Chef der Säntis-Schwebebahn nach weiterer Lawine: «Im schlimmsten Fall muss die Stütze komplett ersetzt werden»

Eine weitere Lawine am Säntis hat eine Stütze der Schwebebahn beschädigt. Der Betrieb muss aus Sicherheitsgründen während mehrerer Monate eingestellt werden. Es ist nicht das erste Mal.

Tim Naef
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Video: Raphael Rohner

Es sind bewegte Tage, welche die Verantwortlichen der Säntis-Schwebebahnen hinter sich haben. Innert acht Tagen mussten sie die Medien vier Mal auf oder zumindest in die Nähe der Schwägalp zu einer Medienkonferenz einladen. So auch am Freitagmorgen. «Die Natur hat uns wieder einmal den Meister gezeigt», sagt Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn. Irgendwann zwischen Sonntag und Montag sei eine weitere Lawine am Säntis niedergegangen. «Dieses Mal hat es die erste Seilbahnstütze erwischt.»

Bei der insgesamt dritten Lawine des Jahres wurden sowohl der Lawinenschutz des Masts, welcher komplett zerstört wurde, als auch die Tragwerkkonstruktion beschädigt. Wie gross der Schaden aber genau ist, könne derzeit noch nicht im Detail gesagt werden, so Vattioni. Im schlimmsten Fall müsste die Stütze komplett ersetzt werden.

180 Mitarbeiter betroffen

An der Medienkonferenz mussten die Verantwortlichen eingestehen, dass sie von einer Reparaturzeit von mehreren Monaten ausgehen. Während dieser Zeit bleibt die Schwebebahn ausser Betrieb. Von der Einstellung der Bahn ist ein grosser Teil der 180 Mitarbeitenden betroffen. Allerdings müssten sie keine Konsequenzen fürchten, «weder finanziell noch bezüglich der Anstellung», betont Vattioni.

Was der eingestellte Betrieb für die momentan laufenden Umbauarbeiten des Gipfelrestaurants bedeute, könne er im Moment nicht sagen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen seien derzeit nicht abzuschätzen. Die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitenden habe oberste Priorität, sagt Vattioni.

Lage richtig eingeschätzt

Über die dritte Lawine auf der Schwägalp innert fünf Tagen konnten die Verantwortlichen noch nicht viel sagen. «Zurzeit wissen wir nur, dass die Lawine niederging, während die Rettungs- und Räumungsarbeiten des Lawinenniedergangs vom 10. Januar aus Sicherheitsgründen eingestellt waren und der Zugang des ganzen Bereichs für sämtliche Personen gesperrt war», sagt Vattioni. Zwischen den Lawinengängen seien bis zu 150 Zentimeter Neuschnee gefallen. In Verbindung mit dem orkanartigen Wind, habe die Lawinengefahr nochmals deutlich zugenommen. Dass die Arbeiten unterbrochen wurden, zeige, dass die Gefahr von den Fachleuten richtig eingeschätzt worden sei.

Den Schaden hätten Mitarbeiter der Bahn erst am Dienstagabend bemerkt, sagte Vattioni weiter. Bis am Dienstagmittag sei die Schwägalp von den Behörden abgeriegelt worden und nur für die Einsatzkräfte der Aufräumarbeiten zugänglich gewesen. «Als wir bei einer Kontrollfahrt am Dienstagabend die Schäden an der Stütze 1 sahen, haben wir sofort alle Mitarbeiter evakuiert, die auf dem Säntis mit Revisionsarbeiten beschäftigt waren. Zudem seien sofort Fachleute informiert worden. Nach eingehender Schadeninspektion sei am Donnerstag entschieden worden, dass man aus Sicherheitsgründen auf jegliche Personenfahrten verzichte.

Bereits vor 30 Jahren passiert

Während die erste Lawine für viele Experten überraschend kam und in der Grösse ein Novum für die Schwägalp darstellte, wiederholte sich beim Niedergang vom Sonntag auf Montag die Geschichte: Es sei nicht das erste Mal, dass der erste Mast der Schwebebahn von einer Lawine beschädigt wurde, sagt Vattioni. «Vor rund 30 Jahren hatten wir einen ähnlichen Fall.» Im Nachgang wurden damals die Sicherheitsmassnahmen angepasst und verbessert. «Das werden wir auch jetzt wieder machen.»

Drei Verletzte und ein beschädigtes Hotel Säntis

Am 10. Januar waren beim Abgang einer Lawine vom Nordhang des Säntis auf die Schwägalp drei Personen leicht verletzt worden. Gleichzeitig wurde das 2015 neu gebaute Hotel bei der Säntisbahn-Talstation und zahlreiche parkierte Autos stark beschädigt. Am selben Abend löste sich eine weitere kleine Folgelawine.

Innert kürzester Zeit waren rund 200 Polizei- und Rettungskräfte mit Such- und Aufräumarbeiten im Einsatz. Am Sonntag konnte Vattioni dann Entwarnung geben: Es gebe keine weiteren vermissten Personen. «Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.» Kurzdarauf mussten aufgrund der anhaltenden Schneefälle und Orkanböen die Aufräumarbeiten wegen hoher Lawinengefahr unterbrochen werden. Nur wenige Stunden später ging die dritte Lawine runter. (tn)

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