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«Erschreckend, was in St.Gallen abgeht»: Rallye-Organisator übt nach Bussen-Streit harsche Kritik an der Stadt

Weil acht Begleitfahrzeuge an der «Classica St.Gallen» gebüsst wurden, macht sich bei den Organisatoren der Oldtimer-Rallye Unmut breit. Sie äussern Kritik am Vorgehen der Stadtpolizei – und sagen, warum sie so schnell nicht mehr in die Gallusstadt zurückkehren wollen. Die Stadt reagiert irritiert auf die Vorwürfe.
Luca Ghiselli
Die Premiere der Oldtimer-Rallye Classica St.Gallen stiess beim Publikum auf reges Interesse. (Bild: PD)

Die Premiere der Oldtimer-Rallye Classica St.Gallen stiess beim Publikum auf reges Interesse. (Bild: PD)

Hans André Bichsel ist immer noch aufgebracht: Der Organisator der «VP Bank Rally», die unter dem Titel «Classica St.Gallen» am vergangenen Sonntag erstmals in der Gallusstadt Halt gemacht hat, ist erstaunt über das Vorgehen der Stadtpolizei. Diese hatte die Halter von acht Begleitfahrzeugen gebüsst, weil sie in der Begegnungszone auf dem Marktplatz parkiert hatten. Doch das ist nicht alles, was den Rallye-Organisator am Sonntag stutzig gemacht hat.

Polizei droht wegen Tavolata mit Strafanzeige

Fahrer und Organisatoren haben vor einem Restaurant in der Altstadt eine Tavolata, ein gemeinsames Mittagessen, veranstaltet. Auch dort dauerte es nicht lang, bis die Polizei kam. «Sie drohte uns mit einer Strafanzeige, wenn die Sitzbänke nicht dichter ans Gebäude gestellt werden würden.» Was er dort erlebt habe, sei unglaublich gewesen, sagt der Rallye-Organisator. Ein konstruktives Gespräch sei nicht möglich gewesen. Hans André Bichsel sagt:

«Wir haben Ähnliches in Basel, Zürich und anderen Städten veranstaltet. Dort hatten wir nie solche Probleme. Was in St.Gallen abgeht, ist erschreckend.»

Generell sei die Polizeipräsenz am Anlass übertrieben gewesen, findet der Rallye-Organisator. «Es wurde ständig patrouilliert, man hat uns fast beim Essen zugesehen.» Auch der Bewilligungsprozess sei alles andere als optimal verlaufen. Man habe nur sehr kurzfristig eine Bewilligung für den Anlass erhalten – und erst noch mit unzähligen Auflagen.

Alles in allem habe die Stadt St.Gallen eine schlechte Visitenkarte abgegeben, schliesslich seien die Rallye-Teilnehmer auch Touristen. Das sei sehr schade, sagt Hans André Bichsel. Denn der Anlass sei, abgesehen von den unerfreulichen Nebenschauplätzen, eigentlich ein Erfolg gewesen: «Der Anlass war toll, der Speaker kompetent, das Publikum zahlreich und das Wetter schön. Da ist es umso unglücklicher, wenn Querelen mit den Behörden die Freude über die gelungene Veranstaltung trüben.»

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Für Hans André Bichsel steht fest: So schnell kehrt die «VP Bank Rally» nicht nach St.Gallen zurück. «In der nächsten Zeit kommen wir sicher nicht mehr.»

Kirchhofer: «Premiere war ein grosser Erfolg»

Bei der Organisation St.Gallen-Bodensee-Tourismus, welche die «Classica St.Gallen» gemeinsam mit den «VP Bank Rally»-Organisatoren veranstaltet hat, wertet man die Premiere hingegen als «grossen Erfolg», wie Tourismusdirektor Thomas Kirchhofer in einem Communiqué zitiert wird. Die Rückmeldungen aus dem Publikum und von den Teilnehmern seien sehr positiv gewesen. Mit dem Anlass habe man einen Beitrag zu einer belebten Innenstadt am Sonntag leisten wollen.

Tourismusdirektor Thomas Kirchhofer. (Bild: Mareycke Frehner)

Tourismusdirektor Thomas Kirchhofer. (Bild: Mareycke Frehner)

«Bedauerlicherweise erhielten einige wenige Helfer und Partner Parkbussen ausgestellt, da sie ihre Autos auf dem Marktplatz parkierten», sagt Kirchhofer. «Wir werden gemeinsam das Ganze analysieren, auswerten und nach einer einvernehmlichen Lösung für die Zukunft suchen.» Auf Nachfrage sagt Kirchhofer, man sei bereits seit Sonntagabend im Gespräch mit den Rallye-Organisatoren und den Behörden.

Lüthi: «Die Polizei hat mehrfach beide Augen zugedrückt»

War die Polizei zu streng, das Bewilligungsverfahren zu umständlich? Stadträtin Sonja Lüthi, Vorsteherin der Direktion Soziales und Sicherheit, zeigt sich ob der harschen Kritik irritiert.

Stadträtin Sonja Lüthi. (Bild: Michel Canonica)

Stadträtin Sonja Lüthi. (Bild: Michel Canonica)

Sie hält auf Anfrage fest, dass die Stadtpolizei am vergangenen Sonntag «mehrfach beide Augen zudrückte», bevor sie einschritt. Lüthi sagt:

«Die Stadtpolizei musste schliesslich – trotz Kulanz über weite Strecken – gewisse Auflagen durchsetzen, um zu verhindern, dass andere Veranstalter zukünftig Gleiches im öffentlichen Raum für sich einfordern.»

Der öffentliche Raum könne nicht zur Tavolata für Private freigegeben werden. «Daher wurden dem Veranstalter bereits im Vorfeld Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine solche Tavolata mit Einbezug der Öffentlichkeit hätte stattfinden können.» Konkret heisst das: Öffentliche Tische und ein privater, abgetrennter Bereich.

Bei der letztlich rein privaten Tavolata habe die Stadtpolizei sogar eine gewisse Kulanz in Aussicht gestellt, Teile von Tischen oder einzelne Stühle im öffentlichen Raum zu tolerieren, wenn die Tavolata grundsätzlich auf privatem Grund durchgeführt würde, sagt Lüthi.

«Leider hielt sich der Veranstalter nicht ansatzweise an die Auflagen.»

Der öffentliche Raum soll allen gehören

Dass die Rallye-Organisatoren in nächster Zeit nicht nach St.Gallen zurückkehren wollen, findet Sonja Lüthi trotz allem schade. «Wir bedauern es immer, wenn Organisatoren von guten Veranstaltungen nicht wieder nach St.Gallen kommen.» Im vorliegenden Fall habe die Stadt im Vorfeld einiges unternommen, um den Anlass zu ermöglichen.

«Wir können aber auf der anderen Seite auch nicht rechtliche Grundlagen zugunsten einzelner ignorieren, nur um Veranstaltungen in St.Gallen zu halten.» Der öffentliche Raum solle grundsätzlich allen zur Verfügung stehen – nicht nur einzelnen privaten Personen oder Organisationen. Eine Nachbesprechung mit St.Gallen-Bodensee-Tourismus sei in Vorbereitung.

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