Mehr Virentests im Kanton St.Gallen – aber nicht für alle

Die St.Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann bremst Hoffnungen auf rasche Antikörpertests.

Regula Weik
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St. Gallen setzt im Gegensatz zu anderen Kantonen nicht auf mobile Coronatests.

St. Gallen setzt im Gegensatz zu anderen Kantonen nicht auf mobile Coronatests.

Urs Lindt / freshfocus

Der Ruf nach Tests wird immer lauter, auch im Kanton St.Gallen. Doch Test ist nicht gleich Test. Der eine weist Viren nach, der andere Antikörper. Der eine sagt, dass jemand aktuell krank ist, der andere, dass jemand gegen das Coronavirus immun geworden ist. Für den einen Test braucht es einen Nasen-Rachenabstrich, für den andern eine Blutentnahme. Viel zu reden geben derzeit die Antikörpertests. Dies verstärkt, seit der Bundesrat Lockerungen der derzeitigen Einschränkungen in Aussicht gestellt hat. Das zeigte auch eine Umfrage der beiden Industrie- und Handelskammern St.Gallen-Appenzell und Thurgau: Die Rückkehr zum Normalzustand sei «unweigerlich mit bestmöglichen Testkonzepten und massgeblich erhöhten Testkapazitäten – sowohl auf das Coronavirus als auch auf Immunität – zu begleiten», so die Forderung der Ostschweizer Unternehmen.

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin

Heidi Hanselmann, St.Galler Gesundheitschefin

Urs Bucher

Die Arbeiten an Antikörpertests liefen auf Hochtouren; erste Ergebnisse seien in vier Wochen zu erwarten, liess die St.Galler Regierung letzte Woche wissen. Weshalb dauert das so lange? Es brauche Zeit, um die Testverfahren sorgfältig auswerten zu können, sagt Gesundheitschefin Heidi Hanselmann. Und: «Es gibt auch keine Eile, möglichst schnell Antikörpertests durchzuführen.» Denn aktuell ist die Durchseuchung in der Bevölkerung tief, gerade in der Ostschweiz. «Zudem», so Hanselmann, «muss eine gewisse Zeit nach der Infektion vergehen, bis die schützenden Antikörper gebildet und im Test nachweisbar sind.» Unklar ist, wie lange der Antikörperschutz hält. Auch diese Frage werde in den aktuellen Studien geklärt.

3500 Virentests pro Tag möglich

Auf die Frage, wie hoch die Testkapazität im Kanton St.Gallen derzeit ist, antwortet die Gesundheitschefin: «Aktuell können rund 3500 Virennachweise pro Tag durchgeführt werden.» Tatsächlich geschieht dies heute im Durchschnitt 1300 Mal pro Tag. Denn auch die Testkapazitäten der Labors müssen massiv hochgefahren werden; sie wurden in den letzten Wochen bereits verdoppelt und werden laufend weiter ausgebaut.

St.Gallen hält sich bei den Tests zum Virennachweis strikt an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG): Wer nicht schwer erkrankt ist, nicht einer Risikogruppe angehört oder im Gesundheitswesen arbeitet, wird nicht getestet. Diese Kriterien seien breit anerkannt, auch international. So würden das deutsche Robert-Koch-Institut wie auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheit (ECDC), welches für die EU die Pandemie überwacht, dieselben Testprioritäten empfehlen, «wenn es darum geht, limitierte Testkapazitäten sinnvoll einzusetzen».

Dennoch arbeiten einige Kantone, etwa Aargau, darauf hin, schon bald alle Personen mit Symptomen testen zu können. Ist dies auch in St. Gallen ein Thema? Auch St. Gallen prüfe «mit Blick auf die in naher Zukunft zu erwartenden Lockerungsmassnahmen die breitere Testung von Personen mit Symptomen». Die Testkapazitäten für den Virusnachweis würden laufend gesteigert. Aktuell gelte aber ganz klar: Die vorhandenen Kapazitäten werden zielgerichtet eingesetzt. Heidi Hanselmann erinnert denn auch daran: «Personen mit leichten Symptomen müssen zehn Tage zu Hause bleiben – mit oder ohne Test.»

Hanselmann ist skeptisch gegenüber Selbsttests

Im Kanton St.Gallen werden Virusnachweistests in den Spitälern, den Konsultationszentren und in Hausarztpraxen durchgeführt. Was hält die Gesundheitschefin von Selbsttests, wie sie da und dort propagiert werden? «Damit ein Test aussagekräftig ist, muss er korrekt durchgeführt werden. Neben der technischen Komponente bedarf ein Test auch einer fachlichen Beratung.» Daher halte sie Selbsttest für «begrenzt sinnvoll». Im Baselbiet suchen mobile Testteams die Leute zu Hause auf. Ein Modell auch für St.Gallen? «Weniger», sagt Hanselmann. Grundsätzlich möchten die Hausärzte die Tests bei ihren Patienten selber durchführen, denn «im direkten Kontakt können viele offene Fragen geklärt und Unsicherheiten abgebaut werden».

Die Arbeit in den drei regionalen Konsultationszentren sei gut angelaufen, sagt Heidi Hanselmann. Sie stünden für weitere Testmöglichkeiten zur Verfügung. Dies sei vor allem wichtig, sobald die neuen Antikörpertests zur Verfügung stünden.

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