Coronamassnahmen
«Die klassischen Clubs haben keine Chance»: Maskenpflicht und Sitzkonsumation düpieren Tanzlokale

Die verschärften Coronamassnahmen bedeuten «de facto ein Berufsverbot», beklagen Club- und Barbetreibende. St.Galler Clubs wie Trischli oder Ivy machen dicht, derweil Grabenhalle und Palace auf Bestuhlung setzen.

Marcel Elsener
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Das St.Galler Konzertlokal Palace bleibt vorläufig offen: Diesen Freitag dürfte die Schlange bei Black Sea Dahu so gross sein wie beim Dachs-Konzert im März 2020.

Das St.Galler Konzertlokal Palace bleibt vorläufig offen: Diesen Freitag dürfte die Schlange bei Black Sea Dahu so gross sein wie beim Dachs-Konzert im März 2020.

Bild: Nik Roth

«We are closed again», meldet der St.Galler Club Trischli kurz nach Bekanntgabe der verschärften Coronamassnahmen im Kanton. Auch das «Ivy» bedauert, für die nächsten Wochen schliessen zu müssen, und weitere Clubs werden folgen. Von einem «Schock» aufgrund der kurzfristig fixierten Massnahmen spricht Daniel Weder, Kugl-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Vereinigung der St.Galler Club- und Barbetriebe (Nachtgallen), gegenüber TVO: «Für Bars ist es sicher machbar – die Gäste können sitzend trinken – für Clubs ist es eine faktische Schliessung. Die Regeln können nicht umgesetzt werden.»

Für die meisten St.Galler Clubs gilt demnach, was der Schweizer Dachverband der Club- und Barkommissionen (SBCK) am Dienstag zum Vorschlag des Bundesrats schrieb: «Eine Maskentragpflicht mit gleichzeitig sitzender Konsumation stellt de facto eine wirtschaftliche Schliessung des Nachtlebens dar.» Dabei habe die Branche erst gerade wieder Fahrt aufgenommen und mit konsequenter Zertifikatspflicht sowie Contact Tracing («als einzige Orte in der Schweiz») geholfen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten. «Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, die Massnahmen für das Nachtleben zu verschärfen.»

Konzerte und Slam-Poetry sollen stattfinden

Lukas Hofstetter, St.Galler Slam-Poetry- und Konzertveranstalter, Vorstandsmitglied Nachtgallen.

Lukas Hofstetter, St.Galler Slam-Poetry- und Konzertveranstalter, Vorstandsmitglied Nachtgallen.

Adriana Ortiz Cardozo

«Die klassischen Clubs haben keine Chance», bestätigt der St.Galler Veranstalter Lukas Hofstetter, ebenfalls «Nachtgallen»-Vorstandsmitglied. Wie seine Kollegen begreift Hofstetter nicht, dass 2G kein Thema ist: «Es wäre das kleinere Übel und vermutlich hilfreicher.» Aufgrund der erwartbaren zahlreichen Schliessungen müssten Ausfallentschädigungen wiederum geltend gemacht werden können. «Für die Clubs wird es sehr schwierig. Obwohl unausgesprochen, kommt das Tanzverbot einem Berufsverbot gleich»

Vorläufig geöffnet bleiben Palace und Grabenhalle - beides Lokale, in denen Hofstetter demnächst Veranstaltungen mitorganisiert. «Sie setzen auf Bestuhlung und darauf, dass ihr Barbetrieb mit Konsumation im Sitzen und ohne Masken ähnlich wie in Restaurants weiterhin möglich ist.» Für das in Vorjahren jeweils rappelvolle Finale des Kurzfilmwettbewerbs (Sonntag, 12. Dezember) verspricht das Palace 250 Sitzmöglichkeiten. Und für den Slam-Poetry-Anlass in der Grabenhalle (Samstag, 11. Dezember) stehen in der Grabenhalle 100 Stühle zur Verfügung.

Die Testläufe mit erweiterter Bestuhlung in vermutlich vollen Sälen finden bereits am Donnerstag und Freitag statt: In der Grabenhalle ist das zweite «Stadtgespräch» von Fässler & Kubik angesagt, im Palace steigt das ausverkaufte Konzert der Zürcher Folkband Black Sea Dahu.

Glühwein am Weihnachtsmarkt nur noch im Sitzen

Was die Maskenpflicht und andere verschärfte Massnahmen für den St.Galler Weihnachtsmarkt bedeuten, vermag Marktchef Bernhard Steffen noch nicht zu sagen; man warte noch auf die genauen gewerbepolizeilichen Weisungen. Der vor einer Woche eröffnete Markt mit 39 Ständen sei «gut angelaufen» - trotz der Einschränkungen wie der Zertifikatspflicht im Waaghaus und für die beiden Glühweinstände im Chlausbeizli und beim «Maiersäss» mit eingezäuntem Aussenraum.

Essen und Trinken ist grundsätzlich nur noch im Sitzen möglich, Stehaperos sind verboten - dies gilt auch für die Glühwein-Runden. Somit ist das Chlausbeizli mit gut 60 Sitzplätzen im Vorteil, derweil der Maiersäss-Stand unter Druck kommt. Für Markt-, Messe- und Take-Away-Betriebe brauche es keine Ausnahme von der Maskentragpflicht, erklärt die Staatskanzlei auf Anfrage des St.Galler Gewerbeverbands. Vielmehr werde «stillschweigend vorausgesetzt», dass «während des Herumlaufens im öffentlichen Raum ein Sandwich gegessen oder ein Getränk konsumiert werden kann und hierfür die Maske zur Seite geschoben werden darf – analog zur Praxis im öffentlichen Verkehr». Jedoch sei es nicht möglich, dass «Personen vor einem Glühweinstand bleiben und dort stehend konsumieren», teilt der Kanton mit. «Wenn stationär konsumiert wird, besteht eine Sitzpflicht.»

Schlaumeier dürften sich darauf ihren eigenen Reim machen: Beim Glühwein trinken einfach schön in Bewegung bleiben - «Herumlaufen» ist Auslegungssache. Und gewiss eine Herausforderung für die Polizei: Man werde am Weihnachtsmarkt wie in der übrigen Gastronomie die Einhaltung der Massnahmen kontrollieren, heisst es bei der Stadtpolizei. «In den ersten Tagen dürfte es aber vor allem ums Informieren gehen.»

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