Corona-Virus in der Ostschweiz: Kein bestätigter Fall im Kanton St.Gallen ++  Hände waschen! ++ Vorsicht, aber keine Panik

Am Freitag informierte der Kanton St.Gallen Medienschaffende über die aktuelle Lage zum Corona-Virus. Die Bevölkerung stellte via Facebook Fragen.

Linda Müntener
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Die Medienkonferenz im St.Galler Pfalzkeller.

Die Medienkonferenz im St.Galler Pfalzkeller. 

Bild: Benjamin Manser

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in der Schweiz steigt. 
  • Der Bundesrat hat am Freitagmorgen entschieden, alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen, an denen sich gleichzeitig mehr als 1000 Personen aufhalten, zu verbieten. Dieses Verbot gilt ab sofort bis mindestens zum 15. März.  Für den Vollzug sind die Kantone zuständig. 
  • Bei Veranstaltungen, bei denen weniger als 1000 Personen teilnehmen, müssen die Veranstalter zusammen mit den zuständigen kantonalen Behörden eine Risikoabwägung vornehmen. 
  • Im Kanton St.Gallen gibt es Stand Freitagnachmittag keinen bestätigten Fall. 43 Verdachtsfälle wurden gemeldet, 18 Tests laufen noch. 

Das Corona-Virus ist in der Schweiz angekommen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch im Kanton St.Gallen den ersten bestätigten Fall gibt. Das sagt Chefarzt Pietro Vernazza am Freitagnachmittag an der Medienkonferenz des Kantons St.Gallen. Der Spezialist ist davon überzeugt, dass man die Ausbreitung des Virus global nicht mehr verhindern kann. Aber: Man könne sie verzögern. Das verschaffe Ärzten und Spitälern Zeit. Zeit, um Massnahmen zu treffen, Zeit um Therapie-Formen zu entwickeln, Zeit, um eine Immunität der Bevölkerung zu erreichen. 

Panik sei deswegen aber nicht angebracht, da sind sich alle Teilnehmer der Medienkonferenz einig. Regierungsrätin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann rät zum Respekt vor der Situation, aber nicht zur Panik. «Der Kanton St.Gallen ist vorbereitet.»

Das am Freitag verhängte Veranstaltungsverbot des Bundes wird an der Medienkonferenz begrüsst. Das sei eine weitere Massnahme, die Zeit verschaffe. Wer sich im Kanton St.Gallen unsicher ist, ob er eine Veranstaltung durchführen darf oder soll, der kann sich ans Kantonsarztamt wenden. Dieses legt die Kriterien fest.

Die wichtigste Massnahme aber ist die Hygiene. Immer wieder weisen die anwesenden Spezialisten darauf hin, dass es in der derzeitigen Situation unabdingbar ist, sich an die Hygieneregeln zu halten. Das heisst: Regelmässiges Händewaschen, in den Ellenbogen niesen, sich nicht ins Gesicht fassen, andere nicht anhusten, Abstand zu Erkrankten halten und bei Unwohlsein zu Hause bleiben. 

Der Live-Ticker zum Nachlesen

16:54 Uhr

Die Medienkonferenz ist beendet. Damit beenden wir auch unsere Liveberichterstattung aus dem Pfalzkeller. Alles weitere zum Corona-Virus und den Entwicklungen finden sie auf tagblatt.ch. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und denken Sie daran: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen!

16:50 Uhr

Kein bestätigter Fall im Kanton St.Gallen

Hanselmann erwähnt noch einmal, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keinen bestätigten Fall im Kanton St.Gallen gibt. Sollte die Bestätigung vorliegen, werde die Öffentlichkeit sofort informiert. Aktuell laufen noch 18 Tests, es gibt 43 Verdachtsfälle im Kanton St.Gallen. Informiert wird über die Webseite des Kantons.

16:49 Uhr

Eine Frage zum Arbeiten in Grossraumbüros: Wie soll man sich dort verhalten? Die Antwort erneut: Hände waschen! Und zu Arbeitskollegen wenn möglich mindestens einen Meter Abstand halten. 

16:48 Uhr

Wie werden die Beatmungsplätze sichergestellt? «Das ist immer ein Thema», sagt Schlegel. Es gebe keinen Grund zur Sorge, man habe alternative Möglichkeiten.

16:43 Uhr

Kantonsärztin Danuta Reinholz sagt, dass man auch die Verhältnismässigkeit der Massnahmen nicht vergessen dürfe. Der Alltag soll nicht stillstehen. 

16:41 Uhr

Respekt vor der Situation, aber keine Panik

Gibt es Empfehlungen für Schliessungen von Shoppingcentern oder öffentlichen Verkehrsmitteln? Hanselmann weist darauf hin, dass eine Ansteckungsgefahr dann vorhanden ist, wenn man sich länger als 15 Minuten in der Nähe eines Erkrankten befindet. «Am Bahnhof laufen wir aneineander vorbei. Da gibt es dieses Problem nicht.» Im Zug soll man darauf achten, einander nicht anzuhusten, in die Ellbogen zu niesen. «Respekt vor der Situation ist angesagt, aber keine Panik. »

16:40 Uhr

Thema Schule. Sollen Kinder trotzdem in die Schule gehen? «Ja», sagt Vernazza. «Die Krankheit wird uns alle erfassen. Wir werden alle angesteckt.» Man könne es nicht verhindern, nur verlangsamen. Vernazza plädiert an den gesunden Menschenverstand. 

16:37 Uhr

Eine Frage aus der Facebook-Community. Wie stark sind Kinder mit schlechtem Immunsystem gefährdet? Danuta Reinholz verweist nochmals auf die tiefe Mortalitätsrate bei Kindern. Vernazza versteht die Besorgnis. Er sagt: «Kinder scheinen eine grosse Ansteckungsgefahr zu sein, sie sind aber unterrepräsentiert in der Gruppe der Erkrankten. Es betrifft Kinder, aber sie stecken das weg. Ich hätte bei Kindern keine Bedenken.»

16:34 Uhr

Jetzt startet die Fragerunde im Pfalzkeller. «Sollten Studierende der HSG Vorlesungen meiden?», wird gefragt. Hanselmann: «Wir stehen in direktem Kontakt mit der HSG. Aktuell bestehe kein Grund dafür, Vorlesungen abzusagen.» Aber: Auch an der Uni müssen die Hygienemassnahmen gelten.

16:33 Uhr

Besteht für andere Patienten im Spital eine erhöhte Gefahr, wenn Corona-Patienten hospitalisiert werden? «Es ist unsere Aufgabe, das zu verhindern», sagt Schlegel. Corona-Patienten werden isoliert, das sei nichts Neues für das Kantonsspital. Sollte es viele Erkrankte geben, liege das Hauptproblem ausserhalb des Spitals. Dort würden sich die meisten Leute anstecken. 

16:31 Uhr

Auch Schlegel begrüsst die Massnahmen des Bundes. Das verzögere die Ausbreitung der Krankheit. 

16:29 Uhr

Im Kantonsspital habe man sich schon im vergangenen Jahr auf das Corona-Virus vorbereitet. Matthias Schlegel ist froh, dass es einen Strategiewechsel gibt. «Es wird eine Epidemie geben. Weil niemand immun ist, müssen wir davon ausgehen, dass es anteilsmässig viele Patienten mit schweren Erkrankungen gibt.»

16:25 Uhr

«Wir können die Ausbreitung nicht mehr verhindern»

Angenommen ein Hausarzt meldet sich beim Kanton. Was passiert dann? «Momentan ist das eine schwierige Frage», sagt Chefarzt Vernazza. Man befinde sich in einer Übergangsphase. Bisher wollte man jeden einzelnen Fall entdecken – auch um zu verhindern, dass es weitere Fälle gibt. Nun stelle man um. «Man muss anerkennen, dass man eine vollständige Ausbreitung global nicht mehr verhindern kann», sagt Vernazza. Die Krankheit werde während einer gewissen Zeit 50, 60 oder 70 Prozent der Bevölkerung erreichen, sagt der Arzt. «So wird die Bevölkerung immun.» Die Herausforderung sei, die Ausbreitung zu verlangsamen. Mit Hygienemassnahmen sei das möglich. 

16:24 Uhr

Wie schützen sich die Ärzte vor einer Infektion? «Wichtig ist, dass die Leute nicht einfach in die Praxis kommen.» Ein Hausbesuch sei sinnvoller. 

16:21 Uhr

Hausarzt Patrick Scheiwiler wird in seiner Praxis noch nicht überrannt. «Im Moment sind wir in der glücklichen Situation, dass wir im Kanton keinen bestätigten Fall haben.» Prinzipiell versuche man bei einem Anruf eines Patienten herauszufinden, ob die Person in einem Risikogebiet war. Wenn ja, nimmt der Arzt Kontakt mit dem Kanton auf und bespricht das weitere Vorgehen. Derzeit sei die Strategie, solche Leute zu hospitalisieren und isolieren. 

16:19 Uhr

«Masken bringen nichts»

Die Verbandspräsidentin der Apotheken Claudia Meier hat das Wort: Die Woche sei für die Apotheken herausfordernd. «Jeder zweite Kunde fragt nach Desinfektionsmitteln oder Schutzmasken.» Man versuche, die Leute umfassend zu informieren. Auch sie betont, dass regelmässiges Händewaschen der beste Schutz sei. «Masken bringen nichts.» 

16:18 Uhr

Thema Notvorräte. Faisst versichert, dass die Schweiz nicht in die Situation eines Notstands kommen werden. Hamsterkäufe seien nicht nötig. 

16:18 Uhr

Zu den Risikogebieten gehören übrigens Norditalien und China. 

16:17 Uhr

Darf man noch in Restaurants? Soll man noch in den Ausgang? Faisst findet das unproblematisch. «Wir haben keinen bestätigten Fall. Wir müssen nicht alle Zuhause bleiben.» Solange man sich nicht in einem Risikogebiet befindet, sei das Risiko praktisch nicht vorhanden. Und: Frische Luft tut dem Körper gut. 

16:15 Uhr

Soll man sich eine Maske kaufen? Faisst verneint: «Die Masken sind für jene, die erkrankt sind für solche, die Erkrankte betreuen. Im Übrigen helfen Masken nicht.»

16:14 Uhr

Frage an den Leiter der Spitalhygiene: Was passiert mit den Viren, wenn man in den Ellenbogen niest? «Die Viren fühlen sich auf solchen Oberflächen nicht wohl, die Übertragung ist eher ausgeschlossen. »Häufiges Kleiderwaschen schade aber sicher nicht. 

16:12 Uhr

Hände waschen ist das A und O

Karin Faisst leitet das Amt für Gesundheitsvorsorge. Was muss man konkret tun, um sich selber zu schützen? Die Antwort: «Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen. Und zwar gründlich.» Das BAG hat dazu auf eine Informationskampagne lanciert. «Beim Niesen ein Papierhandtuch nutzen und schnell in den Papierkorb werfen», rät Faisst. Wer sich schlecht fühlt, soll Zuhause bleiben. 

16:11 Uhr

Reinholz und ihr Team sind im engen Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit. Die kantonale Behörde versuche, die Richtlinien umzusetzen. Man stehe auch in Kontakt mit den Hausärzten, es gibt einen Infobrief über das kantonale Vorgehen. 

16:10 Uhr

Wie sieht die Situation aus bei Babys und Kleinkindern? Die Mortalitätsrate bei Menschen unter 50 sei extrem gering. Zum Schutz der Kinder sei die Hygiene das A und O. Händewaschen müsse man den Kindern nicht nur zeigen sondern ihnen auch vorleben. 

16:09 Uhr

Wie kann man seine Grosseltern beschützen?, fragt Zuberbühler. «Am besten bleiben solche Personen zu Hause und ziehen sich aus der grossen Öffentlichkeit zurück», sagt Reinholz. Dasselbe gelte auch für Menschen, die beispielsweise an Krebs erkrankt sind. 

16:07 Uhr

Eine Frage an Kantonsärztin Danuta Reinholz: Wie gefährlich ist das Virus wirklich? Die oberste Ärztin des Kantons St.Gallen weist darauf hin, dass man nur grobe Aussagen machen könne. Die Ansteckungsgefahr sei mittelschwer, etwas höher als bei der Grippe aber niedriger als bei den Masern. Die Mortalitätsrate steige ab 60 Jahren an und liege leicht über der saisonalen Grippe. Kinder seien praktisch gar nicht gefährdet. Zur Risikogruppe gehören ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. 

16:06 Uhr

Moderator Thomas Zuberbühler will wissen, welche Priorität die Bekämpfung des Virus für die Regierung hat. «Wir haben uns im Kanton St.Gallen schon vor Wochen darauf vorbereitet», sagt Hanselmann. Wichtig sei, dass man die Ansteckungsgefahr minimiert und das Risiko senkt. 

16:04 Uhr

Hanselmann bedauert, dass Anlässe abgesagt werden müssen. «Das hat nicht nur mit Emotionen zu tun, sondern auch mit Wirtschaftlichkeit zu tun.» Wer nicht sicher ist, ob er eine Veranstaltung durchführen kann, soll das Kantonsarztamt kontaktieren. Es werden keine Bewilligungen verteilt, sondern Kriterien durchgegeben. 

16:03 Uhr

Eine Veranstaltung, die unter 1000 Besuchern zählt, dürfe nur dann durchgeführt werden, wenn keine Personen aus Risikoregionen daran teilnehmen. Werden Personen aus Risikoregionen ausgeladen, dürfen die Veranstaltungen stattfinden.

16:01 Uhr

Heidi Hanselmann war heute Morgen in Bern für die Koordination. Sie spricht über das Veranstaltungsverbot des Bundes. Die 1000er-Grenze sei eine Zahl, bei der man die Ansteckungsgrenze zurückverfolgen könnte. «Das ist der Grundsatz, wieso man auf diese Zahl kam.» Der Kanton St.Gallen sei dran, eine Regelung zu erarbeiten. Diese werde noch heute Nachmittag publiziert und auf der Webseite veröffentlicht. «Das ist Stand heute. Wie das in zwei, drei Tagen aussieht, müssen wir mit den aktuellen Beobachtungen abgleichen.»

15:59 Uhr

Die Medienkonferenz ist eröffnet. Vor Ort reden Hausarzt Patrick Scheiwiler, Karin Faisst, Leiterin des Amtes für Gesundheitsvorsorge, Kantonsärztin Danuta Reinholz, Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann, Claudia Meier, Präsidentin des Apothekenverbands, Chefarzt Pietro Vernazza und Matthias Schlegel, Leiter der Spitalhygiene beim Kantonsspital St.Gallen.  

15:56 Uhr

Gleich geht's los. Es sind mehrere Medienschaffende anwesend. 

15:55 Uhr

An der Medienkonferenz vor Ort dürfen nur Pressevertreter teilnehmen. Die Bevölkerung kann trotzdem dabei sein – und Fragen stellen. Auf der Facebook-Seite des Kantons wird die Medienkonferenz live gestreamt. Sie können in der Kommentarspalte Fragen stellen. 

15:50 Uhr

Guten Tag und herzlich willkommen zum Liveticker über die Pressekonferenz des Kantons St.Gallen. Die Verantwortlichen der Regierung, der Ärzteschaft und der Spitäler informieren heute über die aktuelle Lage bezüglich Corona-Virus. Für Sie aus dem Pfalzkeller berichtet Linda Müntener. 

Wie Sie mitmachen können

Das Corona-Virus hat die Schweiz erreicht. Der Kanton St.Gallen lädt Medienschaffende am Freitag um 16 Uhr zu einer Fragestunde ein. 

Wie prüft ein Hausarzt, ob sich jemand angesteckt hat? Wie bereiten sich Spitäler auf mögliche Patienten vor? Wie unterstützt das Kantonsarztamt die Ärzteschaft und die Spitäler? Und wie koordiniert die Regierung die Vorkehrungen mit dem Bundesrat? Auf Fragen wie diese wollen der Kanton, die Ärzteschaft und die Spitäler an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung antworten.

Damit die Bevölkerung ihre Fragen live eingeben kann, wird die Informationsveranstaltung über den Facebook-Kanal des Kantons St.Gallen gestreamt. Die Adresse lautet: www.facebook.com/kantonsg. Einen Facebook-Account braucht es fürs blosse Zuschauen nicht, wer allerdings Fragen stellen möchte, muss sich beim Sozialen Netzwerk anmelden. Die Fragen kann man beim Livestream in die Kommentarspalte tippen, so werden sie für alle sichtbar. 

Vor Ort informieren Regierungsrätin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, Kantonsärztin Danuta Reinholz, Karin Faisst, Leiterin Amt für Gesundheitsvorsorge, Dr. med. Patrick Scheiwiler, Hausarzt «praxisarnegg» sowie Vertreter des Kantonsspitals St.Gallen. Die Teilnahme vor Ort steht laut Mitteilung nur Medienschaffenden offen. 

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