Coronapandemie: St.Galler Zivilschützer leisten über 1000 Tage Dienst – freiwillig

Die Zivilschutzorganisation St.Gallen-Bodensee trägt gegenwärtig an vielen Orten zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus bei. Eine Zwischenbilanz des Stabschefs und des Kommandanten nach 60 Tagen.

Daniel Wirth
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Eingang zum Kommandoposten des Führungsstabes: Ein Angehöriger der Zivilschutzorganisation misst die Körpertemperatur eines Kollegen.

Eingang zum Kommandoposten des Führungsstabes: Ein Angehöriger der Zivilschutzorganisation misst die Körpertemperatur eines Kollegen.

Ralph Ribi

Die Zahl der Infektionen sinkt Tag für Tag, der Lockdown wird gelockert. Doch für die Zivilschutzorganisation St.Gallen-Bodensee, zu der 600 Angehörige und 200 Reservisten aus 16 Gemeinden zwischen Gaiserwald und Rheineck gehören, ist ein Ende des Coronaeinsatzes nicht in Sicht.

Trotzdem ziehen Felix Keller, Stabschef des Regionalen Führungsstabs (RFS) und Oliver Caspari, Kommandant der Zivilschutzorganisation, nach zwei Monaten eine erste Zwischenbilanz.

Bundesrat hat 850'000 Manntage bewilligt

Insgesamt wurden bis Ende April 1061 Manntage Zivilschutz in der Region geleistet. Ein Manntag, das heisst: Rund acht Stunden Dienst. Dafür erhalten die Männer, je nach Grad, ab fünf Franken Sold und sie werden verpflegt. Die Kosten dafür übernimmt der Bund. Der Bundesrat hat 850'000 Zivilschutz-Manntage zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus bewilligt.

Felix Keller leitet den Regionalen Führungsstab St.Gallen-Bodensee.

Felix Keller leitet den Regionalen Führungsstab St.Gallen-Bodensee.

Ralph Ribi

Der Erwerbsausfall wird über die kantonale Ausgleichskasse, die der Sozialversicherungsanstalt angegliedert ist, gedeckt. Grundlage dafür ist die Erwerbsersatzordnung (EO). Wie viele Stunden in der Region St.Gallen-Bodensee noch hinzukommen, ist unklar. Stabschef Felix Keller sagt:

«Wir wissen nicht, wie lange die Coronakrise dauert und wie lange es uns braucht.»

330 Manntage wurden im Coronakonsultationszentrum in der Olma-Halle 9.1 geleistet. Diese grosse temporäre Arztpraxis wird vom kantonalen Gesundheitsdepartement betrieben. «Unser Auftrag dort läuft mindestens noch bis Ende Mai», sagt Felix Keller.  Ob dort dereinst auch Antikörpertests durchgeführt werden, ist gemäss dem Stabschef offen.

Ein Angehöriger des Zivilschutzes bedient die Coronahotline im Kommandoposten.

Ein Angehöriger des Zivilschutzes bedient die Coronahotline im Kommandoposten.

Ralph Ribi

Mit 254 Manntagen schlägt das Einrichten und der Betrieb der Corona-Hotline am zweitstärksten zu Buche. Anfänglich wurde diese sieben Tage die Woche rund um die Uhr bedient. Inzwischen wurde der Hotline-Betrieb auf Bürozeiten heruntergefahren, weil die Zahl der Anfragen, Hilfegesuche und Hilfeleistungen aus den Gemeinden zurückging. 

Der Stadtpolizei bei Kontrollen helfen

Die Angehörigen der regionalen Zivilschutzorganisation unterstützten auch die Kollegen des Kantons. Gemäss Kommandant Oliver Caspari wurde der Kanton in der Administration, in der IT und in der Logistik unterstützt, bis heute mit insgesamt 233 Manntagen. Diesen Support braucht es gegenwärtig nicht mehr, wie Caspari erklärt.

Mit 60 Manntagen wurde bis Ende April die Stadtpolizei St.Gallen von der Polizeidienstkompanie der RZSO St.Gallen-Bodensee unterstützt. Die Männer kontrollieren, ob die Hygienebestimmungen und Abstandsregeln des Bunds im öffentlichen Raum eingehalten werden. Diese Form der Hilfe wird gemäss Felix Keller mindestens noch bis Pfingsten aufrechterhalten.

Essen in Heimen ausgegeben

Die Angehörigen des Zivilschutzes in ihren olive-orangen Uniformen helfen auch im Gesundheitswesen, in Spitälern und in Heimen. «Wir haben nicht die Kompetenz, Patienten zu pflegen», sagt Keller. Die Hilfe umfasste vor allen Dingen logistische Aufgaben und die Essensausgabe.

Stabschef Keller, der im zivilen Leben die Geschäfte des kantonalen und städtischen Gewerbeverbands führt, zieht auch eine qualitative Bilanz:

«Wir haben durchs Band positive Resonanz erhalten. Den Angehörigen des Zivilschutzes wird Motivation und grosser Einsatz attestiert.»

Die Unterstützung in Heimen und Spitälern wurde inzwischen gestoppt, wie Kommandant Oliver Caspari sagt. Fortgeführt werde dagegen bis auf Weiteres der Fahrdienst bei Tixi-Taxi. Viele Fahrer gehörten altershalber einer sogenannten Coronarisikogruppe an und fielen folglich aus.

Da käme die Hilfe der Zivilschutzorganisation wie gerufen, sagt Caspari. In diesem Bereich kooperiert die RZSO St.Gallen-Bodensee mit dem Sicherheitsverbund Region Gossau. Die Zusammenarbeit funktioniere tadellos, fügt Keller hinzu.

Zehntausende Schutzmasken verteilt

Ebenfalls zum Einsatzbereich der RZSO St.Gallen-Bodensee gehörte das Verteilen von Schutzmasken. Ärzte und Gesundheitseinrichtungen wurden vom Kanton ausgerüstet, dabei aber vom regionalen Zivilschutz unterstützt. Die RZSO selbst verkaufte und verteilte vor der ersten und der zweiten Lockerung des Lockdowns 80'000 Masken an das Gewerbe und Institutionen.

Oliver Caspari, Kommandant der Zivilschutzorganisation St.Gallen-Bodensee.

Oliver Caspari, Kommandant der Zivilschutzorganisation St.Gallen-Bodensee.

Urs Bucher

Die Angehörigen der Zivilschutzorganisation wurden über Doodle angefragt, ob und wann sie verfügbar seien, zum Schutz der Bevölkerung Dienst zu leisten. Caspari sagt, die gut 1000 Manntage seien ausnahmslos freiwillig geleistet worden. Niemand habe einen «Marschbefehl» erhalten. Entsprechend gut sei die Stimmung innerhalb der Truppe. 

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