Churfirsten: Slackline-Weltrekordversuch gescheitert

ALT ST.JOHANN. Samuel Volery aus Uster hat am Wochenende versucht, den Highline-Weltrekord auf einer Polyester-Slackline zu brechen. Geklappt hat es am Ende nicht - ein Blitz zerstörte das 537 Meter lange Band.

Jana Rutarux
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Höhenangst habe er keine, sagt Volery. (Bild: pd)

Höhenangst habe er keine, sagt Volery. (Bild: pd)

Dieses Vorhaben klingt verrückt: Der Schweizer Slackline-Meister 2013 Samuel Volery und sein Team haben am Wochenende die 537 Meter breite Lücke zwischen den beiden Churfirsten Zuestoll und Schibenstoll überspannt. "So etwas hat noch nie jemand versucht", sagt Volery. Hätte der 31-Jährige dieses Strecke auf dem Band ohne Sturz überquert, dann hätte er den Highline-Weltrekord geknackt. Dieser liegt bei Polyester-Lines bei 145 Metern.

Seit Februar plante Samuel Volery das Rekord-Projekt. Er beschaffte Material, informierte die Gemeinde Wildhaus von seinem Vorhaben und holte sich eine Bewilligung beim Bundesamt für Zivilluftfahrt. Bevor es am vergangenen Wochenende losging, knackte Volery noch den Waterline-Weltrekord (440 Meter, über Wasser), kurz darauf den Longline-Weltrekord (290 Meter, über Boden) mit einer Polyesterline. Bei der Highline handelt es sich um eine Slackline, welche in luftiger Höhe gespannt wird. Wer darauf balanciert, muss gesichert sein.

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Auf 1700 Metern
Für die Churfirsten entschied sich Volery aufgrund der Aussicht: "Ich fand die Region schon immer schön - aber das Vorhaben schien bis vor kurzem unrealistisch", sagt er. Die längste Highline, welche der Urner bisher überquert hat, war 100 Meter lang. Doch nun wollte er sich einer neuen Herausforderung annehmen.

Am vergangenen Freitag wurden das 600 Meter lange Hauptband und das Sicherheitsseil von 15 Personen montiert. Dafür wurden zuvor auf beiden Seiten drei Löcher in den Fels gebohrt, um Bohrhaken einzusetzen. Bei Dämmerung konnten bereits erste Versuche auf dem Band unternommen werden. Dieses hing auf 1700 Metern. "Angst machte mir die Höhe nicht. Und zu stürzen, gehört dazu", sagt Volery. Gesichert wurde er mit einem ein Meter langen Verbindungsseil.

537 Meter in zwei Stunden
Am Sonntagmorgen startete er dann seine erste Überquerung. Zwei Stunden lang lief er mit erhobenen Armen über den Abgrund. In der Mitte hing das Band um 35 Meter durch. Gelegentlich stürzte der Urner - deshalb zählte die Überquerung auch nicht als Weltrekord. "Als ich auf der anderen Seite ankam, war es ein unglaubliches Gefühl", sagt Volery. Doch dann machte das Wetter dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung und die insgesamt 40 Personen vor Ort mussten ins Basislager absteigen. Von dort beobachteten sie, wie plötzlich das Band und auch das zweite Sicherungsband in die Schlucht hingen. "Wir denken, dass ein Blitz die Lines getroffen hat. Es hatte mehrere verkohlte Stellen auf der ganzen Bandlänge", sagt Volery.

Eigentlich hätte er in dieser Woche weitere Weltrekordversuche unternehmen wollen. "Die Enttäuschung ist gross, vor allen Dingen hätten wir auch gerne mehr Fotos und Videos aufgenommen", sagt er. Nun müsse man sich neu orientieren. Einen nächsten Versuch möchte Volery 2016 starten, wenn er wieder das nötige Material und alle nötigen Bewilligungen hat. Bis dahin trainiere er weiter und versuche, den Weltrekord auf einer anderen Line zu knacken.