Corona und die St.Galler Hochschulen: Weshalb Studierende zu Hause lernen sollen

Um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, übertragen die Hochschulen die Vorlesungen nun digital.

Janina Gehrig
Hören
Drucken
Teilen
Bis Ende Mai bietet die HSG über 1000 Vorlesungen und Seminare sowohl auf dem Campus als auch online an.

Bis Ende Mai bietet die HSG über 1000 Vorlesungen und Seminare sowohl auf dem Campus als auch online an.

Bild: Urs Bucher

Keine Übungen, keine Seminare, keine Vorlesungen. Sowohl das Institut für Mathematik sowie das Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich wurden vorübergehend geschlossen, nachdem sich gleich mehrere Angehörige der Uni mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Soweit möchte man es in St.Gallen nicht kommen lassen. Das kantonale Gesundheits- und das Bildungsdepartement haben am Donnerstag ihre Empfehlungen für das «Distance Learning» kommuniziert.

So sollen Studierende der Uni St.Gallen, der Pädagogischen Hochschule und der Fachhochschule in St.Gallen sowie der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs und der Hochschule für Technik Rapperswil, wo möglich, über digitale Kanäle an Vorlesungen teilnehmen statt in grossen Sälen zusammenkommen. Stefan Kölliker, Vorsteher des St.Galler Bildungsdepartementes:

«Wir haben unsere Hochschulen bereits vor zwei Wochen beauftragt, Vorbereitungen zu treffen, dass das Online Learning umgesetzt werden kann.»
Stefan Kölliker, St.Galler Regierungsrat.

Stefan Kölliker, St.Galler Regierungsrat.

Bild: Regina Kühne

Mittlerweile seien fast alle Hochschulen bereit dafür. «Ab nächster Woche liegt es in ihrer Verantwortung, wie und bei welchen Veranstaltungen sie die Massnahmen umsetzen möchten», sagt Kölliker. Nicht alle Fächer bieten sich für den Unterricht von zu Hause aus an. In Gesundheitsberufen ist dies etwa nicht möglich.

Ziel sei es, besonders gefährdete Personen zu schützen und die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. «Damit werden auch Dozierende geschützt, die zur Risikogruppe gehören kön­nten», sagt Kölliker. Zudem wolle man verhindern, dass Studierende dem Unterricht ohne Grund fernbleiben würden. In Zürich hatten einige Studierende gefordert, die Uni ganz zu schliessen.

An der Universität St.Gallen (HSG) können wegen Corona über digitale Kanäle an den Vorlesungen teilnehmen.

An der Universität St.Gallen (HSG) können wegen Corona über digitale Kanäle an den Vorlesungen teilnehmen. 

Bild: Benjamin Manser

Volks- und Mittelschulen halten am Unterricht fest

Nicht von den Umstellungen betroffen sind die Volks-, Mittel- und Berufsfachschulen. Kinder und Jugendliche gehörten zwar – wie auch Studenten – nicht zu den besonders gefährdeten Personen. Würde der Unterricht der Volksschule jedoch ausgesetzt oder nach Hause verlagert, würden wohl viele Kinder von ihren Grosseltern betreut. Da die über 65-Jährigen zu einer Risikogruppe gehören, wäre eine solche Massnahme gemäss Regierung weder wirksam noch verhältnismässig. Dennoch, sagt Kölliker, sei man daran, auch die Mittel- und Berufsfachschulen auf «nächste mögliche Schritte vorzubereiten».

Die Uni St.Gallen hat bereits alle Räume für Webkonferenzen ausgerüstet, wie sie mitteilt. Ab Montag werden rund 1050 Kurse und Vorlesungen online übertragen. Auch Dozierende, die am Präsenzunterricht gehindert sind oder gesundheitliche Bedenken haben, dürfen vom Büro oder von zu Hause aus unterrichten. Zudem reduziert die Uni die Sitzplätze in der Bibliothek, der Mensa und in Cafeterien.

Der Unisport werde zwar weitergeführt, heisst es. Sportarten mit Körperkontakt wie Kampfsport oder Tanz würden jedoch abgesagt oder nach Draussen verlegt.

Kurzarbeit empfohlen – rund 30 St.Galler Firmen setzen aktuell darauf

Das Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmenden sowie die Einschränkungen bei Veranstaltungen mit unter 1000 Teilnehmenden habe Auswirkungen auf die Wirtschaft, teilte die St.Galler Kantonsregierung am Donnerstag mit. Um die Auswirkungen des Corona-Virus für Arbeitnehmende und Unternehmer zu mildern, empfiehlt das Volkswirtschaftsdepartement Kurzarbeit. Dies sei ein «praxiserprobtes Instrument, um vorübergehende Beschäftigungseinbrüche auszugleichen und Arbeitsplätze zu erhalten». Derzeit setzen im Kanton rund 30 Unternehmen auf diese Massnahme. (jan)