Atemschutz aus dem Kreuzlinger Flüchtlingscafé Agathu

Migranten und Einheimische nähen im derzeit geschlossenen Cafétreff sogenannte Community-Masken.

Inka Grabowsky
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Die Therapeutin Franziska Kjellström mit zwei der Näherinnen im umfunktionierten Agathu Café.

Die Therapeutin Franziska Kjellström mit zwei der Näherinnen im umfunktionierten Agathu Café.

Bild: Inka Grabowsky

Die Nähmaschinen rattern dort, wo sonst Menschen aus aller Herren Ländern Tee trinken, Karten spielen oder Deutschlernen. Nachdem die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (Agathu) ihre Begegnungsstätte und auch das Nähcafé coronabedingt schliessen musste, kamen die Therapeutin Franziska Kjellström und die Psychiaterin Franziska Jenny auf die Idee, den Raum und die Maschinen für ein neues Projekt zu nutzen. Sie wollen Migranten in der Krise das Gefühl geben, etwas Sinnvolles zu tun. «Menschen brauchen Selbstwirksamkeit und Selbstbefähigung», erklärt Kjellström.

Franziska KjellströmTherapeutin

Franziska Kjellström
Therapeutin

(Bild: Inka Grabowsky)
«Gleichzeitig wollen wir der Gesellschaft etwas zurückgeben – und gerade jetzt braucht sie Masken.»

Eine Stunde Arbeit für ein einfaches Modell

Vor zwei Wochen luden sie Nähanleitungen aus dem Internet herunter, vereinfachten sie und legten mit Geflüchteten los, später kamen Teilnehmerinnen des Nähcafés dazu. Drei Mal die Woche, montag-, mittwoch- und freitagnachmittags, treffen sich vier bis sechs Freiwillige. Neueinsteiger nähen eine einfache Faltmaske, Fortgeschrittene eine komplexere Form. Eine Stunde sitzt man anfänglich an dem einfachen Modell. «Auch Profis brauchen eine Weile, bis sie alle Tricks und Kniffe beherrschen», lacht die Therapeutin.

Verarbeitet wird alte Bettwäsche aus dichtem Baumwollstoff, die für das Projekt gespendet wurde. Nur Draht für die Nasenanpassung, kochfestes Nähgarn und Band für die Schleifen musste das Team kaufen. «Weisses Schrägband gibt es inzwischen nicht mehr, deshalb machen wir mit farbigen Schleifen weiter. Gummiband geht auch, ist aber teurer.» Die Nähenden sind hochmotiviert, auch wenn sie für ihre Arbeit derzeit nichts anderes bekommen als eine eigene Maske. «Es macht Spass», sagen Projektleiterin und Teilnehmerinnen. Bis jetzt hat die bunte Truppe rund 50 Stück geschafft. Obwohl es nun bei den Grossverteilern Einmal-Hygienemasken zu kaufen gibt, bleibt der Kreuzlinger Behelfs-Mund-Nasen-Schutz sinnvoll.

«Man kocht die Maske spätestens nach acht Stunden Benutzung aus, bügelt sie, legt die neue auswechselbare Einlage ein und kann sie wieder aufsetzen.»
Die Therapeutin Franziska Kjellström mit zwei der Näherinnen im umfunktionierten Agathu Café.

Die Therapeutin Franziska Kjellström mit zwei der Näherinnen im umfunktionierten Agathu Café.

(Bild: Inka Grabowsky)

Kjellström betont, dass die Stoffschichten vor allem dazu dienen, andere zu schützen. «Man muss weiter Abstand halten, aber wenn man wie im Ausreisezentrum sich kaum ausweichen kann, sind sie doch ein kleiner Beitrag zur Bekämpfung der Virus-Verbreitung.» Kaufen kann man die Stücke noch nicht. Sie sollen zunächst kostenlos an Migranten in Sammelunterkünften verteilt werden. «Falls das Projekt weiterwächst, können wir sie demnächst an Privatkunden abgeben.»