Bye bye Badi

Der Sommer ist vorbei. Er kam erst spät, aber dafür ist er bis gestern geblieben. Manche Badis haben im schönen Septemberwetter eine Chance gesehen.

Katharina Brenner
Merken
Drucken
Teilen

Die ersten Blätter an den Bäumen haben sich bereits verfärbt, die Puppen in den Schaufenstern tragen seit Wochen Mäntel und Schals. Trotzdem war bis gestern an Herbst nicht zu denken. 14. September – und das Wasser im Bodensee 22 Grad warm. In den Badis herrschte bis gestern Hochbetrieb – in jenen, die noch offen waren. Im Schwimmbad Arbon sollte die Badesaison eigentlich am 11. September enden. «Weil das Wetter so schön war, haben wir die Öffnungszeiten um eine Woche verlängert», sagt Hanspeter Mazenauer, Leiter Freizeit, Sport und Liegenschaften der Stadt Arbon. Nun endet die Badesaison in Arbon erst mit dem Bettag diesen Sonntag.

Die Stadtsanktgaller fahren an den Bodensee

Das Sportamt der Stadt St. Gallen war weniger optimistisch. Die Höhenmeter, die zwischen dem Bodensee und der Stadt liegen, könnten der Grund für die unterschiedlichen Wetterprognosen gewesen sein. Das Familienbad Dreilinden und die Freibäder Rotmonten und Lerchenfeld haben seit zwei Wochen geschlossen, der Mannenweier seit dieser Woche. Obwohl das Wasser auch dort diese Woche noch 22 Grad hatte. Das Sportamt teilte mit, dass die Saison analysiert und der Entscheid hinterfragt werde; in Zukunft wolle man flexibler reagieren. Für die Stadtsanktgaller war die frühe Schliessung ihrer Bäder aber nicht nur ein Nachteil. Vielmehr war es die Chance, wieder einmal an den Bodensee zu fahren. Nicht nur in Arbon, auch in Rorschach und Romanshorn konnten sie baden. Das Strandbad Rorschach hatte bis gestern geöffnet, die Badhütte Rorschach und das Seebad Romanshorn schliessen am Sonntag.

Für Auskünfte über die aussergewöhnlich hohe September-Seewasser-Temperatur hatten die Bademeister der Badhütte und des Seebads gestern keine Zeit. «Zu viel los.» Wer konnte, war an diesem letzten Spätsommertag in der Badi. Laut MeteoSchweiz lag die Durchschnittstemperatur im Mittelland in den ersten zwei Septemberwochen bei 19,8 Grad – der zweithöchste Wert seit Messbeginn 1864.

Die Fische stört die warme Wassertemperatur nicht

Wohl sollten wir es wie die Fische halten. Die kennen sich schliesslich aus mit Wasser. «Fische können mit Temperaturschwankungen umgehen, unabhängig, ob es im Juni oder im September wärmer ist», sagt Michael Kugler vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Die Wärme macht ihnen nichts aus? Kugler winkt ab: «Den Fischen geht's gut. Die warme Wassertemperatur beeinflusst sie nicht, weil sie in einem offenen System den für sie optimalen Bereich aufsuchen.» Werde es an der Oberfläche zu warm, gingen sie weiter in die Tiefe. 95 Prozent des Bodenseewassers hat das ganze Jahr eine Temperatur zwischen vier und sechs Grad – alles, was tiefer als 17 Meter liegt.

Hier wird der Unterschied zwischen Fisch und Mensch deutlich: Während es der Fisch gern etwas kühler mag, wird es für uns an Tagen wie gestern erst richtig schön im Wasser. Ab 22 Grad. Heute gibt's vielleicht noch einen letzten Schwumm. Dann aber heisst es: Bye bye Badi.