Charta für Metropolitanraum Bodensee unterzeichnet: Die Ostschweiz entwickelt ein urbanes Selbstverständnis

Die Wirtschaftsregion will ihre Kräfte über einen Metropolitanraum Bodensee bündeln und sich politisch entschiedener gegenüber Bern positionieren.

Christoph Zweili
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Bild: Urs Bucher

Die Ostschweizer haben auf Bundesebene den Ruf der Zurückhaltung und Bescheidenheit. Sie selber haben sich lange Jahre als periphere Region verstanden. Nun wollen sie mutiger auftreten. Vertreter der Ostschweiz und der Bodenseeanrainer haben am Mittwoch im Montfortsaal im Landhaus Bregenz eine Charta unterzeichnet – der erste Schritt hin zur Anerkennung des Metropolitanraums Bodensee durch die Trägerorganisationen des Raumkonzepts Schweiz, vertreten durch Bund, Kantone und Gemeinden.

Das Strategiepapier definiert einen Wirtschafts- und Lebensraum mit rund 750'000 Einwohnerinnen und Einwohnern und über 400'000 Beschäftigen zwischen Wil, St.Gallen, dem Rheintal sowie Werdenberg und Liechtenstein. Nach den Kriterien des Raumkonzepts Schweiz weist dieser Agglomerationsraum zusammen mit Süddeutschland und Vorarlberg die Eigenschaften eines Metropolitanraums auf. So werden verdichtete Zentren mit über 500'000 Menschen bezeichnet, die sich als eigenständige, urbane Entwicklungsräume verstehen.

Die Idee einer Metropolitanregion Ostschweiz ist für den Kanton St.Gallen schon länger ein Thema. Sie scheiterte bisher aber an der Mitarbeit der andern Kantone. Der Kanton Thurgau zieht im Unterschied zu beiden Appenzell auch diesmal nicht mit.

Der Bund führt 2022 eine Standortbestimmung für das Raumkonzept Schweiz durch, dabei sollen auch die Metropolitanräume überprüft werden. Der St.Galler Bauchef sagte am Mittwoch in Bregenz:

«Wir wollen als sechster Raum
anerkannt werden.»
Marc Mächler.

Marc Mächler.

Bild: Urs Bucher

Die Selbstdeklaration als Metropolitanregion hat keine direkten Folgen: Noch gibt es keine Projekte und keine Budgets. Steht die Ostschweiz aber nicht zusammen, droht sie bei der Vergabe von Bundesgeldern künftig leer auszugehen. Denn: Nach dem Verständnis des Bundes gelten diese Metropolitanräume als die «Motoren der Entwicklung» und «Orte, wo die Musik spielt». Auf mittlere und längere Sicht wird sich der Bregenzer-Akt vom Mittwoch also auf Infrastruktur- und Standortentscheide auswirken.

Der Kanton St.Gallen bleibt in der Verantwortung. Mächler will nun rasch zusammen mit Vorarlberg ein Gremium konstituieren, das Themen definiert und sich um deren Umsetzung kümmert.