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«Für mich wirkt er beruhigend»: St.Galler Firma bringt Cannabis-Kaugummi auf den Markt

CBD, der legale Wirkstoff der Hanfpflanze findet immer mehr Freunde. Doch als Tropfen schmeckt er bitter, CBD-Zigaretten sind ungesund. Das St. Galler Familienunternehmen Roelli Roelli lanciert nun einen CBD-Kaugummi.
Kaspar Enz
Einst vertrieb das Familienunternehmen Läkerol in der Schweiz, jetzt setzen die Roelli-Brüder auf CBD-Kaugummis. (Bild: Hanspeter Schiess)

Einst vertrieb das Familienunternehmen Läkerol in der Schweiz, jetzt setzen die Roelli-Brüder auf CBD-Kaugummis. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Er riecht wie ein Minzkaugummi, nur die Farbe stimmt nicht. Statt blassbläulich ist er fast unverschämt grün. Und auch im Mund ist da noch was anderes, nur was eigentlich? Ein leichter Rausch? Oder redet man sich den ein, weil ein Hanfblatt auf der medizinisch wirkenden Verpackung prangt?

«Für mich wirkt er beruhigend», sagt Andreas Roelli. Er ist einer der beiden St. Galler Brüder, die «Make It Bloom» auf den Markt bringen, den «Swiss Cannabis Gum». Und ein Rausch ist es wohl nicht, denn der Kaugummi enthält nicht THC, sondern einen anderen Wirkstoff der Hanfpflanze: Cannabidiol, kurz CBD. Der ist nicht nur legal, man verspricht sich auch medizinischen Nutzen davon. «CBD wirkt krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend. Es hilft bei Angstzuständen und schützt die Zellen. Dazu gibt es Studien in rauen Mengen.»

Seriöses Hanfprodukt

Aber die Brüder sind keine Hanf-Missionare, die sich vom Hanfkraut die Heilung aller Wunden der Welt erhoffen. Sie sind auch keine Jungunternehmer, die auf den Trend aufspringen, an jeder Ecke einen CBD-Shop zu eröffnen. Die Roellis lenken ein kleines Kaugummi- und Bonbon-Imperium, in dritter Generation. Und im Hauptsitz des Unternehmens in der St. Galler Altstadt sind sie eher die Älteren. Einer der jüngeren Mitarbeiter schlug etwas mit CBD vor. Nach anfänglicher Skepsis sahen sie das Potenzial. Noch sind zwar auch die CBD-Läden, die hierzulande aus dem Boden schossen, den Ruch der Droge nicht ganz losgeworden. Doch gerade in Teilen der USA oder Kanada mausere sich Hanf langsam zum seriösen Geschäft.

Das streben auch die Roellis mit ihren Kaugummis an. Ein Jahr lang tüftelten sie nicht nur an Konsistenz und Aroma. Es ging auch ­darum, den Kaugummi verkehrsfähig zu machen, um ihn in ganz Europa legal verkaufen zu ­können. Den Rohstoff bauen sie nicht selbst im Keller an, sie beziehen ihn von der Thurgauer Firma Medropharm, die ihren CBD-Hanf auch in der Ostschweiz anbaut. «Sie gehört auf diesem Gebiet zu den Seriösesten und Kompetentesten», sagt Kristofer Roelli.

Schmeckt besser als Tropfen

Doch ihr Kaugummi soll nicht nur seriös wirken. Fünf Milligramm des Wirkstoffs sind in einem Kaugummi enthalten. «Eine medizinische Minimaldosis beläuft sich auf 15 bis 30 Milligramm täglich», sagt Kristofer Roellin – das entspricht drei bis sechs Kaugummis. Die seien nicht nur praktischer als die Tropfen, die in den CBD-Shops erhältlich sind. Denn die hätten oft einen bitteren Beigeschmack. «Unser Kaugummi schmeckt auch noch gut. Und er erhält die natürliche Mundflora.»

Cannabis statt Läkerol

Dass das St. Galler Unternehmen Roelli Roelli CBD kaubar macht, kommt nicht von ungefähr. Einst brachte ihr Vorfahr aus Schweden Läkerol in die Schweiz. Doch die Brüder lösten sich vor 20 Jahren aus dem Konzern. Seither hat sich Roelli Roelli zu einem der grössten Schweizer Exporteure von Kaugummis und Bonbons gemausert – ganz ohne eine grosse Marke als Flaggschiff. Eine solche aufzubauen ist für das KMU auch kaum möglich. «Der Kaugummimarkt wird von einigen wenigen Playern beherrscht», sagt Andreas Roelli. Stattdessen entwickelt Roelli Roelli Eigenmarken für Grossverteiler. Kein einfaches Geschäft, denn in den Regalen müssen sie sich mit den bekannten Marken messen. «Trends auszumachen ist für uns deshalb entscheidend», sagt Andreas Roelli. Im St. Galler Büro tüfteln die Brüder mit ihren acht Mitarbeitern Ideen aus. Partnerunternehmen in der Schweiz und Europa stellen die Süssigkeiten her. Doch sie produzieren nicht nur für Grosskunden, sie suchen immer wieder nach Nischen.

Bewusster Naschen

Und eine solche besetze der Swiss Cannabis Gum mit seinen medizinischen Eigenschaften. «Es geht in Richtung gesund ­naschen», sagt Kristofer Roelli. Nicht nur der Zmittag, auch die Süssigkeiten müssten heute möglichst gesund und nachhaltig sein. «Die Menschen wollen wissen, was sie konsumieren.»

Dass es ihnen ernst ist mit dem gesunden Naschen, zeigen die Brüder auch im Vertrieb. Vorerst gibt es den Cannabis-Kaugummi weder bei Grossverteilern noch in CBD-Shops. Es gibt ihn online – und in Apotheken und Drogerien. Zuerst wohl in der Spisergass-Drogerie gleich um die Ecke. «Die fragen schon jeden Tag danach», sagt Kristofer Roelli.

Vielversprechendes Trendprodukt

Die Hanfpflanze hat es in sich: Rund 100 Wirkstoffe produziert die Pflanze. Lange interessierte nur das Tetrahydrocannabinol. Die berauschende Wirkung des THC macht die Pflanze zur Droge. Hanf mit einem hohen Anteil ­davon ist deshalb illegal. In den letzten Jahren begann sich die Forschung aber auch für andere Wirkstoffe der Cannabispflanze zu interessieren, namentlich das Cannabidiol, kurz CBD. Es beruhigt, wirkt Angstzuständen entgegen. Doch man erhofft sich auch Linderung bei Leiden wie Epilepsie, multipler Sklerose oder chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Verkehrsfähige Medikamente gibt es aber noch kaum. Dafür hat CBD einen regelrechten Trend ausgelöst: Etliche Shops verkaufen Produkte mit CBD. Der Ostschweizer Zigarettenfabrikant Heimat verkauft seine CBD-Zigis im Coop. (ken)

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