Coronavirus
Wegen Omikron: Ostschweizer Kantone verkürzen die Quarantäne von zehn auf sieben Tage – «labile Lage» am Kantonsspital St.Gallen

Die Ostschweizer Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St.Gallen und Thurgau haben die Quarantänereglungen angepasst. Wie sehr die Coronavirus-Variante Omikron die Intensivstationen effektiv noch belasten wird, bleibt indes ungewiss.

Rossella Blattmann und Silvan Meile
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Aufgrund der vielen Omikron-Fälle haben die Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Innerrhoden und Thurgau die Quarantäneregelungen angepasst.

Aufgrund der vielen Omikron-Fälle haben die Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Innerrhoden und Thurgau die Quarantäneregelungen angepasst.

Bild: Valentin Hehli

Die Omikron-Variante breitet sich rasant im Land aus. Am Montag haben die Kantone St.Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau reagiert und die Dauer der Quarantäne für Personen, die mit einer infizierten Person engen Kontakt hatten, von zehn auf sieben Tage verkürzt. Damit folgen die drei Ostschweizer Kantone den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Zuvor hatten andere Kantone wegen Omikron die Quarantäneregelungen angepasst.

Neue Regelungen gelten ab Mittwoch

Wie der Kanton St.Gallen sowie die beiden Appenzell in einer gemeinsamen Medienmitteilung festhalten, treten in diesen drei Kantonen ab Mittwoch folgende Änderungen in Kraft:

  • In Quarantäne begeben müssen sich nur noch Personen, die im gleichen Haushalt wie eine angesteckte Person wohnen oder sehr engen Kontakt zur erkrankten Person hatten. Die Dauer der Quarantäne wird von zehn auf sieben Tage verkürzt.
  • Von der Quarantäne ausgenommen sind nur noch Personen, deren vollständige Impfung oder Boosterimpfung weniger als vier Monate zurückliegt sowie Personen, die innerhalb der letzten vier Monate an Covid-19 erkrankt und genesen sind.
  • Die Isolation für angesteckte Personen dauert nach wie vor zehn Tage.

Mit der neuen Regelung sollen die Auswirkungen der Quarantänemassnahmen auf die Gesellschaft abgemildert werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Kontaktpersonen ausserhalb des Haushalts müssen sich zwar nicht mehr in Quarantäne begeben. Die drei Ostschweizer Kantone empfehlen ihnen aber nach wie vor, Kontakte so weit wie möglich einzuschränken, in den sieben nachfolgenden Tagen nach Kontakt mit der positiv getesteten Person bei jedem Kontakt mit anderen eine Maske zu tragen sowie sich vier bis sieben Tage nach dem Kontakt zu einer infizierten Person testen zu lassen.

Bereits auf Montag hat der Kanton Thurgau die Quarantäne von zehn auf sieben Tage verkürzt, teilt der Fachstab Pandemie in einer Medienmitteilung mit.

«Wer vor dem heutigen Tag eine Quarantäne ausgesprochen erhalten hatte, bleibt in Quarantäne und kann sich am siebten Tag durch einen negativen Test aus der Quarantäne befreien.»

Weiter betont der Fachstab Pandemie in der Mitteilung die Wichtigkeit der gängigen Hygiene- und Verhaltensregeln: Abstand halten, Masken tragen, wenn es vorgeschrieben ist oder die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, mehrmals täglich richtig lüften, regelmässig gründlich die Hände waschen und desinfizieren. Wer Symptome hat, soll sich sofort testen lassen und zu Hause bleiben.

Kanton St.Gallen setzt auf Personalvermittler

Das Contact-Tracing des Kantons St.Gallen, das auch für Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden zuständig ist, will weiterhin alle angesteckten Personen innert 24 Stunden nach Ansteckungsnachweis per SMS informieren. Wurde für das St.Galler Contact-Tracing in Hinblick auf Omikron zusätzliches Personal rekrutiert?

Wie das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen auf Anfrage mitteilt, steht dem Contact-Tracing ein Personalpool zur Verfügung, aus dem «je nach Bedarf» Personal aufgeboten wird. Alle Contact-Tracerinnen und -Tracer haben laut Gesundheitsdepartement einen beruflichen Hintergrund im Gesundheitswesen. «Für den Pool wird laufend Personal akquiriert, da Mitarbeitende teilweise nur temporär oder mit einem Teilzeitpensum zur Verfügung stehen», schreibt es. Da die Grösse des Pools sich laufend wieder ändere, könne keine Zahl genannt werden. Weiter heisst es:

«Die Mehrheit des Personals wird über einen Personaldienstleister rekrutiert, der auf die Vermittlung von Gesundheitspersonal spezialisiert ist.»

Teilweise würden sich auch interessierte Personen direkt bewerben.

Seit Anfang September 2021 wird das Contact-Tracing des Kantons St.Gallen automatisiert durchgeführt. Im Vergleich zum Winter 2020 konnte die Arbeitsbelastung des Contact-Tracings gemäss dem St.Galler Gesundheitsdepartement stark gesenkt werden. Telefonische Abklärungen seien beim automatisierten Tracing nur dann notwendig, wenn es Nachfragen gebe.

Kantonsspital St.Gallen: Labile Lage

Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St.Gallen.

Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Doch wie viele Coronapatienten liegen aktuell auf den Intensivpflegestationen (IPS) der Ostschweizer Spitäler? Laut Mediensprecher Philipp Lutz befinden sich aktuell total 36 Coronapatienten im Kantonsspital St.Gallen, davon neun auf der Intensivstation, sechs davon beatmet. «Insgesamt können wir mit dem zur Verfügung stehenden Personal aktuell 27 zertifizierte Intensivpflegeplätze betreiben, 24 davon stehen für beatmete Patientinnen und Patienten zur Verfügung». sagt Lutz. Und ergänzt:

«Und zwar nicht alleine für Covid-Patienten, sondern für alle Patienten, die einen IPS-Platz benötigen.»

In den 27 IPS-Plätzen nicht eingerechnet seien die sogenannten «Stroke-Plätze» für Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben.

«Die Mitte Dezember beschlossenen Massnahmen zur Entlastung unserer Intensivstationen haben sich bewährt», sagt Lutz weiter. Und:

«Die Lage bleibt aufgrund der unsicheren Entwicklung aber sehr labil.»

Es bestehe schweizweit eine grosse Ungewissheit, wie sich Omikron auf die Spitäler und insbesondere auf die Intensivstationen noch auswirken werde. «Zudem sind die Personalressourcen weiterhin knapp, und die Personalsituation könnte sich durch krankheitsbedingte Ausfälle jederzeit wieder verschärfen», sagt Lutz.

Wie wird sich die Lage auf der Intensivstation in den kommenden Tagen entwickeln? Darauf antwortet Lutz: «Wer weiss das genau?»

Es sei extrem schwierig, irgendwelche Prognosen zu stellen. Das KSSG tue alles dafür, um weiterhin den zwingend benötigten Handlungsspielraum gewährleisten zu können, um jederzeit alle Notfälle, unter andrem alle dringlichen, nicht aufschiebbaren onkologischen Eingriffe, durchführen zu können.

Grabs weiterhin voll ausgelastet

Weitere Intensivpflegeplätze im Kanton St.Gallen gibt es am Spital Grabs und am Stephanshorn. «Die Intensivstation ist weiterhin voll ausgelastet», sagt Andrea Bachmann, Mediensprecherin der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland (SRWS). Von den insgesamt sieben Intensivplätzen werden aktuell fünf von Covid-Patienten in Anspruch genommen. «Alle beatmet», sagt Bachmann.

Insgesamt liegen in allen Spitälern der SRWS 29 Covid-Patientinnen und -Patienten. Sie erwarte weiterhin eine hohe Auslastung, sagt Bachmann. Laut Mediensprecherin Christina Fenyödi befinden sich momentan zwei Covid-Patienten im St.Galler Stephanshorn, davon einer beatmet auf einem der insgesamt sechs Intensivplätze. Die Auslastung der IPS am Stephanshorn sei in den vergangenen Tagen unterdurchschnittlich gewesen, sagt Fenyödi.

Derweil ist laut Raphael Fried, Sachbearbeiter Projekte Marketing und Kommunikation beim Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar), einer der insgesamt sechs Intensivplätze am Spital Herisau von einem beatmeten Covid-Patienten belegt. Insgesamt sind in Herisau momentan total acht Coronapatienten hospitalisiert. Wie sich die Auslastung der Intensivstation entwickeln werde, sei aufgrund der geringen Grösse des Spitals Herisau schwierig zu sagen.

14 Coronapatienten auf Thurgauer Intensivstationen

Am Montag sind im Kanton Thurgau 49 Personen aufgrund einer Corona-Erkrankung in Spitalpflege. Davon benötigen 14 Patienten eine Behandlung auf der Intensivstation. In den beiden Kantonsspitälern in Münsterlingen und Frauenfeld werden regulär 21 Betten auf der IPS betrieben. Hinzu kommen sechs IPS-Betten im Herz-Neuro-Zentrum Bodensee.

Aufgrund der zahlreichen Coronafälle liegt die durchschnittliche Auslastung der zertifizierten Thurgauer IPS-Plätze seit 2020 bei 128 Prozent. Teilweise kurzfristig bereitgestellte Zusatzbetten ermöglichten das. Zu Spitzenzeiten der Pandemie wurden in den Thurgauer Kantonsspitälern und dem Herz-Neuro-Zentrum gesamthaft bis zu 55 Intensivbettenplätze gleichzeitig betrieben.