Kommentar

Kanton St.Gallen will Schulen im Juni wieder öffnen: Ein Signal gegen das Vogel-Strauss-Denken 

Die St.Galler Schulen sollen ab Juni wieder bereit sein für den normalen Präsenzunterricht. Dieser Fahrplan der Regierung steht zwar auf wackligen Beinen, ist aber besser als permanente Improvisation. 

Adrian Vögele
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Adrian Vögele, Redaktor Ostschweiz

Adrian Vögele, Redaktor Ostschweiz

Ralph Ribi

Die Botschaft ist auf den ersten Blick erstaunlich. Das öffentliche Leben in der Schweiz steht still, die Zahl der Coronafälle steigt und steigt – und der Kanton St. Gallen denkt bereits daran, den Präsenzunterricht an den Schulen wieder aufzunehmen. Genauer: St. Gallen setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass die Einschränkungen an den Schulen bald wieder gelockert werden. Denn natürlich ist es der Bundesrat, der die Schulen geschlossen hat, und er wird auch darüber entscheiden, wann sie wieder öffnen. Die Freiheit der Kantone in dieser Sache ist beschränkt.

Die Ankündigung von Bildungschef Stefan Kölliker ist vor allem ein Signal nach aussen, das lautet: «Wir stecken den Kopf nicht in den Sand.» Denn auf mehrere Monate hinaus zu planen, während sich die Lage von Woche zu Woche drastisch ändert, ist äusserst schwierig. Die Regierung muss so oder so damit rechnen, dass heutige Absichten morgen wieder über den Haufen geworfen werden. Dass der Präsenzunterricht ab Juni wieder flächendeckend läuft, ist derzeit noch eine reine Hypothese. Aber, und das ist die Kernaussage Köllikers: Die Schulen sollen sich nicht völlig am – trotz aller Anstrengungen suboptimalen – Fernunterricht festkrallen, sondern vorausschauen und bereit sein für die Zeit nach dem Lockdown. Der Kanton gibt den Schulen damit einen Fahrplan vor, der zwar immer noch unsicher ist, aber besser als die permanente Improvisation.

Klar ist: Die Gesundheit der Bevölkerung muss Priorität haben. Die Behörden dürfen keine faulen Kompromisse eingehen, solange die Pandemie anhält. Ebenso klar ist aber, dass beim Fernunterricht die Unterstützung, welche die Schülerinnen und Schüler daheim erhalten, sehr unterschiedlich ausfällt. Es ist richtig, dass der Kanton jetzt schon Lösungen sucht für jene, die den Anschluss zu verpassen drohen.

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