Coronakrise: St.Galler Fest vor Verschiebung oder Absage +++ Gestrichenes Schwägalp-Schwinget kostet 100'000 Franken +++ Olma auf der Kippe

Grossveranstaltungen können frühestens ab September wieder stattfinden. Das hat der Bundesrat entschieden. Unter diesen Entscheid fallen grosse Schwingfeste und andere Events in der Ostschweiz. Und begeisterte Olma-Gängerinnen und Olma-Gänger müssen weiterhin gewarnt bleiben: Ob die St.Galler Herbstmesse durchgeführt wird, bleibt unklar. Ob das St.Galler Fest stattfindet, ist ebenso offen. 

Regula Weik, Ralf Streule, Mario Testa und Roger Berhalter
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Bis zu 15'000 Zuschauer besuchten in den vergangenen Jahren den Schwägalp-Schwinget. In diesem Jahr fällt das Fest aus.

Bis zu 15'000 Zuschauer besuchten in den vergangenen Jahren den Schwägalp-Schwinget. In diesem Jahr fällt das Fest aus. 

Bild: Urs Bucher

Der Bundesrat hat entschieden: Bis Ende August gibt es in der Schweiz keine Grossveranstaltungen. Betroffen vom Verbot sind auch Schwingfeste, die im Sommer in der Ostschweiz hätten stattfinden sollen. Das Thurgauer und St. Galler Kantonalschwingfest waren schon zu Beginn der Coronakrise auf kommendes Jahr verschoben worden.

Nun trifft es auch das Nordostschweizer Teilverbandsfest in Mels vom 28. Juni, das Appenzeller Kantonale vom 5. Juli, den Schwägalp-Schwinget vom 16. August sowie das Jubiläumsschwingfest in Appenzell vom 30. August. Gerade dieses Fest zum 125-jährigen Bestehen des Eidgenössischen Schwingverbands hatten viele Ostschweizer freudig erwartet. 20'000 Zuschauer wären in Appenzell erwartet worden.

Den Entscheid des Bundesrats habe man so erwartet, sagt OK-Präsident Reto Mock. Die Gefühle seien gemischt. Einerseits sei es für ihn persönlich schwer nachzuvollziehen, dass so früh und auf mehrere Monate hinaus entscheiden werde.  

Reto Mock, OK-Präsident Jubiläumsschwingfest Appenzell 2020

Reto Mock, OK-Präsident Jubiläumsschwingfest Appenzell 2020

Bild: Lorenz Reifler
«Bis Ende Juni hätten wir mit einem Entscheid warten können.»

Dennoch sagt Mock: «Wir sind nicht zu Tode betrübt.» Denn anderseits sei man froh zu wissen, woran man sei. 

Suche nach Termin im 2021

Mock versichert, dass das Jubiläumsfest nicht abgesagt, sondern auf kommendes Jahr verschoben wird. Das neue Datum soll noch diese Woche bekannt gegeben werden, auch wenn die Terminfindung nicht einfach sei. Einerseits müssten andere Grossanlässe und Schwingfeste berücksichtigt werden, anderseits aber auch die Terminkalender von grossen Lieferanten wie dem Gerüstbauer.

Immerhin halte sich der finanzielle Schaden in Grenzen. Mock:

«Das gesamte OK arbeitet ehrenamtlich, Lohnkosten gibt es also nicht zu bezahlen.»

So schenkten vor allem Versicherungsgebühren ein. Oder die Pacht des Festgeländes, das nun ein weiteres Jahr landwirtschaftlich nicht genutzt werden kann. Mit geschätzten gut 100'000 Franken Defizit könne man leben – wenn denn der Anlass im kommenden Jahr finanziell abfedert.

Chef des Schwägalp-Schwinget: «Wir waren vorbereitet.»

Niklaus Hörler, OK-Präsident Schwägalp-Schwinget.

Niklaus Hörler, OK-Präsident Schwägalp-Schwinget.

Pd

Auch Niklaus Hörler, OK-Präsident des Schwägalp-Schwinget, trägt den Entscheid mit Fassung, sieht vor allem das Positive:

«Gut, haben wir schon früh Klarheit.»

In den vergangenen Tagen habe sich immer mehr gezeigt, dass man bei der Organisation nicht gleich bei der Sache sei, wenn der Anlass auf der Kippe stehe. Bereits im März habe man aufgrund der unsicheren Situation alle Aufträge «auf provisorisch gesetzt», sagt Hörler. «Wir waren vorbereitet.»

Die rund 100'000 Franken, die man wegen Versicherungs- und Vorbereitungskosten nun dennoch abschreiben müsse, seien dank der Rückstellungen aus den erfolgreichen vergangenen Schwinget-Jahre zu verkraften. Bis zu 15'000 Zuschauer haben in den vergangenen Jahren das Fest besucht. Die bereits für 2020 verkauften Tickets will Hörler möglichst unkompliziert auf kommendes Jahr übertragen. «Die meisten kommen ohnehin auch im nächsten Jahr. Es ist wenig sinnvoll, Rückerstattungen zu machen und danach wieder Tickets zu verkaufen.»

Nächstes Slowup Bodensee sehr wahrscheinlich erst 2021

Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus, zeigt sich vom Entscheid des Bundesrates wenig überrascht: «Ich hatte das befürchtet.» Zahlreiche Anlässe im Thurgau seien vom Veranstaltungsverbot betroffen, insbesondere das Slowup Bodensee vom 30. August, «einer unserer wichtigsten Events». Letztes Jahr zählten die Veranstalter auf der 40 Kilometer langen autofreien Strecke 32 000 Teilnehmer.

Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus.

Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus.

Bild: Donato Caspari

Noch ist die diesjährige Ausgabe nicht definitiv abgesagt. Doch Müller bezeichnet es als «sehr, sehr wahrscheinlich», dass das nächste slowUp erst 2021 stattfinden kann - was er allerdings sehr bedauern würde. Sicher sei: «Der diesjährige Sommer wird stiller und ruhiger vonstatten gehen.»

St.Galler Fest und «New Orleans meets St.Gallen»: Neue Daten werden gesucht

Das diesjährige St.Galler Fest wird verschoben. Auf wann, ist noch unklar.

Das diesjährige St.Galler Fest wird verschoben. Auf wann, ist noch unklar.

Bild: Michel Canonica (16. August 2019)

Bruno Bischof organisiert sowohl das St.Galler Fest als auch das Festival «New Orleans meets St.Gallen». Letzteres war auf den 25. Juni angesagt. «Es war uns schon länger klar, dass das unrealistisch ist», sagt Bischof. Absagen wolle er den Anlass in der St.Galler Innenstadt aber nicht, vielmehr prüfe er, das Fest in den September zu verlegen. Er sei zuversichtlich, ein neues Datum zu finden, zumal der Anlass unter der Woche stattfinde:

«Wir hoffen, bald ein Datum kommunizieren zu können.»

Noch offen ist laut Bischof, ob und wann das St.Galler Fest dieses Jahr stattfinden kann. Der Grossanlass – 2019 feierten an zwei Tagen rund 110'000 Besucherinnen und Besucher – ist jeweils auf das erste Wochenende nach den Sommerferien terminiert. Nun werde man eine Verschiebung des Stadtfests prüfen und mit den Partnern und Behörden Kontakt aufnehmen. Bis September oder Oktober sei der Anlass grundsätzlich schiebbar, danach werde es schwierig für ein Gassenfest. Bischof bezeichnet den Entscheid des Bundesrats vom Mittwoch als wichtig: «Er gibt uns eine gewisse Planungssicherheit.»

Olma: Geduld ist gefragt

Die innere Unruhe der eingefleischten Olma-Gänger steigt von Tag zu Tag. Die elf Tage im Oktober sind seit Wochen rot in der Agenda angestrichen. Herbst ist Olma. Alles andere ist Nebensache. Dieses Jahr könnte alles anders werden. Das Coronavirus könnte die Olma lahmlegen. 

Die Olma zieht jeden Herbst Tausende von Besucherinnen und Besuchern an.

Die Olma zieht jeden Herbst Tausende von Besucherinnen und Besuchern an.

Bild: Hanspeter Schiess (Oktober 2019)

Was heisst der Entscheid des Bundesrats bis Ende August Grossveranstaltungen zu verbieten für die Olma 2020? Findet sie statt? Die Olma-Fans werden weiter auf die Folter gespannt. 

Ein Ausschuss des Verwaltungsrats werde am Donnerstagmorgen das weitere Vorgehen beraten, erklärt Olma-Vizedirektor Adi Stuber auf Anfrage. Und weiter sagt er:

«Wir werden so rasch wie möglich entscheiden.»

Vorerst bleibt also offen, ob vom 8. bis 18. Oktober auf dem Olma-Areal der gewohnte Ausnahmezustand herrschen wird – oder eben nicht.   

Gibt es eine Olma light?

Auf die Frage, ob eine abgespeckte Olma, sozusagen eine Light-Version, denkbar ist, antwortet Stuber:

«Wir prüfen verschiedene Szenarien.»

Auf einzelne wolle er nicht eingehen. Verschiedene Veranstalter haben in den vergangenen Wochen wiederholt darauf hingewiesen, dass bei einer verfrühten Absage die rechtliche Grundlage unklar sei. Trifft dies auch für die Olma zu? Würde sie ohne behördliche Anweisung auf hohen Kosten sitzen bleiben? Auch dazu und zu allfälligen Auswirkungen könne der derzeit keine Auskunft geben, sagt Stuber.

Das Oktoberfest in München ist abgesagt. Auch wenn der definitive Entscheid noch aussteht: Die Olma 2020 wird immer unwahrscheinlicher. 

Immo Messe Schweiz: erst verschoben, nun abgesagt

Immo-Messe auf dem Olma-Areal.

Immo-Messe auf dem Olma-Areal.

Bild: Ralph Ribi

Am Mittwoch haben die Olma Messen St.Gallen hingegen einen anderen Entscheid gefällt: Die Immo Messe Schweiz wird dieses Jahr definitiv nicht durchgeführt. Die Messe war für März geplant gewesen, war dann wegen Corona auf August verschoben worden. Nun also die definitive Absage. Die nächste Immo Messe Schweiz findet damit erst im März 2021 statt. 

«Eine zwischenzeitliche Neubeurteilung der Situation hat ergeben, dass eine zufriedenstellende Durchführung für alle Beteiligen insgesamt nicht gewährleistet werden kann», begründen die Olma Messen den Schritt. Ihr Ziel sei es, den Besucherinnen und Besuchern «jederzeit eine ausgewogene Messe mit einem kompetenten Angebot» zu bieten. Dieser Anspruch hätte nicht erfüllt werden können - «aufgrund von Rückmeldungen von Ausstellern». Kurz: Es waren zu wenig Aussteller. 

Wega Weinfelden: Die Hoffnung bleibt

Von einem Hoffnungsschimmer für die grösste Messe im Thurgau spricht Wega-Messeleiter Gregor Wegmüller. «Die Pressekonferenz des Bundesrats ist besser rausgekommen als vermutet. Im Vorfeld geisterte durch gewisse Medien, es würden alle Grossveranstaltungen bis im September untersagt. Da dies nun nur bis Ende August der Fall ist, bleibt für uns die Hoffnung, dass die Wega stattfinden kann.»

Die Wega, die jährlich rund 100’000 Besucher nach Weinfelden lockt, ist für den 24. bis 28. September geplant. «Grundsätzlich planen wir nun weiter, die Wega im normalen Rahmen durchzuführen. Obwohl es natürlich nicht normal sein wird, gewisse Auflagen werden bleiben», sagt Wegmüller. Er hofft auf eine baldige Antwort des Bundes auf den Massnahmenkatalog, den der nationale Branchenverband «Expo Event» erarbeitet und eingereicht hat. «Es ist nun auch wichtig, dass wir bald erfahren, welche Rahmenbedingungen für Veranstaltungen ab September gelten.»

Weinfelden im Wega-Ausnahmezustand: Ob es diesen Herbst dazu kommen wird, bleibt vorderhand offen.

Weinfelden im Wega-Ausnahmezustand: Ob es diesen Herbst dazu kommen wird, bleibt vorderhand offen.

Bild: Reto Martin

Er habe die Pressekonferenz des Bundesrats als ein Wechselbad der Gefühle erlebt. «Die Aussagen waren schon grundsätzlich positiv, aber es bleibt für uns eine grosse Ungewissheit, ob wir die Wega wirklich durchführen können. Das macht unsere Arbeit nicht einfacher, aber wir schaffen weiter in Zusammenarbeit mit den Ausstellern.» 

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