Coronakrise
Carunternehmen stehen komplett still: Rheintaler Betriebe schildern, wie sie den Auftragseinbruch erleben

Die Nummern sind deponiert, die Fahrzeuge in der Garage. Die Rheintaler Carunternehmen haben mit enormer Planungsunsicherheit zu kämpfen.

Hildegard Bickel
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Cars stehen leer in der Garage. Die weiteren Massnahmen bestimmen, wann die Reisen im Car wieder losgehen können.

Cars stehen leer in der Garage. Die weiteren Massnahmen bestimmen, wann die Reisen im Car wieder losgehen können.

Bilder: PD

Es wäre die Saison, in der zahlreiche Schulkinder mit Cars in die Skilager gefahren werden und die Carunternehmen Tagesfahrten in die Wintersportorte anbieten. «Januar, Februar und März wären gute Monate», sagt Petra Sieber, die mit ihrem Mann Peter Sieber das Familienunternehmen Rheintal Reisen Sieber in Diepoldsau führt.

Doch seit November stehen die Cars unbenutzt in der Garage. «Wir haben die Nummern aller sieben Fahrzeuge deponiert.» Dadurch entfallen wenigstens Verkehrsabgaben.

80 Prozent Umsatz eingebüsst

Rheintaler Carunternehmen nennen Fakten der schwierigen wirtschaftlichen Situation. 2020 musste Kobler Reisen eine Umsatzeinbusse von 80 Prozent verkraften. Ebenso seien Aufwand und Planung des Vorjahres verlorene Arbeit gewesen, sagt Thomas Kobler. Er ergänzt:

«Mit den Stornierungen mussten wir viel Geld zurückzahlen.»

Nur drei Mehrtagesfahrten konnten letzten Sommer und Herbst stattfinden, in der Schweiz, ins Südtirol und in die Steiermark. Seit Ende Oktober gab es keine Fahrten mehr. Zu schaffen machen ihm derzeit die Bestimmungen, die sich laufend ändern. Welche Länder befinden sich auf der Quarantäneliste? Werden negative Covid-19-Testresultate bei Grenzübertritten verlangt? Welche Rolle spielen künftig Impfungen? Die Kunden hätten die Lust am Reisen nicht verloren, sagt Thomas Kobler. «Im April könnten wir eine ausgeschriebene Reise nach Holland antreten. 50 Personen haben bereits gebucht.»

Noch sei die Durchführung in der Schwebe. Den definitiven Entscheid schiebe man hinaus, um mögliche Lockerungen abzuwarten, aber höchstens solange, um Stornofristen einhalten zu können. Grundsätzlich müssten die Carunternehmen nicht geschlossen bleiben wie etwa Gastrobetriebe. «Aber es gibt kaum Anfragen, da Ängste und Befürchtungen, in einem Car zu reisen, überwiegen», sagt Petra Sieber.

Obwohl sie, wie auch Thomas Kobler, auf ausgeklügelte Lüftungs- und Filtersysteme aufmerksam machen, die bessere Bedingungen als in öffentlichen Verkehrsmitteln gewährleisten würden. Derzeit sind nur ein paar wenige Reisedaten zum Vormerken auf der Website bei Rheintal Reisen Sieber. Sie betreffen zum Beispiel eine Mehrtagesfahrt in die Pfalz zur Mandelblüte an der Deutschen Weinstrasse. Die Reisen sind noch nicht im Detail ausgeschrieben. Petra Sieber befürchtet, Absagen bearbeiten zu müssen, solange die Pandemiemassnahmen keine Planungssicherheit zulassen. Das habe die Erfahrung des letzten Jahres gezeigt.

Die Nummern der Cars sind abmontiert.

Die Nummern der Cars sind abmontiert.

Laufende Kosten verursachen Druck

«Solange Restaurants geschlossen bleiben und Veranstaltungen ausfallen, sind Carreisen nicht möglich», sagt auch Remo Köppel, Mitinhaber Köppel Reisen in Au. «Firmen und Vereine verzichten zudem auf Skitage.» Es fehle die Basis, einen genussvollen Tag durchzuführen. Er äussert sich kritisch gegenüber der Politik, die gemacht wird. Es herrsche viel Verunsicherung. Und solange die Fallzahlen nicht sinken würden, leide die Reisebranche.

Manche Betriebe könnten sich wohl nicht mehr lange über Wasser halten. Köppel sagt:

«Lohnentschädigungen genügen nicht. Es fallen laufende Kosten wie Miete, Gebühren und andere Fixkosten an.»

Chauffeure befinden sich vorläufig in Kurzarbeit. Petra Sieber bemüht sich währenddessen wie ihre Branchenkollegen um Entschädigungen im Rahmen der Härtefallregelung. Die in Aussicht gestellte Hilfe bewahrte das Unternehmen aber nicht vor einer Kündigung. Petra Sieber bedauert, eine im Teilzeitpensum angestellte Bürohilfe nicht mehr beschäftigen zu können.

Zuversicht behalten trotz durchzogener Prognosen

Obwohl die Lage auch für die Reisebranche ein Jammer ist, wollen die Betroffenen zuversichtlich bleiben. «Sobald die Massnahmen lockern, kehrt das Reisebedürfnis zurück», sind Petra Sieber und ihr Mann überzeugt. «Wir dürfen auf treue Kunden zählen.» Remo Köppel lässt eine Spur Gelassenheit durchblicken:

«Wir nehmen es, wie es kommt.»

Köppel Reisen sei lokal verankert, gesund, geführt in der dritten Generation seit bald 100 Jahren. Seine Prognose für die bevorstehende Zeit jedoch ist durchzogen. Er rechnet mit einem verschärften Preiskampf, wenn das Reisen wieder möglich sein wird.

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