Coronakrise: Nun stützt der Kanton St.Gallen auch die Kitas

Viele Eltern betreuen ihre Kinder wegen der Pandemie zu Hause. Den Kindertagesstätten im Kanton brechen die Einnahmen weg. Nun hilft ihnen der Kanton mit zinslosen Darlehen. 

Regula Weik
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Betreuen derzeit deutlich weniger Kinder: Kindertagesstätten im Kanton St.Gallen.

Betreuen derzeit deutlich weniger Kinder: Kindertagesstätten im Kanton St.Gallen.

Die Kindertagesstätten im Kanton St. Gallen sind weiterhin offen. Gleichzeitig sind die Eltern angewiesen, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu betreuen. Viele tun das auch. Aktuell besuchen nicht einmal mehr halb so viele Kinder eine Kita wie zu coronafreien Zeiten.
Das bekommen die Kitas zu spüren – ihre Einnahmen brechen weg.

Immer häufiger kündigen Eltern die Betreuungsverträge, da die Kinder nun daheim sind. Oft geraten Familie aber auch in finanzielle Not, da sie auf die externe Kinderbetreuung angewiesen sind, ihr Einkommen wegen Kurzarbeit dafür aber kaum mehr ausreicht. Der Ruf nach einem Hilfspaket für Kindertagesstätten ist in den vergangenen Tagen im Kanton immer lauter geworden. Nun reagiert die Regierung: Sie hat beschlossen, Kitas zinslose Darlehen auszurichten.

Reine Symbolpolitik?

Das sei «reine Symbolpolitik», ärgert sich der Geschäftsführer einer Toggenburger Kita in einem offenen Brief an den Kanton. Das mache bereits der Bund. Er hält deshalb fest:

«Zinslose Darlehen lösen kein einziges Problem, zumal kaum eine Kita in der Lage sein wird, die nötigen Gewinne zu erzielen, um die Darlehen zurückzahlen zu können.»
Regierungsrat Martin Klöti

Regierungsrat Martin Klöti

Regina Kühne

Wie reagiert der für die Kitas zuständige Regierungsrat Martin Klöti auf diese Kritik? Es gehe darum, den Kitas «schnell und sicher» zu helfen. «Kitas sollen ausstehende Elternbeiträge nicht mehr einfordern müssen, wenn Eltern diese derzeit nicht leisten können, aber weiterhin auf externe Betreuung angewiesen sind.» Die Kitas müssten «einfach die Verluste notieren» und sich beim kantonalen Amt für Soziales melden – falls die Hilfe des Bundes nicht ausreicht oder nicht zeitnah erfolgt. Kitas, so Klöti, sollten ruhig doppelgleisig fahren und alle Hilfsmöglichkeiten ausschöpfen.

Die wenigsten Kita haben Reserven

Der Regierungsrat macht sich nichts vor: Er wisse, dass in zahlreichen Fällen die Kitas die Darlehen kaum werden zurückzahlen können. Klöti sagt:

«Die wenigsten Kitas haben
finanzielle Reserven.»

Im Vordergrund stehe jetzt aber «die unbürokratische Hilfe» und nicht die Tilgungsfrage.

Diese wird dennoch bald Thema werden – zwischen Kanton und Gemeinden. Bereits nächste Woche findet eine Sitzung zwischen der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP) und Vertretern des Departements des Innern statt. Dabei wird es darum gehen, eine Übernahme der Kita-Darlehen durch die Gemeinden oder andere Kostenträger zu klären.

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