Corona-Härtefälle
«Eine normale Bäckerei hat nichts zu jammern»: Präsident des St.Galler Bäcker-Confiseur-Meisterverbandes über die Härtefälle in seiner Branche

Roland Räber, Bäckereimeister aus Jona und Präsident des St.Galler Bäcker-Confiseur-Meisterverbandes, klärt ein Missverständnis zur Forderung seiner Branche nach Härtefallgeldern. Diese betreffe jene Bäckereien, die auch Cafés und Restaurants führen.

Marcel Elsener
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Verbandspräsident Roland Räber in seiner Bäckerei in Jona.

Verbandspräsident Roland Räber in seiner Bäckerei in Jona.

PD

«Nicht auch noch die Bäcker...»: So äusserte sich sinngemäss der St.Galler Volkswirtschaftschef Beat Tinner und er betonte, dass nicht jede Branche als Härtefall gelten könne. Verstehen Sie seine Haltung?

Ja, Regierungsrat Tinner hat sicher recht: Eine klassische Bäckerei-Confiserie braucht keine Härtefallgelder, das haben wir auch nie verlangt. Oder anders und klar gesagt: Eine normale Bäckerei hat nichts zu jammern. Unsere Branche ist bis jetzt mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen und hat fast keine Umsatzverluste zu beklagen. Abgesehen von zwei Sonntagen blieben wir ja geöffnet.

Wie kommt es denn zur angeblichen Forderung der Bäckerbranche nach Hilfsgeldern?

Es geht um jene, die Teil der «Lex Gastro» sein sollten. Viele Berufskollegen führen zum Teil grosse Cafés, welche einen grossen Teil des Umsatzes einbringen. Für diesen, wohlgemerkt einzigen Punkt setzt sich der Bäcker-Confiseureverband für Hilfe ein und hat dies via Gewerbeverband beim Kanton deponiert.

Können Sie die Situation dieser «Gastrobäcker» begründen?

Beispiele gibt’s viele, vor allem grössere, man denke an «Gschwend» am Hauptsitz in der St.Galler Innenstadt oder «Kuhn» in der Arena. Ich kann es am eigenen Beispiel ausführen: Auch ich bin Gastronom, in jeder meiner drei Filialen führe ich Restaurants mit bis zu 100 Sitzplätzen. Dieser Gastroanteil beschäftigt zehn Mitarbeiter und bedeutet rund 50 Prozent meines Umsatzes. Es ist mir nicht möglich, mit meinem Bäckereiumsatz alle Fixkosten des Gastroteils zu tragen. Zum Beispiel bezahle ich nach wie vor die ganze Miete für die gesamte Fläche, obwohl drei Viertel davon geschlossen sein müssen. Was ist der Unterschied zu einem «normalen» Restaurant?

Was erwarten Sie als Bäckermeister nun konkret vom Bund oder vom Kanton?

Wie gesagt einen Anteil der Gastronomie-Entschädigungen, die unsere Fixkosten lindern. Der Schweizerische Verband setzt sich in Bern für das gleiche Ziel ein. Ich habe als St.Galler Verbandspräsident am Donnerstag einen Termin bei Volkswirtschaftsdirektor Tinner erhalten. Dabei möchte ich betonen, dass unser Verband für die Zusammenarbeit und den Austausch mit dem Amt für Wirtschaft sehr dankbar ist. Unsere Anfragen wurden stets rasch und gut begründet beantwortet. Und jetzt bin ich hoffnungsvoll, dass unser Anliegen für den Gastroteil verstanden und berücksichtigt wird.