Coronapolitik
100 Franken für die Auffrischung der Impfung? Kann ja wohl nicht wahr sein

Trotz gigantischer Produktionsmengen scheinen die Impfdosen nicht günstiger, sondern teurer zu werden. Und für Grossveranstaltungen sind die Perspektiven immer noch düster – mit negativen Folgen auch für Jugendliche. Ostschweizer Nationalräte verlangen Antworten vom Bundesrat.

Adrian Vögele
Merken
Drucken
Teilen
Christian Lohr, Thurgauer Mitte-Nationalrat.

Christian Lohr, Thurgauer Mitte-Nationalrat.

Bild: Peter Klaunzer / KEYSTONE

Trotz Lockerungen und vorsichtigem Optimismus: So schnell lässt Corona die Politik nicht los. Im Bundeshaus, wo sich der aussergewöhnliche Parlamentsbetrieb mit Plexiglaswänden, Maskenpflicht und Zutrittsbeschränkungen inzwischen fast zum normalen Alltag entwickelt hat, sind mit Beginn der Sommersession neue Fragen aufgetaucht.

Der Thurgauer Mitte-Nationalrat Christian Lohr will Genaueres zu den Kosten der Impfungen wissen. Gemäss Angaben des BAG und der Impfstoffhersteller halte die Wirkung der Coronaimpfungen nicht unbegrenzt an. «Demnach würden wir schon bald Auffrischungsimpfungen benötigen», schreibt Lohr in einer Anfrage an den Bundesrat. Diese sogenannten Boosterimpfungen könnten über 100 Dollar (über 90 Franken) kosten, wie der «Sonntagsblick» vor kurzem publik gemacht habe. Lohr will wissen, ob das stimmt. «Müssten Auffrischungsimpfungen aufgrund von Skaleneffekten nicht günstiger sein als die ersten Impfdosen? Mit welchen Kosten rechnet der Bundesrat für den zweiten Impfzyklus?»

PCR-Tests: Warum hat der Bund 14 Millionen Franken in den Sand gesetzt?

David Zuberbühler, Ausserrhoder SVP-Nationalrat.

David Zuberbühler, Ausserrhoder SVP-Nationalrat.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Kostenfragen beschäftigen auch David Zuberbühler. Mehr als eine Million PCR-Testkits habe der Bund laut «NZZ am Sonntag» im Frühling 2020 als Notreserve gekauft, schreibt der Ausserrhoder SVP-Nationalrat. Erst spät sei jedoch festgestellt worden, dass die Tests wegen ihrer biochemischen Bestandteile nicht ewig haltbar seien – der Bund habe darum 14 Millionen Franken abschreiben müssen. Zuberbühler will nun vom Bundesrat wissen:

«Warum wurde keine aktive Lagerverwaltung geführt? Weshalb wurde dem Verfalldatum keine Beachtung geschenkt?»

Auch fragt er, welche Konsequenzen der Bund aus der Sache gezogen habe – und ob Tests vernichtet worden seien.

Berufsmessen in Gefahr – Jugendliche benachteiligt

Diana Gutjahr, Thurgauer SVP-Nationalrätin.

Diana Gutjahr, Thurgauer SVP-Nationalrätin.

Bild: Anthony Anex / KEYSTONE

Diana Gutjahr (SVP/TG) sorgt sich um die Situation der Jugendlichen. Deren Lage sei weiterhin schwierig, auch wegen der unsicheren Perspektiven für Grossveranstaltungen. So sei die Thurgauer Messe Wega auch für dieses Jahr abgesagt worden. «Das ist äusserst bedenklich. Damit steht wohl auch die Berufsmesse auf wackligen Beinen», so Gutjahr. Die Berufsmesse hatte jeweils im Rahmen der Wega stattgefunden. In ihrer Anfrage an den Bundesrat schreibt Gutjahr, viele für den Herbst vorgesehene Grossveranstaltungen – eben auch Berufsmessen – könnten nicht rechtzeitig geplant oder müssen schon jetzt abgesagt werden, weil die definierten Bedingungen für eine Durchführung unklar oder zu streng seien. «Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die Durchführung von Berufsmessen, die für die Berufswahl unserer Jugendlichen besonders wichtig sind, erschwert oder verunmöglicht wird? Was gedenkt er zu tun?» Und: «Warum hat man nicht mehr Vertrauen in die Schutzkonzepte?»

Der Bundesrat wird die Antworten in der Fragestunde vom kommenden Montag liefern.