Coronadefizit
Finanzprobleme der Schifffahrt auf Untersee und Rhein: Jetzt stellt der Bund doch noch Hilfe in Aussicht

Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) ging bei den Coronahilfen des Bundes bislang leer aus. Nachdem die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher in Bern interveniert hat, zeichnet sich nun eine Lösung ab.

Adrian Vögele
Merken
Drucken
Teilen
Ein Schiff der URh beim Hafen in Berlingen.

Ein Schiff der URh beim Hafen in Berlingen.

Bild: Andrea Stalder

Es ist das schlechteste Ergebnis in ihrer über 150-jährigen Geschichte: Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) musste im Coronajahr 2020 einen Einbruch der Passagierzahlen um 47 Prozent hinnehmen, der Umsatz sank um 1,7 Millionen Franken, es resultierte ein Defizit von 420'000 Franken. Kurzfristig könne die URh dies verkraften, sagten die Verantwortlichen im April vor den Medien – für das Abfedern weiterer Risiken fehle nun aber das Geld. Zum Beispiel für finanzielle Durststrecken, wenn die Wasserstände zu tief sind für die Schifffahrt und Strecken gesperrt werden müssen. Die letzte Sperrung ist erst wenige Wochen her, am 6. Mai konnte sie wieder aufgehoben werden.

Graf-Litscher intervenierte in der Verkehrskommission

Edith Graf-Litscher, Thurgauer SP-Nationalrätin.

Edith Graf-Litscher, Thurgauer SP-Nationalrätin.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Zugleich war die URh bei den verschiedenen Coronahilfen des Bundes für Verkehrsbetriebe durch die Maschen gefallen. Als Härtefall galt sie nicht, weil die öffentliche Hand zu mehr als 10 Prozent an ihr beteiligt ist: Der Anteil des Kantons Thurgau beträgt 15,3 Prozent, jener des Kantons Schaffhausen 17,6 Prozent. Auch bei der Bundeshilfe für touristische Verkehrsbetriebe kam die URh zunächst nicht zum Zug. Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP/TG) intervenierte in der Verkehrskommission des Nationalrats und verlangte eine Lösung für die URh und ähnliche Unternehmen.

Bundesamt für Verkehr sagt Hilfe zu, wenn die Kantone mitziehen

Stefan Thalmann, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr, Kanton Thurgau.

Stefan Thalmann, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr, Kanton Thurgau.

Bild: Donato Caspari

Jetzt aber zeichnet sich eine Lösung ab, wie der Kanton Thurgau auf Anfrage bestätigt: «Das Bundesamt für Verkehr hat eine finanzielle Unterstützung an die URh zugesagt, wenn sich die Kantone Schaffhausen und Thurgau daran beteiligen», sagt Stefan Thalmann, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr. «Die Beschlüsse für diesen Beitrag stehen noch aus.» Zur Höhe der finanziellen Unterstützung könne er daher noch keine Angabe machen, so Thalmann.

Nationalrat befasst sich am Donnerstag mit dem Thema

Vorgesehen ist, dass die URh nun doch als touristischer Verkehrsbetrieb unterstützt wird. Die entsprechenden Mittel des Bundes seien im vergangenen Jahr nicht ausgeschöpft worden, sagt Graf-Litscher. Es sei sinnvoll, dass sich Bund und Kantone die Kosten aufteilen würden. «Ich freue mich, dass diese Lösung zu Stande kommt.» Mit der Zusage des Bundesamts habe nicht nur die URh Aussicht auf Hilfe, sondern auch weitere, ähnliche Verkehrsbetriebe in der Schweiz.

Am Donnerstag befasst sich der Nationalrat mit dem gesetzlichen Rahmen für die Corona-Unterstützung der Verkehrsbetriebe. Im Kern geht es darum, die Regelungen, die im vergangenen Jahr beschlossen wurden, auf das Jahr 2021 auszudehnen. Ausserdem müsse auch eine Finanzhilfe für den SBB-Fernverkehr geprüft werden, verlangt die Verkehrskommission.