dem auch blutige Anfänger mitspielen können. Die Spielbahnen mitten im Stadtzentrum, auf Industrieliegenschaften und Schulplätzen sind zwischen zehn Metern – für Trickshots – und 135 Metern lang.

Übrigens kommt es gelegentlich vor, dass sich auch gestandene Golfer bei einem Crossgolfturnier versuchen. Empfehlenswert sind dafür ausgediente Golfschläger. Denn nach einem Crossgolfturnier machen sie im Golfclub meist keine gute Falle mehr.