Corona-Virus: Ostschweizer Wirtschaft macht sich kurzfristig keine Sorgen

Vom Virus betroffen sind Branchen und Unternehmen, die von internationalen Zulieferketten abhängig sind. Hier gibt es vereinzelt bereits Engpässe.

Christoph Zweili
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Die exportorientierte Ostschweiz ist vom Corona-Virus betroffen.

Die exportorientierte Ostschweiz ist vom Corona-Virus betroffen.

Benjamin Manser

Noch geht das Leben in den meisten Betrieben den gewohnten Gang. Die Ostschweizer Wirtschaft ist breit diversifiziert bezüglich Sektoren, Branchen und Absatzmärkten, «entsprechend unterschiedlich sind die Auswirkungen durch das Corona-Virus», sagt Markus Bänziger, Direktor der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell. Die Restriktionen in der Reisetätigkeit, die sich von Asien über fast alle Kontinente ausbreiten, und die punktuellen Lieferausfälle wirkten sich auf viele Unternehmen aus.

«Kurzfristig besteht aber kein Grund zu grosser Sorge.»
Markus Bänziger, Direktor IHK St.Gallen-Appenzell.

Markus Bänziger, Direktor IHK St.Gallen-Appenzell.

Erst wenn die Einschränkungen «weit ins zweite Quartal» andauerten, werde sich die allgemeine Wirtschaftsleistung spürbar einbremsen. Fairerweise, so Bänziger, sei festzuhalten, dass die Weltwirtschaft und damit auch die über die hohe Exportquote eng verknüpfte Ostschweiz einen überdurchschnittlich lang andauernden Aufschwung durchlebt. «Konjunktureinbrüche, woher die Ursachen auch stammen, sind unausweichlich, wenn auch bedauerlich», hält Bänziger fest.

Jérôme Müggler, Direktor IHK Thurgau.

Jérôme Müggler, Direktor IHK Thurgau.

Reto Martin

Ähnlich tönt es auch aus dem Exportkanton Thurgau. Hier rechnet IHK-Direktor Jérôme Müggler mit einem «Wachstumsabschwung». Vom Virus betroffen seien Branchen und Unternehmen, die von internationalen Zulieferketten abhängig seien. Bei diesen gebe es vereinzelt bereits Engpässe – «gerade bei Produkten aus dem asiatischen Raum». Bei diesem Punkt stösst Bänziger nach: «Je enger Unternehmen einkaufs- oder absatzseitig mit Asien verknüpft sind, desto stärker sind die Auswirkungen.» Einseitige Einkaufsstrategien in Asien würden hinterfragt.

Müggler sieht die Eventbranche, die wie die Messen Weinfelden Anlässe absagen müsse, aber auch die Tourismus- und Gastrobranche von der Corona-Krise betroffen. Und der Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbands, Marc Widler, ergänzt: «Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, sind auch Betriebe betroffen, deren Wertschöpfung im direkten Kundenkontakt liegt.» Viele Experten gingen davon aus, dass es in der Schweiz zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kommen werde. Für seinen St.Galler Kollegen Felix Keller, Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbandes, ist klar: «Je länger die Unsicherheit dauert, desto gravierender sind die wirtschaftlichen Folgen.»

Erleichterte Einführung von Kurzarbeit wird begrüsst

«Unser Land hat zahlreiche Instrumente, zum Beispiel die Kurzarbeit, um momentane Einbrüche aufzufangen», sagt Widler stellvertretend für alle vier Wirtschaftsvertreter. Bund und Kantone erwägten derzeit eine erleichterte Einführung sowie Verlängerung der Kurzarbeit-Massnahmen, «was wir sehr begrüssen und für richtig halten». In den Kantonen St.Gallen und Thurgau gibt es viele Anfragen, speziell aus der Gastronomie und der Hotellerie.

Nicht nur der Bund oder die Nationalbank könnten Wirtschaftsimpulse setzen, sondern auch die Kantone. Dazu gehörten Massnahmen wie beschleunigte Bewilligungsverfahren für Bauvorhaben, rasche Umsetzung von geplanten Investitionen im öffentlichen Raum oder Steuererleichterungen. «Ausserordentliche Situationen erfordern ausserordentliche Massnahmen», hält Widler fest.

Die bevorstehenden grossen Generalversammlungen der St.Galler Kantonalbank und von Stadler Rail sollen stattfinden, in welcher Form ist allerdings noch offen.

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