Coronavirus: Mehrere Verdachtsfälle in der Ostschweiz – Immunologe Pietro Vernazza relativiert Gefährlichkeit

In der Schweiz ist das neue Coronavirus bislang nicht nachgewiesen. Auch Verdachtsfälle aus der Ostschweiz bestätigten sich nicht. Immunologe Pietro Vernazza sieht ohnehin keinen Grund zur Panik – das Virus verhalte sich wie eine normale saisonale Grippe oder Erkältung.

Adrian Vögele
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Bisher keine Ernstfälle wegen des Coronavirus: Notfallaufnahme am Kantonsspital St.Gallen.

Bisher keine Ernstfälle wegen des Coronavirus: Notfallaufnahme am Kantonsspital St.Gallen. 

Ralph Ribi

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben in China teilweise zum Stillstand gebracht, die Zahl der Erkrankungen ist über das Wochenende sprunghaft angestiegen. In Europa ist die neuartige Lungenkrankheit erst bei einigen wenigen Patienten bestätigt. Ob das Virus auch in der Schweiz angekommen ist, bleibt unklar. Das zuständige Labor am Universitätsspital Genf hat laut SRF bereits mehrere Dutzend Proben von Verdachtsfällen überprüft, das neue Virus wurde dabei nirgends festgestellt. Verschiedene Medien berichteten über Verdachtsfälle in Zürich und Basel.

Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen.

Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen.

Ralph Ribi

Auch in der Ostschweiz hat es bereits Verdachtsfälle gegeben, wie Pietro Vernazza, Immunologe am St.Galler Kantonsspital, am Montag gegenüber FM1 Today sagte. Auf Nachfrage hält er fest, der Corona-Verdacht habe sich in keinem dieser Fälle bestätigt. «Sonst wüsste ich das.» Es gebe keinen Grund zur Panik.

Vernazza relativiert die Gefahr, die vom Virus ausgeht. «Von den Symptomen her unterscheidet sich diese Coronainfektion kaum von einer Grippeinfektion oder Erkältung.» Die meisten Fälle seien leichte Infektionen, die man nicht hospitalisieren müsse. «Man muss sie einfach abklären.»

«Todesfolge genauso selten wie bei saisonaler Grippe»

In den allermeisten Fällen verlaufe die Infektion mild, sagt Vernazza ­– die Erkrankten würden an Schnupfen und/oder Husten leiden. «Eine Todesfolge ist genauso selten wie bei einer saisonalen Grippe – eine von tausend Personen stirbt», jährlich seien dies in der Schweiz 500 bis 1000 Todesfälle. «So wie es aussieht, wird dieses Virus unseren Alltag nicht besonders durcheinander bringen.»

Patienten werden nach Chinareisen gefragt

Das St.Galler Kantonsspital selber hat bisher keine Patienten mit Verdacht auf das neue Coronavirus registriert, wie Mediensprecherin Michaela Mäder auf mitteilt. Man sei aber auf mögliche Verdachtsfälle vorbereitet. Die internen Richtlinien würden auf den internationalen und nationalen Empfehlungen basieren. Was macht nun das St.Galler Kantonsspital, wenn Grippepatienten mit Atemproblemen eingeliefert werden? «Patienten mit respiratorischen Symptomen werden gefragt, ob sie kürzlich in den betroffenen Gebieten in China waren», so Michaela Mäder. «Falls ja, werden Schutzmassnahmen – beispielsweise Masken für Patienten und Mitarbeiter – ergriffen.»

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG

Andrea Stalder

An den Thurgauer Spitälern ist die Situation dieselbe. «Bis jetzt gab es keine Verdachtsfälle, die abgeklärt werden mussten», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. «Die Notfallkliniken sind über die Symptome informiert und befragen mögliche Patienten nach Aufenthalten im betroffenen Gebiet in China.» Die Spitäler hätten ein detailliertes Konzept gegen die Ausbreitung infektiöser Krankheiten – «es wird jetzt laufend aufgrund neuer Erkenntnisse zum Coronavirus angepasst». Für die Mitarbeiter entstehe dadurch keine Gefährdung. «Man geht nach aktuellem Wissensstand davon aus, dass der Virus sich eher wie ein saisonaler Grippevirus und nicht etwa wie SARS verhält.» Die Lungenkrankheit SARS hatte in den Jahren 2002 und 2003 grassiert.

Vorarlberg empfiehlt: «Anhusten vermeiden»

In Österreich sind sechs Verdachtsfälle gemeldet. Vorarlberg ist soweit bekannt nicht betroffen, dennoch verschickte die Landesregierung am Montag eine Mitteilung mit Verhaltensregeln. Das Virus werde via Tröpfchen übertragen, daher: «Häufig die Hände waschen, Anniesen und Anhusten vermeiden». Wer in der chinesischen Region Wuhan gewesen sei und sich krank fühle, solle so lange wie möglich daheim bleiben und telefonisch mit einem Arzt oder Spital Kontakt aufnehmen.

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