Gast des Grand Resort Bad Ragaz am Corona-Virus erkrankt +++ Italienischer Ex-Premier Silvio Berlusconi soll kurz zuvor im Hotel gesichtet worden sein

Eine Frau ist nach ihrem Besuch im Fünf-Sterne-Hotel im Sarganserland am Corona-Virus erkrankt. Vorher hatte sie in Mailand geweilt.

Janina Gehrig und Odilia Hiller
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Die Frau hatte sich wohl in Mailand angesteckt, bevor sie im Fünf-Sterne-Hotel im Rheintal logierte.

Die Frau hatte sich wohl in Mailand angesteckt, bevor sie im Fünf-Sterne-Hotel im Rheintal logierte.

Ralph Ribi

Es sei ein Schock gewesen, sagt Patrick Vogler, CEO des Grand Resort Bad Ragaz. Am Freitag hat der Leiter des Fünf-Sterne-Hotels im Sarganserland von den Kantonsbehörden erfahren, dass ein Gast, der auf der Durchreise war, nachträglich zu Hause in Zürich positiv auf Corona getestet worden ist. «Die Frau ist am 22. Februar angereist und am 24. wieder abgereist», sagt Vogler. Vor ihrem Aufenthalt in Bad Ragaz hatte sie in Mailand geweilt. Zu diesem Zeitpunkt zählte Norditalien noch nicht zu den vom Bundesamt für Gesundheit erklärten Risikogebieten.

Berlusconi wurde kurz zuvor von Gästen gesehen

Brisant ist, dass kurz zuvor noch ein Gast aus Italien im Grand Resort logiert haben soll. Nämlich kein Geringerer als der ehemalige Ministerpräsident, Silvio Berlusconi. Gäste, die sich beim «St.Galler Tagblatt» gemeldet haben, wollen ihn um den 2O. Februar im Hotel gesehen haben. Zudem spekulieren italienische Medien, dass sich der 83-Jährige um diese Zeit in einer Schweizer Klinik einer Reihe von Kontrollen unterzogen haben soll. Das Grand Resort gibt sich bedeckt. Man gebe keine Auskunft über die Gäste im Haus, heisst es. 

Stattdessen gibt es Informationen zum Corona-Fall. Dafür sei man zum Glück vorbereitet gewesen, sagt Vogler. Das Hotel hatte bereits Mitte Februar eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die vom ärztlichen Direktor des medizinischen Zentrums, Stefan Küpfer, geleitet wird. Sofort habe man in Absprache mit den Kantonsbehörden diejenigen Personen eruiert, die in engem Kontakt mit der Patientin gestanden sind. «Wir haben zwei Mitarbeiter identifizieren können, die mit der Frau länger als 15 Minuten auf engem Raum zusammen gewesen sind», sagt Vogler.

Zwei Hotelmitarbeiter unter Quarantäne gestellt

Die Mitarbeiter wurden vorsorglich für zwei Wochen zu Hause unter Quarantäne gestellt. Drei weitere Mitarbeiter wurden beurlaubt. «Es handelt sich dabei um eine reine Vorsichtsmassnahme. Es geht ihnen gut und sie zeigen keine Symptome», sagt Kantonsärztin Danuta Reinholz, die von ihren Kollegen aus Zürich über den Fall informiert worden war. Die betroffenen Hotelmitarbeiter hätten Anweisungen erhalten, damit andere Personen aus demselben Haushalt geschützt würden. «Sie sollen zu Hause bleiben, die Mahlzeiten in einem separaten Raum einnehmen und wenn möglich ein separates Bad benutzen. Ansonsten gilt es, die Oberflächen immer wieder zu desinfizieren.» Die im Hotel bereits umgesetzten Massnahmen seien ausreichend, dieses zu schliessen wäre «völlig unverhältnismässig» sagt Reinholz.

So werden Gäste aus Risikogebieten, etwa Reisegruppen aus China, seit zwei Wochen im Hotel mit Bade- und Heiltradition nicht mehr aufgenommen. «Wir haben auf unsere Hygienemassnahmen verwiesen und verzichten aufs Händeschütteln.» Die anwesenden Gäste seien über den Krankheitsfall informiert worden. «Mit Leuten, die sehr beunruhigt sind, hat unser medizinisches Personal Gespräche geführt», sagt Vogler. Es sei aber nur zu wenig Abreisen gekommen. Auch andere Hotels in der Region haben die Hygienemassnahmen verschärft. Beim Innerrhoder Hotel Hof Weissbad sei das Virus zwar «kein Thema». Die Gäste kämen vorwiegend aus der Schweiz. Dennoch habe man vor dem Hotel Desinfektionsmittel platziert und sehe vom Händeschütteln ab, heisst es.

In Graubünden ist die Zahl der Fälle auf sechs gestiegen

In den Kantonen Thurgau und St. Gallen gibt es weiterhin keinen bestätigten Fall eines Corona-Virus-Patienten. Im Thurgau wurden bis gestern 48 Verdachtsfälle gezählt, in St. Gallen 77, es kommen laufend neue hinzu. In Graubünden sind nebst den zwei Kindern vier weitere Personen positiv getestet worden.