Coronakrise: Der St.Galler Gewerbeverband verzichtet freiwillig auf 450'000 Franken Einnahmen

Das Gewerbe leidet massiv unter den Auswirkungen des Corona-Lockdowns. Der St.Galler Gewerbeverband erlässt seinen Mitgliedern nun einen Teil der Jahresbeiträge. 

Andri Rostetter
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«Hohe Solidarität innerhalb der Wirtschaftskreisläufe»: Arbeiter in einem Industriebetrieb in Gossau.

«Hohe Solidarität innerhalb der Wirtschaftskreisläufe»: Arbeiter in einem Industriebetrieb in Gossau. 

Bild: Benjamin Manser

Verbände leben von ihren Mitgliedern. Je mehr Jahresbeiträge, desto finanzkräftiger die Organisation. Der kantonale Gewerbeverband St.Gallen kommt mit seinen rund 8800 Mitgliedern auf Einnahmen von gut 900'000 Franken pro Jahr. Damit finanziert der Verband die Geschäftsstelle, Anlässe und Konferenzen, die Beratung von Mitgliedern, politische Aktivitäten und diverse weitere Tätigkeiten. 

In der Coronakrise will der Verband nun auf die Hälfte dieser Einnahmen verzichten. Der Vorstand hat beschlossen, die Mitgliederbeiträge für das Jahr 2020 um die Hälfte zu reduzieren. Für die einzelnen Betriebe ist das zwar keine riesige Summe; Unternehmen bezahlen in normalen Zeiten je nach Lohnsumme einen Jahresbeitrag von 80 Franken bis 240 Franken.

Für den Verband selber fällt der freiwillige Verzicht dagegen stark ins Gewicht. Für das laufende Jahr rechnet Geschäftsführer Felix Keller mit Einnahmen von 450'000 statt 900'000 Franken.

Appell an die Eigenverantwortung

Felix Keller, Geschäftsführer Gewerbeverband Kanton St.Gallen.

Felix Keller, Geschäftsführer Gewerbeverband Kanton St.Gallen. 

Bild: PD

«Wir wollen damit ein kleines Zeichen setzen», sagt Keller. Diese Massnahme zeige, dass die Gewerblerinnen und Gewerbler «auch in schwierigen Zeiten zusammenstehen und sich pragmatisch um passende Lösungen kümmern». 

Keller appelliert auch an die Eigenverantwortung von Unternehmen und Mitarbeitenden. Diese seien trotz der Massnahmen von Bund und Kanton noch stärker gefordert.

«Wir können nicht nur nach dem Staat rufen.»

Auf seiner Homepage schreibt der Verband dazu: «Die ungewöhnlichen, aber notwendigen Massnahmen erfordern eine hohe Solidarität unter den Menschen und innerhalb der Wirtschaftskreisläufe: Lieferanten, Gläubiger, Banken, Vermieter, Arbeitnehmende, Arbeitgebende und Verwaltung müssen nun konziliant, flexibel und solidarisch agieren.» 

Fonds mit 1,4 Millionen Franken

Trotz halbierter Einnahmen will der Verband keine Leistungen abbauen. Für die anfallenden Kosten im laufenden Jahr sollen Mittel aus dem Aktionsfonds für Wahlen und Abstimmungen entnommen werden; das Geld wird normalerweise für Abstimmungs- und Wahlkämpfe verwendet. In diesem Fonds befanden sich Ende 2019 gut 1,4 Millionen Franken.  

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