Kommentar
Corona-Rettungspaket von Stadt und Kanton St.Gallen: Die Olma ist ein schützenswertes Kulturgut

Die Olma ist ein wichtiger Treiber für die regionale Wirtschaft und ein Aushängeschild von nationaler Strahlkraft. Aber vor allem ist die Messe für viele Ostschweizerinnen und Ostschweizer eine Herzensangelegenheit. Es ist deshalb richtig, dass sich die öffentliche Hand finanziell engagiert.

Michael Genova
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Michael Genova

Michael Genova

Bild: Ralph Ribi

Ohne zusätzliches Geld könnte es die Olma Messen als Unternehmen schon im Herbst nicht mehr geben. Ein unvorstellbares, ja unerträgliches Szenario? Das finden zumindest Kanton und Stadt St. Gallen, die am Mittwoch Millionendarlehen zur Rettung der traditionsreichen Messe angekündigt haben.

Kanton und Stadt fühlen sich als Genossenschafter der Olma nicht nur moralisch verpflichtet. Die Messe sei für das regionale Gewerbe und den Standort St. Gallen von grosser Bedeutung, betonen sie. Den Ausschlag für das finanzielle Engagement dürfte aber ein emotionaler Faktor gegeben haben: Die Olma ist weit mehr als ein gewöhnliches Wirtschaftsunternehmen. Sie ist ein Kulturgut, ein jährlicher Fixpunkt im gesellschaftlichen Leben, eine Veranstaltung mit nationaler Strahlkraft. Es ist deshalb richtig, dass sich die öffentliche Hand finanziell engagiert, um die Olma über die Coronakrise hinwegzuretten.

Viele Ostschweizer würden auch private Unternehmen wie das Open Air St. Gallen und den FC St. Gallen zum regionalen Kulturgut zählen. Die Regierung ist sich dessen offenbar bewusst. Deshalb hat sie in einem Bericht an den Kantonsrat beschrieben, wie andere Grossveranstaltungen mit nationaler Ausstrahlung unterstützt werden könnten. Dass die Regierung dies tut, ist ein notwendiger Schritt, um eine einseitige Bevorzugung der Olma zu vermeiden.

Dass die Olma mit Steuergeldern unterstützt wird, dürfte im Parlament noch zu reden geben. Dies zeigt eine erste Stellungnahme der FDP, die darauf pocht, dass die Darlehen auch wirklich an den Staat zurückfliessen. Gleichzeitig soll auch das Genossenschaftskapital um fünf Millionen Franken erhöht werden. Eine Investition, die vorerst wohl keine hohe Rendite abwerfen wird. Auch dies verdeutlicht: Die Rettung des Kulturguts Olma folgt nicht nur einer ökonomischen Logik, sie ist eine Herzensangelegenheit.