Coronakrise im Thurgau: Der Säger arbeitet einfach weiter, der Briefträger und die Fotografin spüren den Lockdown deutlicher

Fünf Berufsleute aus dem Thurgau erzählen, wie sie ihrer Arbeit während der Coronakrise nachgehen und welche Auswirkungen sie spüren. 

Christof Lampart
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Roland Mötteli lässt sich von seiner Frau Manon beim Shozindo-Training filmen.

Roland Mötteli lässt sich von seiner Frau Manon beim Shozindo-Training filmen.

Andrea Stalder

Seit 1997 führt Leo Weber mit seinem Bruder Norbert die elterliche Weber Säge- und Hobelwerk AG in Tobel. «An eine solche Situation wie gegenwärtig kann ich mich nicht erinnern», erklärt der Säger. In seinem Betrieb läuft es momentan «ganz normal».

Leo Weber, Säger aus Tobel.

Leo Weber, Säger aus Tobel.

Christof Lampart

Doch die Verunsicherung bei vielen Kunden, die momentane Kurzarbeit für den eigenen Betrieb beantragt oder diesen sogar geschlossen haben, könnte auch irgendwann die eigene Sägerei befallen. «Was in ein paar Monaten sein wird, weiss ich nicht», sagt Leo Weber.

«Aber wenn meine Kunden keine Aufträge mehr haben, werden wir das mit der Zeit sicherlich auch zu spüren bekommen.»

Mit dem Einhalten der Abstandsregeln hat man in der holzverarbeitenden Firma keine Probleme: «Die Arbeitsplätze in der Produktion sind bei uns so, dass wir beim Schaffen mindestens zwei Meter Abstand voneinander haben. Und beim Znüni haben wir auch darauf geachtet, dass wir weit genug voneinander entfernt sitzen.»

Die Briefträger sortieren ihre Post gestaffelt

Andere Berufsleute spüren die vom Bundesrat verfügten Einschränkungen deutlicher, wie eine kleine Umfrage zeigt. «Bei uns hat sich schon einiges verändert – wie halt auch in vielen anderen Berufen mit Kundenkontakt», sagt Nicky Rossi aus Frauenfeld, der in Märwil praktisch jeden Haushalt kennt. Seine Tour als Briefträger führt ihn täglich durch die Gemeinde.

Nicky Rossi, Märwiler Briefträger.

Nicky Rossi, Märwiler Briefträger.

PD

«Wir halten uns an die allgemeingültigen Abstandsregeln. Das fängt schon am frühen Morgen an, wenn ich die Post für meine Tour vorsortiere. Während früher viele Pöstler zeitgleich ihre Touren vorbereiteten, rücken wir jetzt gestaffelt ein, sodass zwischen den Sortierenden selbst genügend Platz bleibt.» Bei den Kollegen von der Paketpost ist in Sachen Arbeitsbelastung momentan ziemlich die Hölle los.

Bei der Briefpost hat das Arbeitsvolumen in den letzten zwei Wochen deutlich abgenommen. Was Rossi jedoch nicht gross wundert, denn «die meisten Geschäfte haben ja zu oder arbeiten nur reduziert, sodass kaum Briefe verschickt werden.»

Kampfkunstunterricht übers Internet

Keine Briefe, sondern Videos lässt in diesen Tagen Roland Mötteli seinen Eleven zukommen. Der Shozindo-Trainer, der in Wallenwil zusammen mit seiner Frau Manon ein Dojo betreibt, ist gegenwärtig beim Unterricht seiner Kampfkunst ganz auf die moderne Technik angewiesen.

«Natürlich können wir in diesen Zeiten kein normales Training anbieten, denn dabei gäbe es automatisch Körperkontakt.»
Roland Mötteli, Shozindo-Trainer, Wallenwil.

Roland Mötteli, Shozindo-Trainer, Wallenwil. 

Andrea Stalder

Deshalb habe er vor einer Woche angefangen, kleine Videos mit Lerninhalten im Dojo aufzunehmen. Die Übungenhabe ich auf unsere Website gestellt, wo sie nun unsere rund 100 Schülerinnen und Schüler jeglichen Alters anschauen und nachmachen können.»

Dass das Prinzip «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» nicht funktioniert, nimmt Mötteli gelassen hin. «Es geht in diesen speziellen Zeiten nun einmal darum, fit zu bleiben und Spass zu haben; für Perfektion ist nachher noch Zeit genug».

Jasmin Ilg, Fotografin.

Jasmin Ilg, Fotografin.

PD

Perfekt im Sinne von «perfekt vorbereitet» waren auch die Settings, welche die Steckborner Fotografin Jasmin Ilg für die Hochzeiten angedacht hatte, für die sie gebucht gewesen war. Doch daraus ist in den meisten Fällen nichts mehr geworden.

«Ich konnte zwar in den letzten Tagen noch zwei Hochzeiten auf dem Standesamt fotografieren. Aber wohl nur deshalb, weil das Brautpaar darauf drängte.»

Es wollte einige Fotos von seinem schönsten Tag des Lebens haben, die es Geschwistern, Eltern und Verwandten zeigen kann, die alle nicht mit dabei sein durften. Ihr Geschäft «Fotodesign Jasmin Ilg» hat gegenwärtig geschlossen, der Umsatz beträgt einen Bruchteil der Zeit vor der Coronakrise. «Ich hoffe schwer, dass spätestens im Juni alles wieder ins Laufen kommt.»

Momentan sichtet und ordnet Ilg ihre eigenen Bilder. «Auch das muss mal sein, aber es wäre schön, wenn das Telefon häufiger läuten würde.»

Im Tertianum Neutal ist es ruhig geworden

Auch im Tertianum Neutal in Berlingen klingelt das Telefon nicht mehr oft. Vor allem haben aber die Besuche im Wohnzentrum und im Pflegezentrum komplett aufgehört. «Es brauchte eine Umstellung. Aber wir waren auf das, was nun kam, gut vorbereitet. Denn wir haben mit dem Norovirus oder der jährlichen Grippe ja bereits einschlägige Erfahrungen», erklärt Neutal-Geschäftsführer Bernhard Kuster.

«Anfangs mussten wir die Gäste und deren Angehörige vermehrt informieren, aber nun hat sich alles eingespielt.»

Er hoffen, dass das Virus bald besiegt sein werde. «Es ist schon sehr ruhig geworden, so ganz ohne Gäste oder auftretende Künstler, welche hier immer eine schöne Stimmung verbreiten.»

Bernhard Kuster, Leiter des Tertianum Neutal in Berlingen.

Bernhard Kuster, Leiter des Tertianum Neutal in Berlingen.

PD

Alle Angestellten tragen eine Maske, um die Gäste und andere Mitarbeitende zu schützen. «Wir hätten auch genügend Schutzkittel, die im Falle einer Covid-19-Erkrankung zum Einsatz kommen würden; aber bis jetzt war dies bei uns Gott sei Dank noch nicht nötig.»

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