Coronavirus
Nur zwei von 14 Spuren in Betrieb: Das grösste Thurgauer Impfzentrum läuft noch auf Sparflamme

Am Mittwoch hat der Kanton Thurgau sein drittes und gleichzeitig mit Abstand grösstes Impfzentrum in Betrieb genommen. Es ist für Piks im Fünfminutentakt auf insgesamt 14 Spuren ausgelegt. Beim Start waren allerdings nur zwei davon in Betrieb.

Christian Kamm
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Für einen grösseren Andrang gerüstet: Das neue kantonale Impfzentrum in Weinfelden.

Für einen grösseren Andrang gerüstet: Das neue kantonale Impfzentrum in Weinfelden.

Bild: Kevin Roth

«Den Impfstoff, den wir bekommen, bringen wir unter die Leute. Bringt uns einfach den Impfstoff», appellierte der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin anlässlich der Eröffnung des neuen Zentrums in Richtung Bern. Doch obwohl mit dem Impfzentrum am westlichen Stadtrand von Weinfelden ein grosser Kapazitätssprung gemacht wird: Auch der Thurgau muss sich mit dem Stoff begnügen, den er letztlich bekommt. So läuft das grösste kantonale Zentrum vorderhand ebenfalls nur auf Sparflamme.

Eine praktisch leere «Impffabrik»

Anlässlich der Eröffnung verlieren sich denn auch nur ein paar Bald-Geimpfte in der eigentlich auf Masse ausgelegten «Impffabrik». Doch: Wenn die versprochenen Dosen im Thurgau eintreffen, soll laut Urs Martin alles bald besser werden:

Regierungsrat Urs Martin, Thurgauer Gesundheitsdirektor.

Regierungsrat Urs Martin, Thurgauer Gesundheitsdirektor.

Bild: Reto Martin
«Wir rechnen damit, dass wir im Mai den Betrieb mit mehreren Impfspuren hochfahren können.»

Kantonsapothekerin Nadja Müller steuerte konkrete Zahlen bei: Im laufenden Monat April sollten insgesamt 55'000 Impfdosen im Kanton Thurgau ankommen, im Mai wird mit 80'000 gerechnet. Ausschliesslich Vakzine der Hersteller Pfizer und Moderna.

Bereit sein für den Tag X

Die Frage ist erlaubt: Weshalb richtet der Kanton gerade jetzt ein für Thurgauer Verhältnisse Mega-Impfzentrum ein, das vorerst nur wie ein Kleinbetrieb ausgelastet ist? Das Zauberwort, das in diesem Zusammenhang bei den Verantwortlichen immer wieder fällt, heisst: Flexibilität. Mit diesem «Herzstück der Thurgauer Impfstrategie» sei man jederzeit bereit, in Aussicht gestellten Stoff zu verimpfen, sagte Martin. Man könne schnell reagieren und die Kapazitäten sofort hochfahren – bis zu maximal 8000 Impfungen auf Kantonsgebiet pro Tag. Denn eines wolle er auf keinen Fall erleben, so Martin: Dass die Impfmenge da sei, man sie aber nicht unter die Leute bringen könne.

«Dann schon lieber genügend Kapazitäten schaffen.»

Hoch flexibel und hohe Qualität

Einblick ins «Herz» des Impfzentrums, wo die Spritzen vorbereitet werden.

Einblick ins «Herz» des Impfzentrums, wo die Spritzen vorbereitet werden.

Bild: Kevin Roth

Die kantonale Impfstrategie wertet der Gesundheitsdirektor als Erfolg. Er bekomme wöchentlich positive Feedbacks und fast keine negativen. «Die Leute sind sehr zufrieden.» Auch sei es ein grosser Vorteil, dass der Kanton entschieden habe, mit Hirslanden alle Impfzentren aus einer Hand betreiben zu lassen. Je nach Impfmenge, die anfalle, könne umgeplant und rotiert werden. «Alles ist hoch flexibel.» Dietmar Mauer vom Medizinischen Projektmanagement der Hirslanden AG versicherte, dass in allen Thurgauer Impfzentren auf hohe Qualität gesetzt werde. Zu diesem Zweck werde laufend optimiert. Auch wenn es zu einem der seltenen Notfälle kommen sollte, «sind wir dafür aufgestellt».

Hausärzte einbeziehen

Kantonsapothekerin Nadja Müller.

Kantonsapothekerin Nadja Müller.

Reto Martin

Nicht vergessen werden sollen vor lauter Impfzentren auch die Hausärzte. Bald sind im Kampf gegen Corona laut Nadja Müller 12'000 Dosen in den Thurgauer Hausarztpraxen verimpft worden. Abklärungen haben ergeben, dass hier eine Kapazität von rund 15'000 Impfungen monatlich besteht. Wenn der versprochene Impfstoff da ist, will man diese auch ermöglichen.

Nicht die volle Punktzahl erhält das neue Impfzentrum, was die Lage betrifft. Vor allem wer mit dem ÖV anreist, sollte sich das vorher gut überlegen, wie ein Selbstversuch zeigt. Rund eine Viertelstunde muss man zu Fuss vom Bahnhof einkalkulieren. Der Weg ist zwar perfekt ausgeschildert; wenn dann aber wie an diesem Mittwoch noch ein heftiger Schneeschauer niedergeht, kann sich die Strecke ziehen. Immerhin: Nach ein paar Minuten ist der Schneespuk bereits vorbei und es scheint wieder die Sonne. Richtig: Es ist April.