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«Wir erwarten die sofortige Öffnung der St.Galler Skigebiete»: Bergbahnen appellieren an die St.Galler Regierung

Wie geht es weiter mit den geschlossenen Skigebieten? Der Kanton St.Gallen will morgen Mittwoch entscheiden, derweil kritisieren die Skigebiete die Informationspolitik der Regierung. Beide Appenzell und Glarus öffnen ihre Skigebiete bereits morgen.

Alain Rutishauser
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Die unmittelbare Zukunft der St.Galler Skigebiete hängt in der Luft. Noch stehen die Bergbahnen im Kanton still.

Die unmittelbare Zukunft der St.Galler Skigebiete hängt in der Luft. Noch stehen die Bergbahnen im Kanton still.

Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE

«Ich fühle mich viel sicherer auf einer Walliser Skipiste als in einem SBB-Zug, in der Metro in Lausanne oder in einer S-Bahn in Zürich.» So äusserte sich der Walliser Regierungsrat Christophe Darbellay gegenüber dieser Zeitung. Das Wallis ist einer der Kantone, in denen die Skigebiete geöffnet haben. In sieben Kantonen, darunter St.Gallen, sind die Skigebiete derzeit aber geschlossen. Die Kantone Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden sowie Glarus haben ihre Skigebiete per 30. Dezember wieder geöffnet.

Verwirrung um Berechnung des R-Werts

Heinrich Michel, CEO der Bergbahnen Flumserberg

Heinrich Michel, CEO der Bergbahnen Flumserberg

Bild: Urs Bucher

Die Regeln des Bundesrats vom 11. Dezember sind klar: Wer einen Reproduktionswert unter 1 hat, darf die Skigebiete öffnen. Bewilligungen erteilen hingegen die Kantone.

Seitens der Skigebiete ist der Fall für den Kanton St.Gallen klar. «Aufgrund der Entwicklung des Reproduktionswerts und der Auslastung der Spitäler kann es nur ein Ergebnis geben: Die Skigebiete müssen wie in anderen Kantonen geöffnet werden», sagt Klaus Nussbaumer, CEO der Pizol Bergbahnen AG. Auch Heinrich Michel von den Bergbahnen Flumserberg hat klare Forderungen an die Regierung:

«Wir erwarten die sofortige Öffnung der St.Galler Skigebiete, nachdem der R-Wert seit Anfang Dezember deutlich und konstant unter dem geforderten Wert 1 liegt.»
Der R-Wert im Kanton liegt seit längerem unter 1. Die Statistik wird allerdings immer mit 14-tägiger Verzögerung angezeigt.

Der R-Wert im Kanton liegt seit längerem unter 1. Die Statistik wird allerdings immer mit 14-tägiger Verzögerung angezeigt.

Grafik: Kanton St.Gallen

Tatsächlich zeigt die Grafik des Kantons St.Gallen, dass der Reproduktionswert seit dem 6. Dezember unter 1 liegt. «Der R-Wert wird immer mit 14-tägiger Verzögerung angezeigt und im Nachgang nach unten oder oben korrigiert», sagt Thomas Zuberbühler, Leiter Kommunikation des Kantons St.Gallen. Der aktuellste Wert bilde das Infektionsgeschehen von vor 14 Tagen ab.

Als der Kanton am 19. Dezember die Schliessung der Skigebiete per 22. Dezember beschloss, lag der R-Wert über 1. «Aktuell liegt er wieder unter 1, weshalb wir in Abklärungen mit den Spitälern sind, wie die Kapazitäten auf den Intensivstationen aussehen», sagt Zuberbühler. Die Regierung habe eine Lagebesprechung für den 30. Dezember geplant. Auf der Traktandenliste stehen auch die Skigebiete.

Der Fahrplan der Regierung ist den Skigebieten aber zu lasch. «Unsere Kantonsregierung fügt ihren Skigebieten weitere empfindliche Verluste zu. Während Tausende von Skifahrern aus Zürich und St.Gallen in die Bündner Skigebiete fahren, nimmt sich die St.Galler Regierung weitere Zeit zur Beratung», sagt Michel. Gleicher Meinung ist Urs Gantenbein, CEO der Wildhaus AG:

«Rundum werden alle Wintersportgebiete geöffnet. Wir können je länger je weniger verstehen, warum gerade die St.Galler Wintersportgebiete geschlossen bleiben sollen.»
Urs Gantenbein, Chef der Bergbahnen Wildhaus

Urs Gantenbein, Chef der Bergbahnen Wildhaus

Bild: Urs Bucher

Gantenbein betont, dass man den Entscheid der Regierung, die Skigebiete zu schliessen, nicht nur ertragen, sondern mitgetragen habe. «Nun wird es aber Tag für Tag schwieriger, dieses Nein zu verstehen und den drängenden Kunden und Leistungsträgern in der Region verständlich zu machen», sagt Gantenbein. Die Erfahrungen im benachbarten Graubünden hätten gezeigt, dass nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Gastronomie nur halb so viele Gäste wie sonst anreisen würden. «Es gibt demnach nicht die befürchtete Konzentration von Gästen. Zudem greifen die Schutzkonzepte der Branche, die wir ja alle mit viel Aufwand implementiert haben.»

Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden öffnen Skigebiete

Beide Appenzell nehmen ab Mittwoch 30. Dezember den Skibetrieb wieder auf. Alle Skigebiete hätten Schutzkonzepte eingereicht, die vom Kanton genehmigt werden konnten, heisst es in einer Mitteilung von Appenzell Innerrhoden. Entscheidend sei die Reproduktionszahl, die seit fast einer Woche bei 0,8 läge. Gleichzeitig habe sich die Lage in den Spitälern etwas beruhigt. Damit seien die Voraussetzungen für eine Wiederöffnung der Skigebiete erfüllt. Dem Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden sei es ausserdem ein Anliegen, besonders Kindern und Jugendlichen wieder die Möglichkeit zu geben, sich in der schulfreien Zeit an der frischen Luft bewegen zu können.

Unzufrieden mit der Kommunikation der Regierung

Laut Gantenbein habe man seit dem 19. Dezember keine Informationen mehr vom Kanton erhalten. «Vor allem haben wir bis heute nicht gewusst, wann allenfalls eine Neubeurteilung der Gesamtsituation stattfindet.» So sei es schwierig, Gäste und Mitarbeiter adäquat informieren zu können. «Die St.Galler Regierung lässt ihre Skigebiete bezüglich Information über das weitere Vorgehen völlig in der Luft hängen», sagt Flumserberg-CEO Michel.

Die aktuelle Lage macht es den Bergbahnen schwer, die nahe Zukunft zu planen. «Wir würden gerne planen, aber zurzeit sind uns die Hände gebunden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verharren in der Kurzarbeit», sagt Gantenbein. Für den Fall, dass die Regierung am 30. Dezember grünes Licht gibt, sei man gerüstet. Pizol-CEO Nussbaumer: «Wir sind jederzeit bereit, den Betrieb wieder aufzunehmen.»