Corona-Virus: So ist die Lage in den Ostschweizer Kantonsspitälern

Noch ist die Zahl der Corona-Patienten in den Ostschweizer Spitälern überschaubar. Diese kämpfen allerdings mit einer Flut an Anfragen – und suchen teils externe Hilfskräfte für die Bewältigung der Pandemie.

Adrian Vögele
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Noch kein Ansturm: Am Kantonsspital St.Gallen waren am Montag zwei Corona-Patienten in Pflege.

Noch kein Ansturm: Am Kantonsspital St.Gallen waren am Montag zwei Corona-Patienten in Pflege.

Nik Roth

Trotz der schweizweit über 2000 Corona-Fälle: In den Ostschweizer Spitälern liegen bis jetzt erst wenige Patienten, die sich mit dem Virus infiziert haben. Im St.Galler Kantonsspital waren es am Montag zwei. Beide befanden sich nicht auf der Intensivstation. Mediensprecher Philipp Lutz wies bereits vergangene Woche darauf hin, dass selbst von jenen rund 20 Prozent der Corona-Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf haben, nur ein kleiner Teil Intensivpflege benötige.

Auf die aktuelle Lage im Spital angesprochen, sagt Lutz: «Wir bereiten uns intensiv auf eine ausserordentliche Situation vor, aber den laufenden Betrieb konnten wir bisher gut aufrechterhalten.» Über das Wochenende sei es auf dem Notfall vergleichsweise ruhig gewesen. «Wir wissen aber alle, dass höhere Belastungen kommen werden.»

Unter der Leitung einer Task Force schafft das Spital Kapazitäten für eine steigende Zahl an Patienten mit Covid-19. Die Intensivstation des Spitals hat 36 Plätze. «Wir gehen davon aus, dass davon für eine nächste Phase 18 Plätze für die Beatmung von schweren Corona-Fällen ausgeschieden werden können», sagt Lutz. «Für weitere Fälle – ohne Beatmung – stünden mittelfristig 100 Betten zur Verfügung.»

Mitarbeiter werden freigespielt und auf Einsätze vorbereitet

Sucht das Kantonsspital bereits externe Freiwillige für den Corona-Einsatz, wie das Universitätsspital Zürich? «Ähnliche Überlegungen gibt es auch bei uns, allerdings erst für einen späteren Schritt», sagt Lutz. «Wir wollen in erster Linie Personalkapazitäten mit internen Verschiebungen schaffen.» Das Spital vergibt derzeit keine Termine für Routineeingriffe und andere Behandlungen, die nicht dringend nötig sind. Dadurch wird Personal freigespielt, beispielsweise in der Anästhesie. Solche Mitarbeiter könnten bei der Versorgung der Corona-Patienten mithelfen, nach entsprechender Schulung. «Es braucht von allen eine grosse Flexibilität, damit wir in den nächsten Wochen rasch und agil handeln können», sagt Lutz.

Philipp Lutz, Leiter Kommunikation Kantonsspital St.Gallen

Philipp Lutz, Leiter Kommunikation Kantonsspital St.Gallen

PD

Auch über einen Ferienstopp hat die Task Force schon gesprochen, eine Anordnung gibt es dazu bislang aber nicht. An Ferien denke im Spital ohnehin kaum jemand, sagt Lutz. «Wir spüren eine grosse Solidarität bei den Mitarbeitenden.»

Apropos Solidarität: Was kann die Öffentlichkeit zur Unterstützung der Spitäler tun? «Wir sind sehr dankbar für die Aufrechterhaltung der Kinderbetreuung durch Schulen, Kitas und so weiter, damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Arbeit kommen können», sagt Lutz. Ausserdem bittet er darum, Geduld zu haben und die Spitäler nicht mit unnötigen Anfragen einzudecken.

Mit letzterem Problem kämpfen auch die Thurgauer Spitäler: «Belastend für uns sind die unzähligen telefonischen, teilweise ausschweifenden Anfragen», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. Zur aktuellen Lage im Spitalbetrieb sagt er: «Überall ist es eng geworden, aber wir haben uns organisiert und momentan können wir die Situation noch bewältigen. Das könnte sich aber in den nächsten Tagen ändern.»

Am Montag waren in den Thurgauer Spitälern ebenfalls zwei Corona-Patienten hospitalisiert, laut Kohler sind die Intensivstationen aber zusätzlich «stark gefüllt mit anderen Patienten», etwa wegen der Grippe.

Medizinstudenten und Personen für Kinderbetreuung gesucht

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG

Andrea Stalder

Die Thurgauer Kantonsspitäler schaffen derzeit Platz für 50 Corona-Patienten mit Intensivpflege sowie rund hundert weitere schwere Corona-Fälle – zulasten aller nicht dringenden Fälle, wie Kohler sagt. «Momentan sind es erst ganz vereinzelte Eingriffe, welche verschoben werden sofern sie kritische Ressourcen benötigen. Aber das wird wohl ausgeweitet werden.» Anders als das St. Galler Kantonsspital sind die Thurgauer Spitäler bereits auf der Suche nach externen Hilfskräften: «Wir versuchen vor allem Medizinstudenten zu gewinnen», so Kohler. «Dazu weitere Personen, die die Betreuung der Kinder unserer Mitarbeitenden sicherstellen helfen.»

Auch der Ausserrhoder Spitalverbund versucht, seine Belegschaft zu verstärken: Derzeit halte man Ausschau nach Personen, die eine medizinische Ausbildung hätten, aber nicht im Beruf tätig seien, sagt Georg Amstutz, Leiter Kommunikation des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Wie das St. Galler Kantonsspital setzt auch der Ausserrhoder Spitalverbund Routineeingriffe und Behandlungen, die nicht dringend sind, vorerst aus.  

Und die Privatspitäler? Die Hirslanden-Klinik Stephanshorn in St. Gallen will lieber nicht über das Corona-Virus und seine Auswirkungen auf den Betrieb reden. Für Auskünfte zum Erreger sei der Kanton zuständig, heisst es bei der Medienstelle.

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