Corona-Massnahmen
«Viele stehen vor dem endgültigen Aus»: St.Galler Gastrobranche wehrt sich

Gastro St.Gallen, der Kantonalverband für Hotellerie und Restauration, hat am Freitag an einer Kundgebung mit Pfannen, Töpfen, Löffeln und Transparenten auf der Strasse um finanzielle Unterstützung gebeten. Rund 400 Menschen sind friedlich durch St.Gallen marschiert.

Alain Rutishauser
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Viele der rund 400 Marschierenden hielten Transparente in die Luft, die Unterstützung für die gebeutelte Gastronomiebranche fordern.

Viele der rund 400 Marschierenden hielten Transparente in die Luft, die Unterstützung für die gebeutelte Gastronomiebranche fordern.

Bild: Alain Rutishauser

«Die ständig neuen Rahmenbedingungen des Bundesrates und der Kantone verunmöglichen, dass wir in irgendeiner Weise noch planen oder wirtschaftlich arbeiten, geschweige denn überleben können.» So fängt die Kundgebung an die Mitglieder von Gastro St.Gallen an, die Initiant Florian Reiser von der «Focacceria» am Donnerstag auf Facebook veröffentlichte.

Reiser vergleicht die derzeitige Situation mit der Zeit vor Corona. Die «Focacceria» in St.Gallen gibt es bereits seit 2005: «Vor Corona funktionierte es 15 Jahre lang problemlos», sagt Reiser. Nun seien aber Lebensgrundlagen der Gastronomie und Hotellerie und die damit verbundenen Existenzen akut bedroht. «Hinter jedem Arbeitgeber stehen zahlreiche Lieferanten und Mitarbeitende. Hinter genau diesen stehen unzählige Familien! Der Rattenschwanz ist lang», so die Botschaft an der Kundgebung.

Florian Reiser, Inhaber der «Foccaceria» in St.Gallen.

Florian Reiser, Inhaber der «Foccaceria» in St.Gallen.

Bild: Philipp Baer

«Wir sind nicht gegen die Coronamassnahmen, denn Corona ist unübersehbar da!»

Dass die St.Galler Regierung stets neue Entscheidungen trifft, sei verständlich und an sich kein Problem. In der Mitteilung heisst es:

«Wir fordern aber, dass die Entscheidungsträger endlich Verantwortung übernehmen und uns ein sofortiges finanzielles Unterstützungspaket zusprechen.»

Viele stünden durch Corona vor dem endgültigen Aus. Wichtig sei, dass man nicht gegen die Coronamassnahmen sei. Doch man müsse sich nun endlich wehren und auf sich aufmerksam machen: Reiser hat dafür einen Stadtmarsch veranstaltet. «Wir wollten keine Anti-Corona-Demo veranstalten. Alle, die nur Krawall machen wollen, sollen bitte fernbleiben», sagt Reiser. Man wolle friedlich, mit Pfannen und Töpfen ausgerüstet, durch die Stadt marschieren und auf die missliche Lage für die Gastrobetriebe aufmerksam machen.

Auch der St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner nahm am Marsch teil und hielt auf dem Klosterplatz eine kurze Rede.

Auch der St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner nahm am Marsch teil und hielt auf dem Klosterplatz eine kurze Rede.

Bild: Alain Rutishauser

Friedlicher Marsch mit prominenten Gästen

Um 15 Uhr lief man dann vom Kornhausplatz los. Knapp 400 Leute, vorwiegend aus dem Gastronomiegewerbe, aber auch viele Passanten, versammelten sich pünktlich. Rund die Hälfte hatte eine Pfanne, einen Topf oder ein Sieb und das passende Schlaginstrument, Löffel, Sieb oder Kelle, mit dabei, um ordentlich Lärm zu machen. «Es ist schön, dass so viele Leute gekommen sind. Das zeigt auch, wie gross die Not und der Redebedarf sind», sagt Reiser. Vom Kornhausplatz lief die Menge weiter zum Bärenplatz bis ins Klosterviertel.

Unter die Marschierenden mischten sich auch prominente Gäste wie beispielsweise Köbi Nett und Ständerat Paul Rechsteiner. Auch sie wandten sich in teils emotionalen Reden ans Publikum, quittiert von tosendem Applaus. Nach den Schlussreden löste sich die friedliche Menge kurz vor 16 Uhr langsam auf. Reiser: «Nun hoffen wir, dass etwas passiert. Im Notfall gehen wir nochmals auf die Strasse. Und wenn nötig ein drittes Mal.» Der Ball liege nun bei der St.Galler Regierung.

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