Campus Bodensee bleibt Vision

Seit zehn Jahren sind die Universitäten und Hochschulen rund um den Bodensee in der Internationalen Bodensee-Hochschule mit Sitz in Kreuzlingen vereint. Der Verbund soll weiter ausgebaut werden.

Christof Widmer
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Experimente mit der Mikrowelle, durchgeführt durch die PH Weingarten am gestrigen IBH-Geburtstagsfest. (Bild: Urs Jaudas)

Experimente mit der Mikrowelle, durchgeführt durch die PH Weingarten am gestrigen IBH-Geburtstagsfest. (Bild: Urs Jaudas)

Die Bibliotheken und Mensen stehen allen Studierenden offen. Wer an einer der 29 Universitäten oder Hochschulen um den Bodensee studiert, hat auch Anrecht auf den Ausweis der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH). Damit kann er an allen anderen Hochschulen im IBH-Verbund Bücher ausleihen und essen gehen.

Darauf will die IBH die wissenschaftliche Mobilität aber nicht beschränken.

In den zehn Jahren seit Gründung des Verbunds sind grenzüberschreitende Studiengänge, Forschungsprojekte und Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft entstanden. «Nichts funktioniert im Bodenseeraum so gut wie die Kooperation unter den Hochschulen», sagte Erwin Beck, Vorsitzender des Kooperationsrats der IBH, gestern in Kreuzlingen. Dort fand ein Bildungsgipfel zum 10-Jahr-Jubiläum der IBH statt, an dem sich alle Mitgliedhochschulen präsentierten.

Neun IBH-Studiengänge

Allerdings musste Beck vor den Medien einräumen, dass die IBH die ursprüngliche Vision eines Campus Bodensee bisher nicht realisieren konnte. Das Grundstudium werde jeweils an der angestammten Hochschule absolviert. Inzwischen werden unter dem Dach der IBH neun grenzüberschreitende Studiengänge angeboten, für die zwei oder mehrere IBH-Mitglieder zusammenarbeiten.

Darunter fällt etwa der Master in Schulentwicklung, der von sechs Pädagogischen Hochschulen gemeinsam entwickelt wurde, darunter jener des Thurgaus.

«Mit grossen Zahlen können wir nicht glänzen», sagte Beck. Die IBH-Studiengänge werden pro Jahr von 50 bis 100 Studierenden belegt. Die IBH will die Mobilität weiter fördern. Ziel ist, dass Studierende nicht nur in den IBH-Studiengängen andere Hochschulen besuchen.

Grosses Gewicht legt die IBH auf Forschungsprojekte. Schwerpunkte liegen im Bereich Umwelt/Energie und Bildung. Das schlägt auch auf den Transfer von Know-how an Unternehmen durch, den die IBH ebenfalls fördert. Ein Projekt versucht, den Energiebedarf elektrischer Pumpen zu reduzieren. Wissenstransfer sei für die Region wichtig, sagte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg. High-Tech-Firmen benötigten den Anschluss an die Forschung.

IBH-Sitz in Kreuzlingen

In Sachen grenzüberschreitender Hochschulkooperation gehört der Thurgau zu den Vorreitern – was pikanterweise auch ohne die IBH der Fall wäre. Die bedeutende Zusammenarbeit zwischen der Pädagogischen Hochschule Thurgau und der Universität Konstanz in der Ausbildung von Sekundar- und Gymnasiallehrern ist kein IBH-Projekt. Es spiegle aber deren Geist, sagt die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill. Nicht umsonst sei die IBH-Geschäftsstelle in Kreuzlingen angesiedelt worden.

Die rein bilaterale Kooperation zwischen den Hochschulen sei je länger, je weniger möglich. Darum profitiere der Thurgau von der IBH. Die IBH wird von der Internationalen Bodenseekonferenz getragen. Der Thurgau finanziert sie so indirekt mit.

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