Interview

Co-Präsidentin der St.Galler SP-Fraktion: «Ohne Kompromisse geht es nicht»

In der Zürcher SP brodelt es. Nach  Ex-Nationalrätin Chantal Galladé sind nun auch Nationalrat Daniel Frei und seine Partnerin, Kantonsrätin Claudia Wyssen, zur GLP gewandert. Droht nun auch den St.Galler Sozialdemokraten ein solcher Exodus? Bettina Surber, Co-Präsidentin der SP-Fraktion im Kantonsrat, äussert sich. 

Rossella Blattmann
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Die St.Galler SP-Kantonsrätin Bettina Surber (37) während der Session im April dieses Jahres. Zusammen mit Laura Bucher präsidiert Surber die SP-Fraktion im St. Galler Kantonsrat im Jobsharing.   (Bild: Regina Kühne)

Die St.Galler SP-Kantonsrätin Bettina Surber (37) während der Session im April dieses Jahres. Zusammen mit Laura Bucher präsidiert Surber die SP-Fraktion im St. Galler Kantonsrat im Jobsharing.   (Bild: Regina Kühne)

Bettina Surber, mit Daniel Frei hat nun bereits der dritte Zürcher SP-Politiker zu den Grünliberalen gewechselt. Sind Sie besorgt, dass im Kanton St.Gallen nun dasselbe Szenario eintrifft?

In der St.Galler SP-Fraktion ziehen wir alle am gleichen Strick, wir kennen keine Grabenkämpfe. Darum habe ich überhaupt keine Angst, dass Mitglieder zur GLP abwandern.

Der sozialliberale Flügel ist aber auch im Kanton St.Gallen nicht stark...

Die St.Galler SP-Kantonsratsfraktion ist eindeutig sozialdemokratisch positioniert. Sie bildet einen klaren Gegenpol zur rechts-bürgerlichen Mehrheit. Um dieser Paroli bieten zu können, ist es wichtig, dass wir zusammenhalten. Ohne Kompromisse mit den anderen Fraktionen geht es aber auch nicht. Es ist immer ein Abwägen in der Fraktion. Wir diskutieren, wo wir klar auf unserer Parteilinie bleiben, und wo wir zu Kompromissen bereits sind. Das funktioniert gut. 

Was macht denn die Zürcher SP im Gegensatz zu den St.Galler Sozialdemokraten falsch?

Ob sie etwas falsch macht, kann ich nicht beurteilen. Die Zürcher SP hat sicher stärkere Pole. Bekannte Köpfe der Zürcher SP,  wie Regierungsrat Mario Fehr oder Ständerat Daniel Jositsch, gehören dem rechten Flügel der SP an. Daher kann ich mir vorstellen, dass es in der Zürcher SP zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem linken und rechten Flügel kommt. 

Die Klimadiskussion macht die GLP auch im Kanton St.Gallen attraktiver. 

Nein, das sehe ich nicht so. Die Klimapolitik war schon immer ein Kernthema der SP St.Gallen. 

Was macht die Zürcher GLP im Vergleich mit ihren St.Galler Kollegen so attraktiv?

Die St.Galler Grünliberalen treten eher wenig in den Vordergrund. Im Gegensatz zur Zürcher GLP, die man in der Öffentlichkeit durchaus wahrnimmt. 

In ganz Europa steht es schlecht um die Sozialdemokraten. Auch Ihnen  steht mit dem bürgerlichen Angriff auf den Ständeratssitz von Paul Rechsteiner  ein heisser Wahlherbst bevor...

Ich bin überzeugt, dass die St.Galler SP ihren Sitz im Ständerat behält. Paul Rechsteiner hat viel für den Kanton St.Gallen getan und sich als sehr fähiger Ständerat bewiesen.